Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 15.3.2009 (Andy Fuhrer)

Hast du mich lieb? Joh. 21, 15-22

EINLEITUNG

In unserem Bibeltext heute Morgen wird uns eine Kernfrage gestellt. Eine Kernfrage, welche mich herausfordert und mein ganzes Leben ins richtige Licht rückt! Es geht um die Liebe Gottes, eine Liebe, die alles verändert! Der Kern der biblischen Botschaft ist die Liebe Gottes, und diese Liebe ist es, die in unserem Leben Geschichte schreiben kann, diese Liebe wollen wir etwas genauer anschauen ...

HAUPTTEIL

«15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: 'Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier?' Petrus gab ihm zur Antwort: 'Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.' Darauf sagte Jesus zu ihm: 'Sorge für meine Lämmer!' 16 Jesus fragte ihn ein zweites Mal: 'Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?' Petrus antwortete: 'Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.' Da sagte Jesus zu ihm: 'Hüte meine Schafe!' 17 Jesus fragte ihn ein drittes Mal: 'Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?' Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun schon zum dritten Mal fragte: 'Hast du mich lieb?' 'Herr, du weißt alles', erwiderte er. 'Du weißt, dass ich dich lieb habe.' Darauf sagte Jesus zu ihm: 'Weide meine Lämmer!' 18 'Ich möchte dir etwas sagen: Als du noch jung warst, hast du dir den Gürtel selbst umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Doch wenn du einmal alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dir den Gürtel umbinden und dich dahin führen, wo du nicht hingehen willst.' 19 Jesus deutete damit an, auf welche Weise Petrus sterben würde und dass durch seinen Tod die Herrlichkeit Gottes offenbart würde. Er schloss, indem er sagte: 'Folge mir nach!' 20 Petrus wandte sich um und sah, dass der Jünger, den Jesus besonders liebte, ihnen folgte – jener Jünger, der sich damals beim Abendessen zu Jesus hinübergelehnt und ihn gefragt hatte: 'Herr, wer wird dich verraten?' 21 Als Petrus ihn sah, fragte er Jesus: 'Herr, und was wird aus diesem hier?' 22 Jesus erwiderte: 'Wenn ich will, dass er am Leben bleibt, bis ich wieder komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!'»
Joh. 21,15-22

Wir müssen uns die Situation vorstellen, in welcher sich Jesus und seine Jünger befanden, als diese Begebenheit passierte: Johannes, der Schreiber des Evangeliums, fügt dieses Erlebnis als eines von dreien an, bei welchem die Jünger Jesus nach seinem Tod am Kreuz von Golgatha und seiner Auferstehung aus dem Grab nochmals sahen, bevor er zu seinem himmlischen Vater aufstieg und sie verliess.

Die Jünger um Petrus waren die ganze Nacht auf dem See. Sie hatten absolut nichts gefangen, gegen Morgen machten sie sich wieder auf den Heimweg, zurück ans Ufer. Als sie dort ankamen, stand Jesus am Strand, schickte sie nochmals hinaus auf den See, hiess sie, das Netz auf der anderen Seite nochmals auszuwerfen, und die Jünger fingen so viele Fische, dass das Netz fast zerriss. Und bei ihrer zweiten Rückkehr hatte Jesus ein Feuer entzündet und hatte Fische gebraten. Er hatte ihnen ein Frühstück vorbereitet.

1. Liebe räumt auf

Nach diesem Fischwunder und dem liebevollen Empfang am Ufer haben Jesus und Petrus miteinander noch etwas zu klären. Jesus nimmt Petrus zur Seite. Er möchte mit ihm unter vier Augen sprechen. Ich denke, er wollte Petrus nicht blossstellen. Das was jetzt passierte, war eine Sache zwischen ihnen allein. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Petrus etwas mulmig zu Mute war. Vielleicht war es eine Zeitlang ganz still zwischen den beiden.

Was ging Petrus durch den Kopf?

Dachte er daran, dass Jesus ihn nun zur Rede stellen wollte, weil er ihn trotz allen gegenteiligen Versprechungen dreimal verleugnet hatte, nur um sein Leben zu retten? Fragte er sich, ob Jesus ihn überhaupt noch als Nachfolger wollte? Hatte Jesus überhaupt noch Interesse an dem Versager Petrus? Dieser Moment der Stille, war für Petrus sicher einer der schwersten Momente ... Aber dann darf er erleben, wie Jesus beginnt, mit ihm Geschichte zu schreiben.

