Seelsorge, Predigten

spacer Redshield

Heilsarmee Zürich Zentral  

spacer spacer spacer
Predigt zum 16.11.08 (Martin Gossauer)

Lebenswert leben – Hiob als Beispiel (Phil. 3, 1 und 7-11)

1 Was auch immer geschehen mag, meine lieben Brüder und Schwestern: Freut euch, weil ihr zum Herrn gehört! Ich werde nicht müde, euch das immer und immer wieder zu sagen; weiss ich doch, dass es euch Gewissheit gibt. ...

7 Aber seit ich Christus kenne, ist für mich alles wertlos, was ich früher für so wichtig gehalten habe. 8 Denn das ist mir klar geworden: Gegenüber dem unvergleichlichen Gewinn, dass Jesus Christus mein Herr ist, hat alles andere seinen Wert verloren. Ja, alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloss Christus habe. 9 Zu ihm will ich gehören. Durch meine Leistung kann ich vor Gott nicht bestehen, selbst wenn ich das Gesetz genau befolge. Was Gott durch Christus für mich getan hat, das zählt. Darauf will ich vertrauen. 10 Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte ich mit ihm teilen und seinen Tod mit ihm sterben. 11 Dann werde ich auch mit allen, die an Christus glauben, von den Toten auferstehen. (Philipper 3,1 und 7-11 Hoffnung für alle)

Alle Menschen berufen sich auf gewisse Werte in ihrem Leben

Wir machen Zürich lebenswert – so stand es diese Woche in einem Inserat der Stadt, in dem sie ihre soziokulturellen Einrichtungen anpreist. Ja, was trägt wirklich dazu bei, dass unser Leben lebenswert ist? Wenn sich unser Leben auf gute Werte gründet, ist dann unser Leben lebenswert? Können wir unser Leben lebenswert machen?

Alle Menschen möchten nach bestimmten Wertmassstäben leben. Jeder Mensch sehnt sich nach Orientierung, nach Werten, die sein Leben, so hofft er, lebenswert machen.

Wir alle haben gewisse Werte mitgekriegt und übernommen, von unsern Eltern, unserer Familie, unserer Kultur, unserer religiösen Erziehung usw. Werte, die oft unbewusst unser Denken und Handeln beeinflussen und prägen. Doch wir leben so als Getriebene und sind ständig unter Druck und in Bewegung, dass wir keine Zeit und Ruhe mehr finden, um unsere Grundwerte wahrzunehmen und beim Namen zu nennen. So bleiben diese Werte diffus im Untergrund, werden von anderem, scheinbar Wichtigerem verdrängt und dienen uns nicht mehr dazu, unserem Leben eine Richtung zu weisen. Viele Menschen treiben orientierungslos dahin, wenden sich jedem neuen Trend zu, lassen sich von jeder neuen Welle mitreissen oder wiegen. Doch wer seine Werte kennt, kann bewusst Prioritäten setzen und sein Leben gestalten.

Was für Werte geben mir die Bibel, der christliche Glaube für mein Leben?

Die Welt, in der wir leben, will uns immer wieder weismachen, dass der Wert unseres Lebens in dem liegt, was wir haben, tun können und erreichen. Ich denke an Hiob: Dieser fromme, aufrichtige Mann, der alles besass, was man sich erträumen kann: eine schöne Familie, Freunde, Reichtum, Angesehenheit, Gesundheit. Ist das nicht ein lebenswertes Leben? Alle haben auf ihn geschaut – mit Neid, Bewunderung und Respekt. Doch dann hat er alles verloren, es blieb ihm nichts anderes als Tränen und Klagen. Natürlich, er glaubte an Gott und hielt daran fest. Er wusste um die bleibenden Grundwerte, welche auch wir aus der Bibel kennen.

Die Heilsarmee Schweiz nimmt in ihrem Leitbild auf diese christlichen Werte Bezug, die unsere Haltung und unser Verhalten bestimmen sollen. Sie nennt sieben Werte aus der Bibel, die zur Erfüllung ihres doppelten Auftrags «glauben & handeln» massgebend sind:

  • Würde
  • Hoffnung
  • Freiheit
  • Nächstenliebe
  • Gerechtigkeit
  • Verantwortung
  • Versöhnung

Diese Werte, welche Jesus Christus lehrte und lebte, bilden eine tragfähige Basis für unser Zusammenleben in Gesellschaft und Familie.

