Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 11.1.2009 (Martin Gossauer)

Davids Danklied

1 Und David redete vor dem HERRN die Worte dieses Liedes zur Zeit, als ihn der HERR errettet hatte aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls, und sprach: 2 Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter. 3 Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heils, mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt. 4 Ich rufe an den HERRN, den Hochgelobten, so werde ich vor meinen Feinden errettet. 5 Es hatten mich umfangen die Wogen des Todes, und die Fluten des Unheils erschreckten mich. 6 Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. 7 Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott. Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren. ...

17 Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus grossen Wassern. 18 Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren; 19 sie überwältigten mich zur Zeit meines Unglücks, aber der HERR ward mein Halt. 20 Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. ...

29 Ja, du, HERR, bist meine Leuchte; der HERR macht meine Finsternis licht. 30 Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott über Mauern springen. 31 Gottes Wege sind vollkommen, des HERRN Worte sind durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen. 32 Denn wer ist Gott, wenn nicht der HERR? Und wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott? 33 Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg. 34 Er macht meine Füsse gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen. 35 Er lehrt meine Hände streiten und meinen Arm den ehernen Bogen spannen. 36 Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Huld macht mich gross. 37 Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken. ...

47 Der HERR lebt, und gelobt sei mein Fels, und Gott, der Fels meines Heils, sei hoch erhoben, 48 der Gott, der mir Vergeltung schafft und mir die Völker unterwirft. 49 Er hilft mir aus von meinen Feinden. Du erhöhst mich über die, die sich gegen mich erheben, vor dem Mann der Gewalttat rettest du mich. 50 Darum will ich dir danken, HERR, unter den Heiden und deinem Namen lobsingen, 51 der seinem Könige grosses Heil gibt und Gnade erweist seinem Gesalbten, David und seinem Hause ewiglich.
(2. Samuel 22, Luther, siehe auch Psalm 18)

Er gibt mir Kraft und Stärke und öffnet mir einen geraden, gut gebahnten Weg. (Gute Nachricht, 2. Samuel 22,33)

Einleitung

Auch für unser Korps haben wir für 2009 ein Losungswort aus der Bibel erhalten, das uns in diesem neuen Jahr begleiten soll. Ich lade Sie heute Morgen ein, mit mir diesem Wort etwas auf den Grund zu gehen. Wir wollen es hören, aufnehmen und in uns wohnen lassen. Es soll zu einem Lebenswort von Gott für unsere Korpsgemeinschaft werden. Es ist ein ausgesprochenes Wegwort, das Gott uns gibt, d.h. ein Wort, das unseren Weg mit Gott anspricht und uns seine Begleitung auf diesem Weg zusagt. In dem Sinne passt es ganz gut zum Jahresanfang und unserem Gang durch das Jahr. Es fügt sich auch gut an das Thema 'Neuanfänge' an, das uns seit einigen Sonntagen über den Jahreswechsel hinweg begleitet hat, letzten Sonntag mit Gedanken zu 'Neue Schritte tun'.

In der Lutherübersetzung heisst dieses Wegwort für unser Korps: Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg. Was für eine wunderbare Gewissheit: Gott zeigt uns nicht nur den richtigen Weg, er gibt uns auch die Kraft, ihn zu gehen. Das ist seine Zusage an uns alle!

Es ist ganz interessant herauszufinden, in was für eine Lebenssituation hinein dieses Wegwort gesprochen wurde. Zuerst fällt uns auf: Es ist ja nicht Gott, der hier selber zu einem Menschen spricht, sondern ein Mensch, der diese Aussage macht mit der festen Gewissheit, dass Gott so handelt. Wer hat diese Worte ausgesprochen? Die Stelle im 2. Samuel 22,33 führt uns zum König David und zu einer ersten erstaunlichen Feststellung:

Die Worte sind Teil eines Dankliedes, das David als Gebet für Gott geschrieben hat. Das ist nicht das Erstaunliche daran, denn David war ja ein begnadeter Künstler, der viel gedichtet und komponiert hat. Eigentlich schade, dass wir von all seinen Werken nur die Worte, nicht aber die Musik überliefert haben. Das Erstaunliche ist, dass wir dieses Danklied zweimal in der Bibel finden: einmal hier im 2. Samuel in seiner ursprünglichen Gestalt und einmal, mit wenigen Änderungen, die den Text noch an Tiefe und Schönheit gewinnen lassen, in den Psalmen, im Psalm 18. In der Textlesung haben wir Auszüge aus der Fassung im 2. Samuel 22 gehört, doch es lohnt sich in Ruhe den ganzen Text zu lesen.

