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Predigt zum 23.11.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)Freunde Johannes 15, 7 -157 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden. 8 Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. 9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot: Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. 13 Niemand hat grössere Liebe als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe.
Einleitung: Dieses Kapitel 15 des Johannes-Evangeliums berührt mich sehr, weil sich Jesus mit einer gewissen Intimität an seine Jünger wendet. Er spricht zu ihnen und er weiss, was auf ihn wartet: Sein Tod am Kreuz kommt näher. Die Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Wiederholungen, die in diesem Text stehen, eine gewisse Gefühlslage von Jesus aufzeigen. Er spricht in einem Ton des Vertrauens. Es sind Worte der Freundschaft, die Jesus an seine Freunde, die Jünger, richtet. Auf diese Weise hat er auch von der Einheit mit dem Bild des Weinstocks und der Reben gesprochen. Einheit zwischen Jesus und dem Vater, Einheit zwischen Jesus und den Jüngern. Einheit, die durch das Wort «bleiben» ausgedrückt wird. Einheit, die erhalten bleiben soll, sogar dann, wenn er nicht mehr unter ihnen sein wird. Er spricht auch über Gehorsam und Liebe zu ihnen. 1. Bleiben ... Halten wir einen Moment inne bei diesem Wort «bleiben», das Jesus mehr als ein Dutzend Mal in diesem Kapitel braucht. In ihm bleiben: Das ist das Geheimnis des Wachstums, der Entwicklung und des Lebens der Rebe, die wir verkörpern. Bleiben bedeutet in einer Verbundenheit zu verweilen, welche die Liebesbeziehung mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist ausmacht. Dieses Wort «bleiben» ist ein Schlüsselwort in diesem Kapitel. Es ist ein Wort, das von der Beziehung spricht, die sich zwischen seinen Jüngern und ihm eingestellt hat. Es ist ein Wort, welches das Geschenk vorbereitet, das er ihnen machen wird: dass er sie seine Freunde nennt. Vers 10: Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Vers 4: Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. Vers 7: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden. Jesus drückt hier den Wunsch jedes einzelnen Menschen aus, der den Tod nahen sieht ... Er drückt diesen Wunsch aus, dass das Leben weiter bestehen bleiben möge, verlängert durch das Leben der Seinen und der Freunde. Bleiben: Es geht hier nicht mehr um eine Einladung, hinter ihm her zu gehen, ihm nachzufolgen ... Es handelt sich auch nicht mehr darum, an seiner Seite zu gehen wie im Bild des Jochs, von dem ich schon gesprochen habe ... dieses Joch, das er mit uns trägt, Seite an Seite mit uns. Es geht hier vielmehr um das Bleiben, das heisst, der Jünger der in Christus ist und Christus der im Jünger ist ... Es geht um eine gelebte und geteilte Gemeinschaft, eine Liebesbeziehung, die mit Jesus gelebt und geteilt wird. In Christus bleiben: Das Zentrum und das Leben unserer persönlichen Beziehung mit Jesus muss sich hier finden lassen: in dieser Gemeinschaft mit Christus ... eine persönliche Gemeinschaft ... eine Verbindung, der eine Wahl zugrunde liegt, die in einem bestimmten Moment getroffen wurde. Eine Verbindung, die eine Entscheidung und eine Kraft bedeutet. Mit oder ohne Uniform, ob wir als Freunde, Soldaten oder ohne Grad und Titel hier seien, aber am Leben unseres Korps teilnehmen: Das, was aus uns lebendige Christen macht, das ist eine Entscheidung, die wir in einem bestimmten Moment getroffen haben. Eine Entscheidung, die wir als Antwort auf die Liebe Gottes, die sich in Jesus manifestiert, getroffen haben. Die Wahl, Christus sein Leben zu geben und sein Jünger zu sein, das bedeutet, sein Herz für das zu öffnen, was er uns schenken will. Gott in Jesus vergibt uns nicht nur, sondern er gibt uns die Gewissheit des ewigen Lebens. Gott rettet uns nicht nur, sondern er macht, dass wir in dieser Gemeinschaft sein und leben können, in dieser Gemeinschaft, die ein Geheimnis ist. 1. Johannes 1, 3: ... was wir nun gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns. Die Gemeinschaft mit uns aber ist Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und mit dieser Gemeinschaft gibt er unserem Leben einen Sinn! Wenn einmal diese grundlegende Entscheidung getroffen worden ist, Christus zu lieben und ihm zu dienen, dann muss man ununterbrochen danach streben, in Christus zu bleiben! In seiner Liebe zu sein und zu bleiben, um meinen Nächsten zu lieben. In seiner Liebe zu sein und zu bleiben und die richtige Motivation dafür zu behalten. 2) Freunde von Christus sein Die Liebe Gottes zu empfangen, das heisst, dass wir lernen müssen, uns lieben zu lassen ... Es ist schwierig, sich lieben zu lassen, oft zieht man es vor zu lieben ... Die Handlung, die Tat ist oft unsere Lösung, auch unsere Flucht. Sich lieben zu lassen bedeutet ein Loslassen. Der heilige Irenäus, ein Kirchenvater (aus dem 2. Jahrhundert) sagte: «Das Besondere an Gott ist, dass er der Machende ist, und für die Menschen, dass sie etwas mit sich machen lassen.» Dieser Satz drückt das aus, was ich für eines der grossen Geheimnisse des geistlichen Lebens halte: Das geistliche Leben hängt nicht davon ab, was wir für den Herrn tun, sondern von dem, was er in uns tun kann ... von dem, was wir ihn in uns machen lassen ... Der Unterschied ist übrigens sehr gross zwischen dem, was wir für ihn tun können und dem, was er in uns, für uns und für andere tun kann! Die Liebe, die Gott uns in Jesus gibt, die Liebe, die wir ihm auch entgegenbringen können, macht aus uns Freunde Gottes! Eine Freundschaft verlangt Gegenseitigkeit: es braucht zwei dazu ... Im 1. Johannes 4, 16 heisst es: Und wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und ihr geglaubt. