Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 14.12.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)

Neuanfänge

Neuanfänge ... Ja, wenn Gott etwas erschafft, dann schafft er etwas Neues. Wenn Gott Jesus zu den Menschen schickt, schafft er auch wieder etwas Neues. In dieser Adventszeit ist es wichtig, dass wir immer wieder die Texte der Bibel lesen, die von dem Ereignis berichten, auf das wir uns vorbereiten. Es ist wichtig, jenen grossen Zeugen zuzuhören, die von der Erwartung sprechen, dass Christus erscheinen werde. Das sind unter anderen der Prophet Jesaja, Johannes der Täufer und Maria. Alle haben auf ihre Weise vom Kommen Jesu berichtet. Dieses Kommen findet in einem Moment statt, an dem man es nicht erwartet ... Wir kennen weder den Tag noch die Stunde. Deshalb müssen wir bereit sein, wach sein und wach bleiben ...

An diesem Morgen lade ich Sie ein, Johannes dem Täufer zuzuhören, wie er von diesem Ereignis spricht. Wir halten bei den Versen 1 bis 12 vom dritten Kapitel des Matthäus-Evangeliums inne:

1 In jenen Tagen aber trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der judäischen Wüste: 2 Kehrt um! Denn nahe gekommen ist das Himmelreich. 3 Er ist es, von dem durch den Propheten Jesaja gesagt ist: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Strassen! 4 Er aber, Johannes, trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; seine Nahrung waren Heuschrecken und wilder Honig. 5 Da zog Jerusalem, ganz Judäa und das ganze Land am Jordan hinaus zu ihm. 6 Und sie liessen sich von ihm im Jordan taufen und bekannten ihre Sünden. 7 Als er aber viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kommen sah, sagte er zu ihnen: Schlangenbrut! Wer macht euch glauben, dass ihr dem kommenden Zorn entgehen werdet? 8 Bringt also Frucht, die der Umkehr entspricht! 9 Und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird gefällt und ins Feuer geworfen. 11 Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich; mir steht es nicht zu, ihm die Schuhe zu tragen. Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen. 12 In seiner Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne säubern. Seinen Weizen wird er in die Scheune einbringen, die Spreu aber wird er in unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Johannes der Täufer und Jesus sind verwandt miteinander, weil Elisabeth und Maria Cousinen sind. Elisabeth und Maria haben beide eine Schwangerschaft erlebt, die völlig unerwartet war. Diese Geburten sind für jede von beiden – wie es Georges Haldas ausdrückt – «eine Herausforderung an die biologische Ordnung». Mit diesen zwei Geburten werden Seiten umgeblättert und neue Seiten geschrieben. Das Alte hat das Neue vorbereitet, dieses Neue, das von den Propheten angezeigt wurde, hat begonnen!

Elisabeth, die unfruchtbare Frau, wird dem Letzten der Propheten das Leben schenken. Maria wird dem Sohn Gottes das Leben schenken: Jesus, Emmanuel, was bedeutet: Gott mit uns.

Seiten werden umgeblättert, andere werden geschrieben. Johannes der Täufer wird sechs Monate älter sein als Jesus, aber er wird dessen Kommen vorbereiten. Er wird den Weg für den öffentlichen Dienst von Jesus auftun. Und Jesus wird sich demütig von ihm taufen lassen. Der Evangelist Johannes legt diese wunderbaren Worte in den Mund von Johannes dem Täufer: «Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war, ehe ich war» Johannes 1, 30.

Johannes der Täufer ist der Mann, der in der Wüste predigt und sagt: «Bereitet den Weg des Herrn, kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe.»

Es ist Johannes der Täufer, der das Neue ankündigt und sagt: «Bereitet euch vor! Bereitet eure Herzen vor.» Er wird ein neues Gefühl und eine Bewegung im Volk schaffen. Man könnte sogar sagen, dass er einen Aufbruch im Volk bewirken wird, da die Leute zu ihm kommen werden!

