Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 29.3.2009 (Andy Fuhrer)

Alltägliche Beziehungen Matthäus 22, 37-39; 1.Timotheus 4,7

EINLEITUNG

Vor einiger Zeit las ich eine Geschichte, die mich sehr berührt hat. Sie handelte von einem Mann namens Tony Campolo und einer Frau, die zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt, was wirkliche Liebe ist. Ich möchte euch diese Geschichte kurz zusammenfassend erzählen:

Tony wohnt an der Ostküste der USA und macht auf Hawaii Urlaub. Da seine innere Uhr sich noch an seiner Heimat orientiert, ist er nachts um 3 Uhr hellwach, hungrig und zieht deswegen durch die Strassen. Dabei kommt er an einer Bar vorbei, in welche er geht, um etwas zu essen. Die einzigen anderen Gäste sind ein paar Prostituierte, die für diesen Tag fertig sind mit ihrer Arbeit. Eine von ihnen heisst Agnes. Tony hört den Frauen zu und erfährt von Agnes, dass sie am nächsten Tag Geburtstag hat, aber in ihrem ganzen Leben noch nie eine eigene Geburtstagsfeier erlebt hat. Nachdem die Frauen gegangen sind, bringt Tony beim Wirt in Erfahrung, dass die Frauen jede Nacht in diese Bar kommen.

In diesem Augenblick hat Tony eine Idee. Er fragte den Wirt, ob er etwas dagegen hätte, wenn er am nächsten Tag wiederkäme, um eine Party für Agnes zu schmeissen. Der Barkeeper ist einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass sich seine Frau um das Essen kümmern und er die Geburtstagstorte backen darf. In der nächsten Nacht ist Tony um halb drei Uhr wieder in der Bar. Er hat etwas Dekorationsmaterial gekauft und ein Schild gemalt, auf dem steht: «Happy Birthday, Agnes!» Die Frau des Wirtes, die sich um das Essen kümmerte, hatte allen, die es wissen wollten, von der Party erzählt, denn kurz vor 3 Uhr befanden sich sämtliche Prostituierten der Stadt in dem Lokal. Überall nur Prostituierte und Tony, der Wirt und seine Frau. Um halb vier Uhr öffnet sich die Tür und Agnes kommt mit ihren Freundinnen herein. In diesem Augenblick singen alle Gäste «Happy Birthday!»

Vermutlich hat die Welt noch nie so ein verblüfftes Gesicht gesehen. Agnes reisst den Mund auf und ihre Knie geben nach. Als die Gruppe mit dem Ständchen fertig ist, sind ihre Augen feucht. Die ersten Tränen laufen an ihren Wangen herunter. Dann wird der Kuchen hereingetragen. In dem Augenblick ist es aus mit Agnes. Sie fängt hemmungslos zu weinen an. Schluchzend steht sie vor ihrer Torte. Der Wirt kann nicht wirklich mit ihren Gefühlen umgehen, drückt ihr ein Messer in die Hand und nuschelt nur noch: «Los, Agnes, schneid die Torte an, sonst mach ich es.» Agnes nimmt das Messer und schaut den Kuchen an. Dann fragt sie: «Macht es euch etwas aus, wenn ich ihn noch etwas behalte? Wenn wir ihn noch nicht gleich essen? Wisst ihr, es ist der erste Kuchen, den ich jemals bekommen habe.» Eine der Frauen erwidert:: «Natürlich, es ist deine Torte, mach damit, was du willst.» Dann schaut Agnes Tony an. «Ich wohne nur ein Stück die Strasse hinunter. Ich bringe ihn eben heim, und zeig ihn meiner Mutter, OK? Dann komme ich wieder.» Agnes nimmt den Kuchen und trägt ihn hinaus, als ob es der heilige Gral sei. Die anderen Gäste stehen bewegungslos im Raum und schauen ihr nach. Alle sind zu Tränen gerührt. Niemand sagt etwas. Jedes Wort droht den Augenblick zu zerstören. Tony ist es dann, der als Erster wieder die richtigen Worte findet. «Habt ihr etwas dagegen, wenn ich jetzt für Agnes bete?», fragt er. Und es ist ein etwas spezieller, komischer Moment, als ein Tourist mitten in der Nacht eine Gebetsversammlung von Prostituierten leitet, irgendwo in einer Bar in Honolulu. Aber Tony betet. Er betet für Agnes, dafür, dass Gott sich ihr bekannt macht. Er bittet ihn darum, dass er ihr viel Gutes im Leben tun, ihre Wunden heilen und ihr Leben verändern möchte. Er bittet Gott um seinen Segen für diese Frau. Als er fertig ist, schaut ihn der Wirt etwas verwirrt an: «Hey, ich habe nicht gewusst, dass du ein Pfarrer bist. Zu was für einer Kirche gehörst du?» Tony fliegt die richtige Antwort nur so zu und er antwortet: «Ich bin zwar kein Pfarrer, aber ich gehöre zu einer Kirche, die morgens um 3 Uhr Geburtstagsparty's für Prostituierte schmeisst.» Der Wirt denkt einen Augenblick nach, dann sagte er etwas zynisch: «So ein Blödsinn! So eine Kirche gibt es nicht, denn wenn es sie geben würde, dann würde ich sofort beitreten.»