Aus welcher konkreten Situation heraus hat David sein Danklied geschrieben und in welcher Lebensphase? Die Einleitung in Vers 1 gibt uns einige Hinweise dazu:

Und David redete vor dem HERRN die Worte dieses Liedes zur Zeit, als ihn der HERR errettet hatte aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls ...

Im nächsten Kapitel 23 folgen Davids letzte Worte und das Buch 1. Könige beginnt mit dem Übergang der Königsherrschaft an seinen Sohn Salomo. Wir können also annehmen, dass David sein Danklied gegen Ende seines Lebens geschrieben hat, kurz vor seinem Tod. Dies gibt seinen Worten zusätzliches Gewicht, denn das heisst, er fasst hier in gewisser Weise seine ganze Lebenserfahrung zusammen, und er erzählt nicht, wie in vielen anderen Psalmen, ein besonderes Erlebnis.

Davids Leben

Wir wissen, dass das Leben von David alles andere als einfach war. Wie oft war er auf der Flucht vor Saul und geriet in Todesgefahr, seine eigene Familie stritt sich um seine Nachfolge und sein Sohn Absolom zettelte eine Verschwörung gegen ihn an, viele der umliegenden Völker waren ihm feindlich gesinnt und zogen gegen ihn in den Krieg. Doch immer wieder durfte er erfahren, wie Gott seine Gebete erhörte und machtvoll eingriff, um ihn aus der Hand seiner Feinde zu befreien. Ja, er schenkte ihm viele Siege und grosse Macht, wie keinem anderen König nach ihm. Wie in andern Psalmen weist David auch hier in diesem Danklied über sich, über seine eigene Schuld und seine Taten hinaus, auf den Gott, der rettet und ihm sein herrliches Heil erweist, so wie in Vers 17, wo er sagt: Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus grossen Wassern. Sein Leben gründet auf der Verheissung, die Gott ihm geschenkt und durch den Propheten Nathan hat ausrichten lassen, im 2. Samuel 7, ab Vers 8:

8 Darum sollst du nun so zu meinem Knechte David sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Ich habe dich genommen von den Schafhürden, damit du Fürst über mein Volk Israel sein sollst, 9 und bin mit dir gewesen, wo du hingegangen bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet; und ich will dir einen grossen Namen machen gleich dem Namen der Grossen auf Erden. ... 12 Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. 13 Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. 14 Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn sein. ...

15 ... meine Gnade soll nicht von ihm weichen, ...16 Aber dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll ewiglich bestehen.

David weiss um seine besondere Stellung, als der Erwählte Gottes, doch er war nur ein Schatten und Vorläufer des wahren Gesalbten, des Messias, den Gott als endgültigen Retter verheissen hatte und der kommen soll. So haben seine Psalmen, und auch dieses Danklied, direkte Bezüge zu Jesus, dem wahren Retter und Heilsbringer. Wir wissen, dass der Name von Jesus (Yeshua auf hebräisch) 'Gott rettet' bedeutet. Das Danklied von David ist eine poetische Lobeshymne auf Gott, der seine ganze Schöpfung in Bewegung setzt, um die Menschen zu retten. In den Versen 8 bis 16, wir haben sie nicht gehört, kommt diese Schöpfungskraft besonders zum Ausdruck! Der Psalm 18 gehört zu den sieben königlich-messianischen Liedern, welche die Psalmen 18 – 24 umfassen.

In Davids Danklied erkennen wir zwei Grundrichtungen: David blickt in Dankbarkeit zurück auf sein Leben und gleichzeitig schaut er mit Zuversicht nach vorne, auf das, was kommt.

Seine Worte, Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg, gründen auf seiner Erfahrung von Gottes Eingreifen und seiner Hilfe in der Vergangenheit und weisen gleichzeitig darauf hin, dass er Gottes Führung für den Weg in die Zukunft vertraut.

Der Blick zurück in die Vergangenheit

Sein Danklied beginnt mit dem Blick zurück in die Vergangenheit: Er dankt Gott für alle Gebetserhörungen (V. 1-7) ... hinter den Versen 2 und 3 leuchtet ganz stark das Bild von Jesus hervor... in den Versen 8 – 20 erinnert sich David an die machtvollen Taten Gottes (17-20). Der Blick zurück in Dankbarkeit ist die beste Ausgangslage für den zuversichtlichen Weg in die Zukunft und bereitet dafür einen fruchtbaren Boden vor.

