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Predigt zum 4.1.2009 (Corinne Gossauer-Peroz)SchritteUnser Thema für den heutigen Sonntag heisst Schritte. Die ganze Bibel spricht von Schritten und Wanderungen, welche Frauen und Männer unternommen haben. Diese Menschen kommen und gehen. Manchmal kommen sie, um einen Diener Gottes oder einen Propheten zu sehen und zu hören. Dann machen sie sich auf den Weg, um zu gehorchen und das auszuführen, was von ihnen verlangt wird. Die Jünger werden Wanderer an der Seite und in der Nachfolge von Christus sein ... Sie sind mit ihm gewandert, haben Städte und Dörfer durchquert. Sie sind bei vielen Begegnungen und Wundern dabei gewesen. Dann aber, wenn Jesus sie verlassen haben wird und ihnen seinen heiligen Geist schickt, werden sie keine Wanderer mehr sein, sondern sie werden zu Zeugen mit dem Auftrag, in die ganze Welt hinauszugehen, um die Gute Nachricht von Jesus Christus zu verkünden. Aber eine bestimmte Wanderung in der Bibel hat es mir besonders angetan ... eine lange Wanderung: Es ist jene, die vierzig Jahre gedauert hat und welche die Menschen an 42 Orten ihre Zelte aufschlagen liess! Diese Wanderung des Volkes Israel in der Wüste beeindruckt mich aus verschiedenen Gründen ... - Es ist kein Geheimnis: Ich bin nicht ein Mensch, der gerne wandert! Vielleicht kommt das von meinem französischen Ursprung her?! Wir Franzosen ziehen es vor, im Auto zu fahren, anstatt zu wandern, aber das ändert sich jetzt auch langsam! Und wenn ich einmal die Anstrengung mache, ein bis zwei Stunden zu wandern und mir Martin dann sagt, das sei ein schöner Spaziergang gewesen, bin ich schon etwas deprimiert ... weil es für mich eine richtige Wanderung war! Also, während vierzig Jahren zu wandern, das heisst, während eines ganzen Lebens unterwegs zu sein ... Zu wandern und vierzig Jahre einzusetzen, um ans Ziel zu gelangen, das weckt meinen Respekt. - Diese Wanderung der Israeliten beeindruckt mich auch, weil es eine Wanderung mit der ganzen Gemeinde ist. Es ist ein Volk von tausenden von Menschen, die unterwegs sind. Es ist das Volk Gottes, das aus der Sklaverei Ägyptens befreit wurde ... Es ist ein Volk, das die Kraft Gottes gesehen und erlebt hat! Gott hat für sie das Rote Meer geteilt, damit sie ihren Marsch beginnen konnten. 2. Mose 14, 21-22 (Neue Zürcher Bibel): «Mose aber streckte seine Hand aus über das Meer, und der Herr trieb das Meer während der ganzen Nacht durch einen starken Ostwind zurück und legte das Meer trocken, und das Wasser spaltete sich. Und auf trockenem Boden gingen die Israeliten mitten ins Meer hinein, während das Wasser ihnen zur Rechten und zur Linken eine Mauer bildete.» Es handelt sich also um ein ganzes Volk, das auf ein neues Schicksal, auf ein neues Leben zugeht. Wenn wir die Psalmen lesen, dürfen wir nie vergessen, dass der Auszug aus Ägypten die Schlüsselerfahrung ist, auf der das Fundament des Glaubens des Volkes Israel beruht. Die Psalmen sprechen immer wieder davon, weil das Volk die Hilfe Gottes erfahren hat, seine Kraft und seine Gegenwart, die es begleitet und geleitet hat. Auf unseren eigenen gemeinsamen oder individuellen Wanderungen ist es wichtig, uns immer wieder zu erinnern, dass Gott ein Gott ist, der eingreift, der befreit und rettet! Aber nachdem das Volk diese Erfahrung erlebt und den Gesang der der Erlösten gesungen hat, der uns im 2. Mose 15 berichtet wird, beginnt es sehr rasch zu murren ... 2. Mose 16, 2: «Da murrte die ganze Gemeinde der Israeliten gegen Mose und Aaron in der Wüste.» Und das Volk geht so weit, zu Mose und Aaron zu sagen: «Ihr aber habt uns in diese Wüste herausgeführt, um diese ganze Gemeinde den Hungertod sterben zu lassen» (Vers 3). Und nach diesen Vorwürfen wird das Volk einige grosse Dummheiten begehen ... Während vierzig Jahren wird die Wüste Zeuge der Freuden und Leiden von diesem Volk auf der Wanderung sein: von seinem Wunsch, das zu tun, was Gott verlangte und auch von jedem Ungehorsam gegen Gott ... Dieses Volk von damals gleicht uns und ich fühle mich solidarisch mit ihm. - Ein anderes Element ist der Ort der Wanderung: die Wüste. Das ist der Ort der Umwandlung ... In den letzten Jahren ist ein Aufenthalt in einer Wüste Mode geworden. Die