Mitten in die Stille kommt eine sicher nicht so von Petrus erwartete Frage. Vielleicht hat sie ihn besonders geschmerzt, weil er sie so nicht erwartet hatte: «Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber als irgendjemand sonst hier?» Vielleicht wäre es Petrus lieber gewesen, wenn er sein Versagen hätte erklären können. Aber Jesus hat keine Freude daran, ihm sein Versagen nochmals so richtig vorzuhalten. Nein, Jesus weiss, wie sich Petrus fühlt. Jesus weiss, dass Petrus bittere Tränen geweint hat und wie es ihn schmerzt, dass er Jesus enttäuscht hatte. Jesus spricht Petrus nicht bei seinem Amtsnamen «Petrus» an. Er gebraucht nicht die Bedeutung «Fels», welche Petrus in seinem Namen ausdrücken soll. Er nennt ihn «Simon, Sohn des Johannes». Nur so, einfach nur als Mensch, steht er, Petrus, Jesus gegenüber. Kein Amt sichert ihn, schafft Distanz. Und darum geht die Frage: «Liebst du mich?» an ihn, ganz persönlich an ihn, an sein Herz. Jesus meint nicht irgendeine Leistung oder Erkenntnis, sondern er meint Petrus selbst. Es geht in dieser Frage um seine tiefste, innerste Einstellung, um seine Liebe zu Jesus, seinem Retter und Heiland.. Diese Frage von Jesus muss für Petrus ein Stich ins Herz gewesen sein. Diese Frage schmerzte, sie tat weh. Aber es war keine anschuldigende Frage. Es war eine Frage, die voll Liebe gestellt wurde. Eine Liebe, welche es Petrus ermöglichte aufzuräumen, mit dem, was passiert war. Er, Petrus, der Anführer, der Leiter der Jünger, hatte sich eigentlich bis auf die Knochen blamiert. Er hatte gelogen und seinen Herrn verleugnet. Triumphierend hatte er Jesus versprochen: «Herr, ich gehe mit dir bis in den Tod. Wenn dich alle verlassen, ich nicht!»

«Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber als die anderen hier?»

Diese Frage beinhaltet keinen Vorwurf! Das ist es, was mich staunen lässt! Wie würden wir reagieren, wenn wir an Jesu Stelle gewesen wären? Diese Frage beinhaltet eigentlich viel eher eine herzliche Einladung an Petrus. Jesus sagt mit dieser Frage auch: «Petrus, du hast selbst gemerkt, dass dein Verhalten nicht in Ordnung war, aber ich möchte dir gerne vergeben.» Und Petrus gibt eine Antwort. Der siegessichere Ton, das Triumphierende in seiner Stimme ist verschwunden, aber er antwortet: «Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.» Petrus wendet sich seinem Herrn zu. Und mit dieser Antwort könnte alles gut sein ...

Vielleicht war Petrus erleichtert, so ganz nach dem Motto: «Noch einmal gut gegangen!» Doch dann mitten in die erleichterte Stille: «Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?» Jesus fragte ein zweites Mal. Er hat nicht etwa schlecht gehört, nein, Jesus führte wohl eine Art Wurzelbehandlung, eine Generalreinigung durch. Denn nach der eher zögerlichen Antwort von Petrus fragt Jesus dann sogar noch ein drittes Mal: «Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?» Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Petrus nach dieser dritten Frage mit der Erleichterung vorbei war, vielleicht kamen ihm auch die Tränen. Vermutlich hörte er in Gedanken den Hahn so laut krähen, dass ihm fast das Trommelfell platzte. Dieses Krähen, welches ihm damals bewusst machte, dass er Jesus, verleugnet hatte und somit eingetroffen war, was Jesus ihm im Voraus prophezeit hatte! Was sollte er auf diese dritte Frage antworten? Vielleicht lief vor seinem inneren Auge ein Film ab. Er dachte an die schönen Momente, an all das, was er in den letzten drei Jahren mit Jesus und den anderen Jüngern erlebt hatte. All die schönen Situationen, wo er Jesus echt lieben lernte, weil dieser immer so liebevoll und anders handelte ... Und Petrus kann nicht anders. Er antwortet auch bei der dritten Frage mit «JA». Er weiss, dass er falsch gehandelt hat, aber er weiss auch, dass er Jesus trotzdem lieb hat. Gerade durch dieses Erlebnis hat er erkannt, wie sehr er Jesus liebt.