Johannes der Täufer scheint tatsächlich eine sonderbare Persönlichkeit zu sein. Ein merkwürdiger Mensch für das Volk von damals und nicht weniger merkwürdig für uns im Jahr 2008. Er ist ein Aussenseiter, ein Radikaler! Ein Mann mit originellen Kleidern und mit spezieller Nahrung! Und dennoch sind es diese Stimme und dieses Leben, welche DAS Neue, das Kommen Christi verkünden.

Im Grunde kommt Johannes der Täufer einem tiefen und dringenden Bedürfnis entgegen: dem Bedürfnis, im Frieden mit sich selbst zu sein. Die Juden waren ein moralisches und verantwortungsbewusstes Volk. Aber sie fühlten sich zwischen den an sie gestellten Forderungen und ihren Handlungen gespalten ... Sie waren zwischen hunderten von Verboten und den Geboten des Gesetzes eingeklemmt. So machten sie sich auf den Weg, als sie von diesem Propheten aus der Wüste reden hörten. Sicher mit dem Wunsch, eine innere Erleichterung zu finden.

Natürlich habe ich mich gefragt, als ich über diese Verse nachdachte, was ich gemacht hätte: Wäre ich hingegangen, um diesen Propheten aus der Wüste zu sehen und zu hören? Diesen Propheten, der fast ein Hippie war? Wären Sie dorthin gegangen? Geben wir es zu: Die Neugierde sitzt tief in uns allen ... Doch wie hätten Sie diese Stimme beurteilt, die in der Wüste rief und zur Umkehr aufforderte?

1)Das Neue mit Johannes dem Täufer:

Das Volk wird hingehen, um diese unglaubliche Persönlichkeit zu sehen und ihr zuzuhören!

Der Exeget und Kommentator Petru Dumitriu malt sich den Dienst von Johannes dem Täufer in der Wüste so aus: «Eine Menschenmenge, Zelte auf steinigem Boden, Hunde, Esel, Stimmen, Schreie. Die Menschenschlange, die am Ufer darauf wartet, an die Reihe zu kommen. Die Jünger, die darüber wachen, dass alles seine Ordnung hat. Die braune und magere Hand von Johannes dem Täufer, der einen Kopf unter das Wasser taucht. «Geh! Du bist rein!» Er schickt sie wieder weg, einen nach dem anderen, vielleicht mit einem Klaps auf die nackte und nasse Schulter. Dann steigt er wieder ans Ufer und spricht mit lauter Stimme. Er sagt beunruhigende Dinge. Darauf war man nicht gefasst: Er verkündet einen anderen als er selber, einen, der noch grösser als er ist» (Comment ne pas l'aimer, Seite 33).

Johannes der Täufer war in der Lage, die Dinge auszusprechen, aber er schlug auch eine Lösung vor. Er kannte das Herz der Menschen. Er sah weiter und brachte etwas Neues vor, etwas, wie eine Erneuerung.

Er sagte zu ihnen etwa das Folgende: «Prüft euch, aber bleibt nicht blockiert in der Verurteilung eurer selbst. Es braucht nur eine Entscheidung, um euren Willen neu zu orientieren: Kehrt um! Ihr könnt so auf einem neuem Fundament weitergehen.»

Weil Johannes der Täufer sein eigenes Herz kannte, wusste er, dass nicht ER es war ... Sogar wenn die Menschenmenge kam, um ihn zu sehen, spürte er, dass nicht ER es war, den das Volk erwartete. Er wusste, dass er selber auch diesen ANDEREN erwartete, den die Propheten vorausgesagt hatten. Aber er wusste auch, dass dieser ANDERE nicht weit weg sein konnte.

Er wusste, dass ein Einziger nach ihm kommen würde. Er wusste, dass ein Neubeginn kurz bevorstand. «Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich; mir steht es nicht zu, ihm die Schuhe zu tragen. Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen» (Vers 11).