Teilnehmer bezeugen, dass sie dadurch einen veränderten Blick auf Situationen und Menschen bekommen haben. Sie sprechen davon als von einer Erfahrung, die sie verändert hat! Für das Volk Israel ist es ihre Wahrnehmung von Gott und ihr Glaube, die sich verändert haben. Persönliche und gemeinschaftliche Umwandlungen, die auf ihrer geistlichen Wanderung mit Gott, mit Moses und Aaron als ihren Führern stattgefunden haben. Schmerzliche Umwandlungen manchmal auch, die Glauben und Mut verlangen. Diese Veränderungen hier zeigen mir die Treue Gottes auf. Sie sprechen auch von der Demut zu mir, die wir haben müssen, wenn wir ihm nachfolgen wollen. - Und schliesslich beeindruckt mich diese Wüstenwanderung wegen der folgenden Verse aus 5. Mose 8, 1-7. «Das ganze Gebot, das ich dir heute gebe, sollt ihr halten und danach handeln, damit ihr am Leben bleibt und zahlreich werdet und in das Land kommt und es in Besitz nehmt, wie es der Herr euren Vorfahren geschworen hat. Und du sollst dich erinnern an den ganzen Weg, den dich der Herr, dein Gott, vierzig Jahre lang geführt hat in der Wüste, um dich demütig zu machen und zu erproben und um zu erkennen, wie du gesinnt bist, ob du seine Gebote halten wirst oder nicht. Er machte dich demütig und liess dich hungern und speiste dich dann mit Manna, das du und deine Vorfahren nicht gekannt hatten, um dir zu zeigen, dass der Mensch nicht allein vom Brot lebt. Sondern von allem, was auf Befehl des Herrn entstanden ist, lebt der Mensch. In diesen vierzig Jahren sind die Kleider an dir nicht zerfallen, und deine Füsse sind nicht angeschwollen. So erkenne in deinem Herzen, dass dich der Herr, dein Gott, erzieht, wie einer seinen Sohn erzieht, und halte die Gebote des Herrn, deines Gottes, indem du auf seinen Wegen gehst und ihn fürchtest, denn der Herr, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land ...» Diese Verse sind wie eine Zusammenfassung jener vierzig Jahre. Sie zeigen uns, dass die Wanderung in der Wüste ein Marsch ist, der die einzelnen Menschen an ihre Grenzen führt ... Die Wüste ist im Kollektivgedächtnis vom Volk Israel verhaftet geblieben als ein Ort der Prüfung und eine Schule des Glaubens. Aber im Zentrum dieser tausenden von Schritten, die gemacht wurden, hat Gott seine Treue und seine Macht gezeigt. Für jeden Tag wurde das Manna gegeben, ohne eine Möglichkeit, Vorräte anzuhäufen ... Im Gegenteil, die Kleider sind nicht zerfallen und die Füsse sind nicht angeschwollen! Gott nachzufolgen bedeutet, ihm regelmässig zu sagen, dass wir Vertrauen und Hoffung in ihn haben. Gott nachzufolgen heisst, ihn unser Herz prüfen und reinigen zu lassen ... Ja, es bedeutet, uns durch seine Gnade und seinen Geist besser werden zu lassen. Antoine de St.-Exupéry hat den folgenden wunderbaren Satz geschrieben: «Ce qui embellit le désert c'est qu'il cache un puits quelque part ...» «Was die Wüste so schön macht, ist, dass in ihr irgendwo ein Brunnen verborgen ist.» Gott hat nicht nur für Wasser und Nahrung vorgesorgt, sondern er hat auch die Beziehung mit seinem Volk genährt und gestärkt. In der Wüste hat Gott zu seinem Volk gesprochen. Er hat ihm gesagt und es oft wiederholt, dass er sein Volk liebt und sein Glück will. Das schönste Beispiel dafür ist die Gabe der zehn Gebote. Wenn wir unsere Schritte in der Nachfolge von Gott und von Christus tun, dann bedeutet das, dass wir eben die Wüste durchqueren müssen, diese schwierigen Zeiten, Zeiten einer langen inneren Nacht. Wenn wir an die vierzig Jahre der Wüste des Volkes Israel denken, dann können wir Kraft in dieser Wirklichkeit finden: In der Wüste sorgt Gott jeden Tag mit Manna vor. Aber in der Wüste spricht Gott. Gott will mit uns sprechen ... Es gibt einen sehr schönen Vers in Hosea 2, 16, in welchem auch gesagt wird, dass die Wüste ein Ort der Kommunikation mit Gott ist: Wenn wir also unsere ersten Schritte im neuen Jahr machen – sei es für einen Spaziergang oder eine Wanderung –, möchten wir doch in uns diese Ermutigungen behalten, die mit den Schritten des Volkes Israel in der Wüste verbunden sind. Ohne dabei zu vergessen, dass es der Herr selber ist, der uns den Weg öffnen wird und uns vorangeht. |
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