Vielleicht kennen Sie das auch? Da ist einem etwas ganz Dummes passiert. Man ist schuldig geworden, hat zu Jesus gesagt: «Herr, es tut mir leid. Vergib mir, es wird nicht wieder passieren!» Und dann, ein paar Tage später doch wieder das Gleiche. Und ich kann es nicht rückgängig machen. Heisst das jetzt, ich liebe Jesus nicht mehr? Nein, aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder zu sagen: «Herr, du weißt, dass es mir leid tut. Ich bin wieder schuldig geworden, aber ich möchte wieder zu dir zurückkommen. Ich möchte dich um Vergebung bitten. Ich liebe dich, weil ich weiss, dass du nie dein Angebot, mir zu vergeben, zurückziehst.»

Liebe, die aufräumt.

2. Liebe baut auf

Aber das ist nicht alles! Jetzt geht es weiter bzw. geht es jetzt erst richtig los! Denn die Liebe räumt auf, um etwas Neues aufzubauen. Wenn der Grund sauber gelegt ist, kann es weiter gehen! Also: Liebe, die aufbaut!

«Weide meine Lämmer!»

Indem Jesus diesen Auftrag an Petrus weitergibt, vergibt er ihm. Er erkennt damit die Liebe von Petrus an. Er glaubt ihm. Und das ist das Schöne an Gott. Er kennt uns Menschen ganz genau, er weiss, wie wir sind. Wie schwach wir sind, und dennoch will er unsere Mitarbeit an seinem Reich. Er hätte seine Engel dafür nehmen können, aber er will uns Menschen für diese Aufgabe. «Weide meine Schafe, meine Lämmer!» Damit sind die Menschen gemeint, die Menschen, die Jesus nachfolgen. Aber sie sind oft hilflos, sie brauchen einen Hirten. «Herr, du weißt alles», so weist Petrus von sich weg auf seinen Herrn: «Du, Herr, kennst mich, du hast vorausgesehen, dass ich versagen werde, du weißt um meine Tränen. Weil du alles weißt, weißt du auch, dass ich dich lieb habe.» Und Jesus hat keine andere Antwort als den schlichten Auftrag zum Dienst an den Hilflosen und Schwachen. Jesus vertraut Petrus seine Nachfolger an, trotz allem was passiert war.

Was hat Jesus Ihnen anvertraut?

Wissen wir, für was mich Gott gebrauchen will?

ER möchte unseren Dienst aufbauen! ER möchte uns gebrauchen. ER hat jedem Christen seinen Auftrag gegeben, vielleicht habe ich ihn nur noch nicht entdeckt? Dieser Auftrag, den Gott uns gibt, ist nicht abhängig von Möglichkeiten, Alter und Fähigkeiten. In meinem Büro hängt ein Merkspruch, welcher gerade in der letzten Zeit so wichtig für mich geworden ist: Gott beruft nicht immer die Fähigsten, aber er befähigt die Berufenen!

Aber es gibt in unserem Bibeltext noch einen dritten Punkt, welcher uns gelehrt wird:

3. Liebe richtet uns aus (korrigiert)

Petrus hat soeben einen Auftrag bekommen. Einen grossen Auftrag. Und so aufbrausend wie er oft war, so begeisterungsfähig war er auch. Und schon widmet er sich ganz seiner Arbeit. Er dreht sich um und sieht ein paar Meter hinter ihnen Johannes folgen. Vermutlich hat dieser von dem Gespräch etwas mitbekommen, sonst würden wir wahrscheinlich nicht von ihm lesen. Ihn schaut er gleich mit dem Hirtenblick an und fragt Jesus, was denn aus ihm, Johannes, wird. Jesus gibt ihm aber eine klare, deutliche Antwort: «Petrus, es geht dich nichts an! Selbst wenn Johannes in 100 Jahren immer noch vor jugendlicher Frische strotzt, wo du schon längst gestorben bist. Es geht dich nichts an!» Jesus korrigiert ihn. «Petrus, folge mir nach, richte dich auf das Wesentliche aus. Setze deine Prioritäten zuerst in die Nachfolge.»