HAUPTTEIL

Ich habe mich manchmal beim Lesen dieser Geschichte beim Gedanken ertappt, dass ich das gerne auch erleben würde. Ich habe mich manchmal beim Gedanken ertappt, dass das doch auch die Heilsarmee sein könnte. Man nennt uns als Heilsarmee «Kirche der Strasse». Stimmt das?! Sind wir eine Kirche der Strasse? Wenn ich ehrlich bin, dann spüre ich in mir den Wunsch, zu solch einer Kirche zu gehören, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Gottes Liebe verschwenderisch unter's Volk zu bringen.

Könntet ihr euch vorstellen, solch verrückte Dinge zu tun, wie nachts um 3 Uhr in Zürich und Umgebung Geburtstagsparties für Leute zu organisieren, die keine Freunde haben? Könntet ihr euch vorstellen, dass wir uns als Heilsarmee, als «Kirche der Strasse» zusammentun als Menschen, die Gottes Liebe in ihrem Leben erfahren haben, um diese Liebe dann verschwenderisch unter's Volk zu bringen?

Ich glaube, Jesus möchte, dass seine Gemeinde (und dazu zählt auch die Heilsarmee!!) genau solch eine Kirche ist.

Es scheint Jesus immer wieder eine besondere Freude gemacht zu haben, gerade die Ausgestossenen, die Missbrauchten, die Vergessenen und auch die moralisch Bedenklichen mit Gnade und Liebe zu überschütten.

In Johannes 8,1-12 lesen wir, wie Jesus eine Ehebrecherin trifft. An einem frühen Morgen brachten die städtischen Sittenwächter die Frau zu ihm. Man hatte sie auf frischer Tat ertappt. Nach dem damaligen jüdischen Gesetz hatte eine verheiratete Frau, die sich mit einem anderen einliess, den Tod verdient. Und obwohl das Urteil schon lange feststand, sollte Jesus noch seine Meinung dazu äussern.

Während die ersten dieser Männer sich wohl schon nach den passenden Steinen umsahen, blieb Jesus ruhig und liess dem Vollstreckungskommando die Luft aus dem Pneu. Er sprach einen seiner bekanntesten Sätze: «Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.» Und wenige Sekunden später hörte man überall die Steine auf den Boden plumpsen und konnte sehen, wie gestandene Männer sehr nachdenklich nach Hause gingen.

Nun war Jesus mit der Ehebrecherin alleine. Es wäre also jetzt der richtige Augenblick für eine Moralpredigt und einen Vortrag über die Gefahren und die Folgen einer Gesetzesübertretung. Er könnte ihr die Leviten lesen! Aber was macht Jesus? ER schaut die Frau an uns sagt: «Ich verurteile dich nicht. Sündige nicht mehr, ändere dein Leben, geh' nach Hause. Du musst nicht sterben, Du darfst leben.»

Denken wir daran, wer das hier sagt. Nicht irgendein Ethiklehrer, nicht einfach ein schlauer Mann oder Religionsstifter. Hier redet der Sohn Gottes. Hier redet Gott selbst. Der, von dem solche Anweisungen, wie «Du sollst nicht Ehebrechen!» stammen. Der, der gesagt hat: «Wenn ihr meine Gebote nicht haltet, müsst ihr sterben.» (Adam&Eva) Dieser sagt: «Ich verurteile dich nicht. Geh nach Hause, freu dich über dein Leben. Ändere es. Aber lebe weiter.» Statt einem verdienten Urteilsspruch bekommt die Ehebrecherin einen Freispruch, den sie nicht verdient hat.