Ein interessantes Detail ist der Beginn im Psalm 18, Vers 2, der so im 2. Samuel fehlt:

Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!

Eine innige Anrede, mit der David zuerst seine Liebe zu Gott bezeugt, bevor er zu ihm betet. Wie beginnen wir unsere Gebete? Die innige Verbundenheit mit Gott kommt auch im Vers 20 zum Ausdruck, wenn er sagt: Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. Wie würden wir unsere Beziehung zu Gott beschreiben? Ist sie von solcher lustbetonter Liebe geprägt?

Der Blick nach vorne in die Zukunft

Im zweiten Teil seines Liedes richtet David den Blick nach vorne. David hat ein bewegtes Leben hinter sich, doch er bleibt auch im hohen Alter offen für Gottes Weg in die Zukunft und ist nicht nur auf die Vergangenheit fixiert. Ganz stark kommt das auch in unserem Wegwort, dem Vers 33 zum Ausdruck, wenn wir es in der Übersetzung der Guten Nachricht lesen. Dort heisst es nämlich:

Er gibt mir Kraft und Stärke und öffnet mir einen geraden, gut gebahnten Weg.

Mir gefällt der Gedanke, dass Gott uns einen Weg öffnet! Wie oft befand sich David in Situationen, in welchen er keinen Ausweg mehr sah, umzingelt von Saul und seinen Soldaten? Wie oft haben wir das Gefühl, dass wir uns in einer Sackgasse befinden und Schwierigkeiten türmen sich vor uns auf wie Hindernisse, die den Weg versperren. Gott öffnet uns einen Weg. Vielleicht ist er nicht immer so schnurgerade und schön gebahnt. Manchmal führt er auf Umwege und über Kurven oder ist mit Glatteis und Schnee bedeckt. Doch Gott ist ein Wegöffner, da, wo wir keinen Weg mehr sehen.

Das hat auch das Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste erfahren, und Gott gab ihm damals die Zusage (in Exodus 23,20-21):

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, dich auf dem Weg zu behüten und dich an den Ort zu bringen, den ich bereitet habe. Achte auf ihn und höre auf seine Stimme.

In den Versen 29 – 37 seines Danklieds drückt David auf vielerlei Weise aus, dass er nach vorne schaut und weiter auf Gottes Handeln hofft und mit ihm rechnet:

- Gott ist sein Licht (Vers 29)

- David hat auch ihm hohen Alter noch einiges vor, wenn er sagt, in Vers 30: Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott über Mauern springen.

- David will auch im hohen Alter beweglich bleiben, Vers 34-35

- David will feste Schritte tun und neuen Raum einnehmen, Vers 37

Auch als Korps mit einem hohen Alter wollen wir nicht auf die Vergangenheit fixiert sein, wir wollen uns von Gott den Weg in die Zukunft zeigen und öffnen lassen.

Wir wollen uns weitere Siegeszüge vornehmen, neuen Raum einnehmen und beweglich bleiben. Was könnte das konkret heissen in diesem neuen Jahr?

Schluss

David schliesst sein Danklied mit Danken und Loben und weist noch einmal auf die ewige Dimension von Gottes Heil und Gnade hin: (Verse 47, 50-51) Der HERR lebt, und gelobt sei mein Fels, und Gott, der Fels meines Heils, sei hoch erhoben ... Darum will ich dir danken, HERR, unter den Heiden und deinem Namen lobsingen, der seinem Könige grosses Heil gibt und Gnade erweist seinem Gesalbten, David und seinem Hause ewiglich.

Auch wir wollen wie David sagen: Der Herr lebt! Und uns in allem Planen und Gehen unter Gottes Heilswirken und unter seine Gnade stellen. Wir gehören zu ihm und sind sein Volk!

Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg. Er gibt mir Kraft und Stärke und öffnet mir einen geraden, gut gebahnten Weg.

Das Leben ist ein grosser Kampf, in dem Gott unser Verbündeter ist, und ER wird Sieger sein!

Es lohnt sich, das ganze Danklied zu lesen, zu beten, zu meditieren... und wie David mit dem Bekenntnis anzufangen: Herzlich lieb habe ich dich...!

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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