Und hier sind wir wieder bei einer der Kernfragen. Jesus möchte der Kern unseres Lebens sein. Der Dienst kommt erst später. Jesus möchte zuerst MIT uns leben. ER will mit mir, mit dir, mit uns Gemeinschaft haben. Gottes Liebe richtet uns aus, korrigiert uns. Zuerst kommt das Nachfolgen, und wenn das stimmt, dann läuft mein Einsatz für Jesus fast schon automatisch ...

Ist Ihnen der kleine Unterschied bei diesen zwei Aufforderungen von Jesus an Petrus aufgefallen? Das erste Mal sagt Jesus noch: «Folge mir nach.» Und als Petrus sich dann mit den Angelegenheiten von anderen beschäftigt, spitzt Jesus seine Aussage zu, indem er sagt: «Folge DU mir nach!» Dieser Satz, diese Aussage ist die letzte, die uns Johannes, der Schreiber des Evangeliums aus dem Mund von Jesus überliefert hat. Und deshalb gewinnt sie meiner Meinung nach noch mehr Gewicht. Diese Aussage steht am Ende des Evangeliums, als ob Johannes uns den Staffelstab weitergeben möchte und sagt: SO, jetzt nimm, jetzt bist DU an der Reihe, es gilt auch DIR. Folge DU Jesus nach!

Liebe, die uns ausrichtet.

Der Grund ist einfach. Wenn wir nicht die Prioritäten richtig setzen, dann erreichen wir nicht unser Ziel. Dann können wir vielleicht für Gott leben, aber nicht mit ihm. ER möchte das Zentrum unseres Lebens sein. Und das Zentrum beeinflusst jeden Lebensbereich. Jesus möchte gerne an erster Stelle stehen. Egal, was uns im Leben wichtig ist. Ob Beruf, Ehepartner, Familie, ob Korps, Gemeinde, Lebensumstände ... Zuerst Jesus, oder eben: ALLES MIT IHM!

SCHLUSS

Ich bin überzeugt, dass Gott uns diese rEVOLution auf unser Herz gelegt hat. Gott möchte mit der Heilsarmee, mit jedem Korps vor Ort, mit uns persönlich Geschichte schreiben, es soll weitergehen in die Zukunft hinein! Und seine Liebe ist es, die in uns auf dreifache Art und Weise wirksam werden kann, dies lehrt uns dieser Text:

1. Seine Liebe räumt auf!

Wenn Sie heute Morgen unvergebene Schuld mit in den Gottesdienst gebracht haben, dann möchte ich Ihnen Mut machen, diese bei Jesus abzulegen. Das reinigende Blut Jesu Christi schafft neuen Glanz und neue Leichtigkeit.

2. Seine Liebe baut auf!

Setzen Sie sich für Gott ein, er möchte Sie gebrauchen. Er braucht gerade Sie, lassen Sie sich für IHN einspannen, dort an dem Ort und an der Stelle, wo er Sie haben möchte.

Aber nicht, ohne den dritten Punkt zu vernachlässigen:

3. Seine Liebe richtet uns aus!

Und zwar auf die persönliche Beziehung zu unserem Retter Jesus Christus. Lassen Sie sich einladen. Entweder völlig neu – wenn Sie Jesus bisher noch nicht nachgefolgt sind. Oder auch wieder neu ermutigt, wenn Sie gemerkt haben, dass sich in Ihren Prioritäten etwas verschoben hat. Wenn wir auf diese Weise neu leben lernen, dann werden wir erleben, wie rEVOLution in unseren Korps zu greifen beginnt.

Weil rEVOLution bei uns beginnt, bei jedem Einzelnen.

Ich trage diesen Traum im Herzen:

Ich sehe eine wieder wachsende Heilsarmee von Jung und Alt, die in Einheit auf dem Fundament Jesus Christus am Reich Gottes weiterbaut.

Wie sieht Ihr Traum aus?

Ergreifen Sie diesen Traum mit der Liebe von Jesus Christus und setzen Sie ihn mit SEINER Liebe um!

Amen.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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