Der gleiche Petru Dumitriu schreibt das Folgende: «Johannes der Täufer versuchte, ihnen klar zu machen, wer derjenige sei, den sie erwarteten. Damit sie ihn erkannten. Er machte sich selbst nicht niedriger. Denn er kannte die Macht, die in ihm handelte. Aber, sagte er, gerade so wie ihr mich hier seht, im Grunde, bin ich nichts, verglichen mit ihm. Ich habe euch ins Wasser getaucht, er wird euch mit dem heiligen Atem des Geistes benetzen» (S. 35).

2)Das Neue mit Jesus:

Interessant ist es, die ersten Worte von Jesus zu lesen und zu hören. Er nimmt das auf, was Johannes der Täufer gesagt hat. Markus berichtet uns im ersten Kapitel in den Versen 14 und 15: «Nachdem man Johannes gefangen genommen hatte, kam Jesus nach Galiläa und verkündigte das Evangelium Gottes: Erfüllt ist die Zeit, und nahe gekommen ist das Reich Gottes. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!» Ganz am Anfang seines öffentlichen Dienstes spricht Jesus die gleiche Einladung aus: «Kehrt um und ändert eurer Verhalten.» «Erfüllt ist die Zeit, und nahe gekommen ist das Reich Gottes. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!»

Jesus bringt es auf den Punkt:

• Die Zeit ist erfüllt: Das Neue ist wirklich da! Das Neue, das ist die Gnade, die Liebe Gottes, die das Gesetz ersetzt. Das ist ein wesentlicher Wert im Königreich Gottes.

• Im Königreich Gottes ist die Umkehr immer aktuell! Aber die Neuigkeit besteht darin, dass «sie eine Ankündigung der Vergebung und nicht ein Schuldspruch ist», wie Louis Evely sagt.

• Im Königreich Gottes ist der Glaube ein anderes wichtiges Element. Glauben, fortfahren zu glauben, trotz allem ... weil das Werk Gottes von Dauer ist.

Jesus kann diese Gute Nachricht verkünden! Dieses Neue, das von Generationen von Juden erwartet wurde, beginnt mit ihm. Und das Neue, das mit Jesus beginnt, war schon in Gott, seinem Vater. Dieses Neue bestand schon seit Ewigkeiten! Aber die Stunde, es zu offenbaren, ist gekommen.

Das Neue, das durch Jesus geschieht, ist der Reichtum seiner Gegenwart, die den Menschen offenbart wird.

Das Neue, das Jesus mitbringt, ist sehr wohl ein Plus. Nur Jesus allein kann uns in Gott eintauchen, in das Geheimnis, das Gott ist. Johannes der Täufer hatte sehr Recht mit seinen Worten: «Er wird euch mit heiligem Geist taufen.» Durch den heiligen Geist taucht uns Jesus ein und tauft uns in Gott. Das ist diese neue Errungenschaft!

Johannes der Täufer wusste nicht nur, dass derjenige, der nach ihm kommen würde, grösser sein würde, sondern dass die Taufe mit dem heiligen Geist auch etwas Neues war! Jesus lässt uns Anteil an der göttlichen Natur nehmen (2. Petrus 1, 4). Ist es Jesus, der zu uns von Gott spricht, der uns sagt, wer Gott ist?

Advent und Weihnachten sprechen von Altem und Neuem. Dieser Zeitabschnitt führt uns auch zum Ende eines Jahres mit dem Neuen, das so viel Unbekanntes in sich trägt.

Möchten wir uns wie Johannes der Täufer in unserem Innern, in unseren Herzen auf das Kommen des Herrn bereit machen und für das Neue verfügbar werden, das er für uns vorbereitet. Nur Jesus allein kann uns in Gott eintauchen, in das Geheimnis, das Gott ist.

Eine Neuigkeit ohne Ende, die es immer wieder zu entdecken gilt.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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