Ich muss euch ehrlich sagen, wenn ich so etwas lese, dann fange ich an, mich zu schämen. Wie schnell verurteile ich Menschen in meiner Umgebung, deren Schuld eine Bagatelle ist im Gegensatz zu dem, was die Frau hier getan hat. Wie oft spreche ich meine Urteile, nur weil mich jemand geärgert oder versetzt hat? Jesus ist ganz anders. Jesus würde nachts um 3 Uhr eine Geburtstagsparty organisieren, nur um mal jemandem zu zeigen, wie wertvoll er ist.

Oder denken wir an die Geschichte mit Zachäus (Luk.19, 1-10) Zachäus, ein Zöllner. Er nahm sich, was er wollte. Wenn er mehr Geld brauchte, dann wurden die Wegzollabgaben kurzerhand angepasst. Zachäus war ein Halunke, ein Halsabschneider, ein absoluter Egoist, einer von denen, die man nicht zu seiner Grillparty einladen würde. Keiner mochte ihn, man übersah ihn gern oder schaute durch ihn hindurch. Jeder machte einen grossen Bogen um ihn, aber Jesus ging direkt auf ihn zu und lud sich bei ihm zum Essen ein. Jesus redet mit ihm, verbringt Zeit mit ihm, lacht und zeigt ihm, wie er ein viel besseres Leben führen kann – jenseits von Betrug und Habgier.

WARUM tat Jesus so etwas?

Warum lässt er den Kerl nicht einfach auch links liegen?

Die Antwort ist einfach: Weil er eine unglaubliche Liebe für jeden Menschen empfindet. Während ich noch damit beschäftigt bin, andere danach zu beurteilen, ob sie meine Aufmerksamkeit verdient haben oder nicht, liebt Jesus sie einfach. Jeden gleich. Die Ehebrecherin, den Zöllner, den Versager...

Mit dem Versager meine ich Petrus. Wir erinnern uns: Am Anfang steht die grosse Tischrede: «Jesus, wenn alle dich verlassen, ich werde bei dir bleiben!» Was für ein Versprechen! Und schon ein paar Stunden später tut er so, als hätte er Jesus noch nie vorher gesehen. Seinen besten Freund verleugnet er gegenüber einer Frau und ein paar Soldaten. In dem Augenblick, in welchem Jesus bestimmt ein paar stärkende Hände in seinem Rücken gebrauchen könnte, dreht Petrus ihm aus Feigheit den Rücken zu.

Eigentlich gehört so einer auf der roten Liste nach ganz oben. Jeder hätte verstanden, wenn Jesus sich von Petrus abgewandt hätte. Aber Jesus denkt wieder einmal ganz anders. Einige Tage später sitzen Petrus und Jesus alleine am See und Jesus stellt ihm die alles entscheidende Frage: «Petrus, hast DU mich lieb?» Sonst nichts. Kein Vorwurf, keine Frage danach, ob er sich bessern wolle oder ob er es wenigstens bereue. Nur diese eine Frage. Und es bricht aus Petrus heraus. Sein ganzes Versagen, sein Schämen, seine Sehnsucht, diese eine Nacht ungeschehen zu machen. Alles steckt in diesem Satz: «Ja, Jesus, du weisst, dass ich dich lieb habe.» Und Jesus antwortet: «Dann hüte meine Schafe.» Kümmere dich wieder um meine Leute. Mach dort weiter, wo du mit mir aufgehört hast. Herzlich willkommen im Team. Du bist wieder dabei!

Oft ist Jesus den Menschen mitten in ihrem Alltag begegnet. In ihren ganz gewöhnlichen Augenblicken: beim Wasserholen, bei der Arbeit, beim Einkaufen, im Wohnzimmer oder wo auch immer ... Und jedes Mal veränderte die Begegnung mit IHM ihr Leben. Oft nicht durch das, was er ihnen sagte, sondern vor allem durch die Haltung, die er ihnen gegenüber einnahm. Wenn ich Jesus-Berichte in der Bibel lese, dann wird es mir einfach klar, dass er wirklich jeden Menschen geliebt hat und auch HEUTE liebt und zwar auf eine Art und Weise, die mich unglaublich fasziniert. Und je länger ich darüber nachdenke, umso grösser wird in mir der Wunsch, genauso zu sein wie Jesus. Genau dieselbe Liebe zu empfinden, die er empfunden hat.

Frage: Ist das wirklich unmöglich?!