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Aus dem Mund von Jesus kommt das Wort Freund. Wir wollen doch gut darauf hören. Er hat eine solche Liebesbeziehung ausgewählt, nicht die Jünger. «Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt ...» heisst es im Vers 16 des 15. Kapitels vom Johannesevangelium. Eine Freundschaft kann man nicht kaufen, man kann sie nicht aushandeln. Eine Freundschaft wird mit grossem Staunen empfangen, denn das Leben wird dadurch verändert. Jesus sagt: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe (Vers 15). Man kann Knecht oder Angestellter von einem Tag auf den andern werden, durch einen einfachen Arbeitsvertrag. Aber man ist nicht ein Freund am nächsten Tag! Das verlangt Zeit, das verlangt Momente und Erfahrungen, die miteinander geteilt werden. Es ist kein Zufall, dass Jesus am Ende seines geistlichen Amtes auf Erden mit seinen Jüngern von seiner Freundschaft spricht. Es hat Zeit gebraucht, damit die Bande gewoben werden konnten. Es brauchte drei Jahre und alle diese Wanderungen zusammen, diese Wunder, diese Begegnungen im täglichen Leben ... Jesus ist es, der von Freundschaft spricht ... Welcher Jünger hätte wagen können, zu Jesus zu sagen: «Ich bin dein Freund, nicht wahr?» Denn in Jesus den Sohn Gottes zu erkennen, das bewirkt Anbetung und Verehrung. Nur Johannes der Täufer hat sich als Freund des Bräutigams gesehen: Der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich von Herzen über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt (Johannes 3, 29). Was Johannes den Täufer mit grosser Freude erfüllt, das ist die Stimme von Christus! Nicht nur der Inhalt seiner Worte, sondern bereits seine Stimme. Die Stimme eines Freundes, einer Freundin wiedererkennen ist eine grosse Freude, aber wenn der Freund Christus selber ist, dann ist die Freude vollkommen! Ob wir Freunde, Soldaten oder ohne Titel und Grad sind, lautet die wesentliche Frage: Empfinden wir Freude, wenn wir die Stimme von Christus hören? Eine der vielen Bereicherungen in der Freundschaft ist die Möglichkeit, seine Gefühle ebenso auszusprechen wie auch Geheimnisse. Jesus kann auf die gleiche Weise diese wunderbare Erklärung abgeben: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe. Lieben ... einander lieben ... und deshalb in der Liebe des Vaters und des Sohnes bleiben. Wenn Jesus sagt: «Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe», dann gibt er uns nicht ein Beispiel, dem wir unmöglich folgen können ... Denn wer kann so lieben, wie Christus uns geliebt hat? Wir müssen vielmehr an der Quelle der Liebe, die in seinem Herzen ist, angeschlossen sein. Wenn wir in ihm bleiben, können wir diese Liebe empfangen. 3) Lieben: Das hier ist mein Gebot: Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe. Lieben und einander lieben ... Es geht hier mehr als um einen Wunsch, dass diese Liebe verlängert werde, es ist ein Gebot. Lieben bedeutet in der Liebe des Vaters und des Sohnes bleiben. In dieser Liebe, die bis zum Ende, bis zum ganzen Geschenk seines Lebens gehen kann. Niemand hat grössere Liebe als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde (Vers 13). Wir sollen in Jesus bleiben, weil er in seinem Vater bleibt. Wir sollen lieben, weil er seinen Vater liebt. Der Vater ist in mir und ich bin im Vater (Johannes 10, 38). Das ist das Modell der Gemeinschaft, dieses einzigartige Modell der Gemeinschaft, das uns helfen kann, um in unserer persönlichen Beziehung mit Jesus zu wachsen. Schluss: Wir sind eingeladen, Freunde von Jesus Christus zu sein oder zu werden. Für diese Freundschaft müssen wir uns jeden Tag von Neuem einsetzen, damit wir Jesus auf eine Art kennen lernen, die immer persönlicher wird, indem wir auf ihn hören und sein Wort lesen. Aber wir können nicht Freunde von Jesus sein ohne die anderen Freunde von Jesus ... Deshalb spricht Jesus von der Gemeinschaft und von der Liebe. Wir haben Gemeinschaft und Liebe dann nicht nötig, wenn wir unseren Glauben ohne die anderen leben! Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben ... Jesus verlangt niemals von den Jüngern, dass einer im andern bleibt, sondern dass sie in ihm bleiben. Die tiefe Gemeinschaft zwischen den Jüngerfreunden von Jesus besteht nur durch ihn und in ihm. An diesem Morgen, einem Tag der Verpflichtung zur Nachfolge Christi ist es wesentlich, dass jede und jeder wissen kann, dass Christus uns seine Freunde nennt. Es ist wesentlich, dass alle für sich persönlich jene Antwort geben können, die ihnen entspricht angesichts dieser Gemeinschaft der Liebe, zu der uns Jesus einlädt. Haben wir diese Antwort schon gegeben oder sollten wir sie ihm jetzt geben oder erneut geben? |
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