Ich will mich einfach nicht mehr länger von meinem oftmals kleinkarierten Schubladendenken gefangen nehmen lassen, sondern ein offenes Herz für die Menschen bekommen, die ich in meinem Alltag treffe. Meine Familie, den Briefträger, der öfters die Post in den falschen Briefkasten einsteckt, einen von euch, die Leute, die vor mir die Kassenreihe im Migros «verstopfen» ... Und was mir an diesem Gedanken auch gefällt, ist, dass dieser Wunsch gleichzeitig ein Auftrag von Jesus an uns ist. Er wurde einmal gefragt: «Was ist eigentlich das wichtigste Gesetz?» Was ist also die wichtigste Regel, wenn wir mit Gott leben? Auf was kommt es wirklich an?

Matth.22, 37-39:

«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das grösste und wichtigste Gebot. Das zweite ist gleich wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst.»

> Mein Wunsch ist also sein Auftrag an mich. Aber beachten wir dabei, was Jesus hier NICHT sagt. ER sagt NICHT: «Ich gebe euch mal zwei Gebote zur Auswahl. Sucht euch aus, welches euch am besten gefällt. Wenn ihr NICHT so die Beziehungstypen seid, dann konzentriert euch einfach ganz und gar auf Gott.» Das sagt ER nicht. ER sagt auch NICHT: «Das Allerwichtigste im Leben ist, dass ihr Gott voll und ganz liebt. Wenn dann noch etwas Liebe übrig bleibt, dann gebt sie den Menschen in eurer Nähe weiter ...» Das sagt er AUCH NICHT.

Für Jesus gehört beides zusammen. Wie ein Seil, welches aus zwei Schnüren zusammengedreht ist. Die Liebe zu Gott und die Liebe untereinander lassen sich nicht trennen. Sie gehören ganz eng zusammen. So eng, dass sie sich gegenseitig ergänzen. In der Art und Weise, wie wir andere Menschen sehen, wird unsere Liebe zu Gott sichtbar. Und in der Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen umgehen, wird deutlich, WIE ECHT meine Liebe zu Gott ist. Wenn ich einem Menschen in meinem Alltag begegne, wenn ich mit ihm rede oder wenn ich auch nur über ihn nachdenke, dann habe ich jedes Mal die Möglichkeit, etwas von meiner Liebe zu Gott sichtbar werden zu lassen. Dann wird meine Liebe zu Gott greifbar. Dann wird aus einem Bekenntnis eine Erfahrung. Und das ist ehrlich gesagt, nicht einfach, oder?! Jedes freundliche Wort, jede Geste, jedes Zuhören und Dasein – alles das kann unsere Liebe zu Gott zum Ausdruck bringen. Darum gehören Gottes- und Nächstenliebe so eng zusammen. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich will mehr lernen, so zu lieben. Nicht nur theoretisch, sondern alltäglich. Ich will es nicht mehr akzeptieren, dass ich Menschen links liegen lasse, ignoriere oder hoffe, dass sie mir nicht über den Weg laufen ...

Die Frage dabei lautet: WIE schaffen wir es?

Einfach so drauf los zu lieben, wird wohl nicht wirklich nachhaltig funktionieren. Das klappt vielleicht noch ganz gut bis heute zum Mittagessen, oder vielleicht auch bis heute Nachmittag, wenn der nette Besuch kommt ...

- Aber was ist, wenn der nette Besuch gar nicht so nett ist?

- Oder was wird morgen sein, wenn wieder einmal dein Chef einen Schuldigen sucht und in deinem Büro steht?

- Was wird sein, wenn morgen Abend mein Sohn auf mich zukommt, mit mir Fussball im Wohnungsgang spielen will, ich aber lieber meine Ruhe möchte?

Wieviel Liebe haben wir dann noch übrig?! Spätestens dann wird deutlich, dass ein guter Vorsatz alleine nicht weiterhilft. Das wäre dann so, als würde man von uns verlangen, morgen früh an einem Marathonlauf teilzunehmen. 42,195km!! Ich weiss nicht, wie fit Sie sind, aber wenn man das von mir verlangen würde, das würde in einer Katastrophe enden! Aber was müsste passieren, damit ich den Marathonlauf überlebe? Ich müsste vorher trainieren. Lang und hart. Erst ganz langsam, später dann immer schneller und immer mehr. Vielleicht wäre es auch gut, wenn ich einen Trainer hätte. Einer, der mir zeigt, wie es richtig geht. Paulus schreibt in seinem Brief an Timotheus: «Übe dich dari,n so zu leben, dass Gott geehrt wird» (1.Tim.4, 7). Wenn wir lernen wollen, Menschen zu lieben, wie es Jesus tut, dann sollten wir anfangen zu trainieren. Und achten wir dabei darauf, einen Fehler nicht zu machen: Nämlich zu viel zu wollen! Fangen wir klein an ... Fangen wir doch mit denen an, die uns am nächsten stehen:

- Der Arbeitskollege an Ihrer Arbeitsstelle. Fangen Sie an, ihm einmal wirklich zuzuhören, ihn in seiner Welt zu verstehen, und fragen Sie sich dann, wie Sie ihm etwas von der Liebe Gottes zeigen können.

- Unsere Eltern warten vielleicht auf einen Anruf unsererseits ...

- Männer: Unsere Frauen würden sich vielleicht über einen Blumenstrauss freuen, oder besser: eine helfende Hand im Haushalt ...

- Oder unsere Kinder wünschten sich vielleicht wieder einmal einen freien Nachmittag ...

Wir müssen als Erstes die kleinen Schritte machen und dann dürfen wir das Programm natürlich auch steigern, indem wir zu den etwas unbequemeren Situationen gehen. Wenn wir aber wirklich lernen wollen, den Menschen mit Liebe zu begegnen, müssen wir verstehen, wie Jesus dies getan hat. Seine Prinzipien und Motive erkennen und seine Ziele entdecken, die er mit den Menschen hatte.

SCHLUSS

Jesus sah die Menschen mit den Augen seines Vaters! Bei mir ist es so: Wenn ich einen Menschen anschaue, dann sehe ich in sein Gesicht, höre sein Reden und schaue an, wie er sich benimmt. Ich achte auf seine Gesten, rieche seinen Geruch und achte auf die Frisur und dann zähle ich das alles zusammen und entscheide, ob ich diesen Menschen mag oder nicht. Wir entscheiden aufgrund von Äusserlichkeiten. Wenn Jesus einen Menschen anschaut, dann sieht ER tiefer. Er sieht den Menschen so, wie Gott ihn sich einmal gedacht hat.

Wenn Jesus eine Prostituierte ansah, dann sah er sie mit den Augen seines himmlischen Vaters an, der für ihr Leben mehr im Sinn hatte, als dass sie ihren Körper verkaufte. Wenn Jesus einen Zöllner sah, dann sah er nicht den Halsabschneider, den Egoisten, den andere in ihm sahen. ER sah einen verlorenen Sohn, der durch das Leben rennt und hofft, dass ihn sein Bankkonto glücklich macht und ihm Lebenssinn gibt. Wenn Jesus einen Drogenabhängigen am Bahnhof sieht, dann sieht er einen verzweifelten Menschen, der versucht, seinem Leben irgendwie ein wenig Glück oder wenigstens genügend Betäubung zu geben, damit er sein Unglück nicht mehr fühlt. Jesus sieht das alles, weil er nicht nur auf das Äussere sieht, sondern tiefer, ins Herz schauen kann.

Als Heilsarmee, als Kirche der Strasse haben wir IMMER NOCH Kontakt zu solchen Menschen. Wir sind alle Teil dieser Heilsarmee, geben der Heilsarmee ein Gesicht. ABER: Egal um welche Menschen es geht, um die Menschen auf der Strasse, welchen wir als Heilsarmee begegnen, oder um die Menschen in unseren Korpsgemeinschaften, oder die Menschen in unseren Familien. Wenn wir diese Menschen wirklich lieben wollen – so wie Jesus das tut – dann brauchen wir diesen Blick von Jesus. Und den kann nur ER uns schenken.

Darum:

Wenn wir einen Menschen ansehen, dann dürfen wir nicht nur das sehen wollen, was uns gerade offensichtlich entgegenkommt, sondern wir dürfen uns fragen, WIE Jesus diesen Mensch sieht. Und wir dürfen dann den Heiligen Geist bitten, dass er unseren Blick weitet und unser Herz für diesen Menschen öffnet. Ich möchte gerne lernen, mit den Augen des Vaters zu sehen. Und IHR?!

Frage: WIE würde sich unser persönlicher Alltag verändern?

WIE würde sich unser Korps verändern, unser Umfeld verändern, wenn wir uns heute Morgen zu solch einem Trainingsprogramm verpflichten würden?

Ich glaube, wir kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus!

Amen.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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