Doch zurück zu Hiob: Trotz seines Glaubens und der Grundwerte seines Lebens ist er erschüttert. In ihm steigt ein schreckliches Gefühl der Ungerechtigkeit auf, denn er, der Gläubige, Hiob, zweifelt nicht einen Augenblick daran, dass sein gegenwärtiges Unglück, wie sein vergangenes Glück von Gott kommen. Er schreit zu Gott, stellt ihn und sein Leben in Frage, verlangt eine Antwort auf sein Leiden. Er macht Gott den Prozess. Doch er sagt selbst: «Wie kann ein Mensch vor Gott sein Recht bekommen? ... Gott ist weise, stark und mächtig! Wer hat sich je erfolgreich gegen ihn gestellt? (Hiob 9, 2b, 4).

Wie kann ich lebenswert leben, wenn es mir schlecht geht, wenn ich Schwierigkeiten, Krankheit und Verlust erlebe?

Da kommen wir zum Schlüsselpunkt unseres Themas. Auf einem Werbeplakat sieht man zurzeit die folgenden Worte: Ich bin, was ich bin durch die andern: Together we can do more! Das heisst, zusammen erreichen wir mehr!

Der wahre Wert unseres Lebens liegt in unserer Beziehungs- und Liebesfähigkeit. Christliche Werte umsetzen heisst, die Beziehung zu Gott suchen und jeden Menschen respektieren und wertschätzen.

Durch unsere Beziehung zu anderen Menschen erhält unser Leben Wert! Darum können auch soziokulturelle Einrichtungen durchaus etwas zu einem lebenswerten Leben beitragen, aber auch ein Eidmattegge oder das Open Heart, ja unser Korps.

Albert Einstein, Physiker und Nobelpreisträger, sagte: «Wie ohnmächtig auch die guten und gerechten Menschen sein mögen, sie allein machen das Leben lebenswert.»

Durch unsere Beziehung zu Gott erkennen wir den wahren Wert unseres Menschseins. Gott hat uns Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Von daher bekommen wir unsere Würde, von daher haben wir unseren Wert. Folgende Begebenheit veranschaulicht dies sehr schön:

Ein amerikanischer Tourist kaufte auf einem Flohmarkt in Paris für seine Frau eine relativ billige Halskette. Er war erschrocken, als er bei seiner Ankunft in New York feststellte, dass er für diese Kette eine ziemlich hohe Zollgebühr zahlen sollte. Das erweckte seine Neugierde, und so liess er die Kette bei einem Juwelier schätzen. Der untersuchte die Kette aufmerksam und bot ihm schliesslich 25'000 Dollar für die Kette an. Der Mann konnte es kaum glauben und holte eine zweite Meinung ein – mit dem Erfolg, dass der zweite Juwelier ihm noch 10'000 Dollar mehr anbot.

«Was soll denn an dieser Kette so Besonderes sein?», fragte der Mann verwirrt. «Es ist doch nur eine einfache Halskette.» «Sehen Sie durch das Vergrösserungsglas», sagte der Juwelier. Und dann entdeckte auch der Käufer die Inschrift: Von Napoleon Bonaparte für Josephine. Die Kette war deshalb so wertvoll, weil sie einer Berühmtheit gehört hatte.

Wir sind wertvoll, weil der Schöpfer des Himmels und der Erde uns gemacht hat und weil wir als Geschöpfe ihm gehören. Wir tragen das Markenzeichen: Made by the living God, geschaffen vom lebendigen Gott. Dieser Gott liebt uns unendlich. So sehr, dass er das Kostbarste für uns gab, das er hatte: seinen eigenen Sohn. Das gibt uns einen einzigartigen Wert. Der Wert unseres Lebens liegt also in unserer Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Und christliche Werte sind nicht einfach Forderungen, die einzuhalten sind, sondern sie entstehen in der Beziehung zu Jesus Christus, auf dem Weg der Nachfolge von Christus. Sie werden nicht in Gesetzesbüchern festgeschrieben, sondern von Menschen gelebt, die vom Heiligen Geist erfüllt sind und sich von ihm führen lassen.

Paulus sagte: «Gegenüber dem unvergleichlichen Gewinn, dass Jesus Christus mein Herr ist, hat alles andere seinen Wert verloren. Ja, alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloss Christus habe.» (Philipper 3,8) Er spricht davon, ganz in Christus zu sein. Unser Wert liegt in Christus verborgen.

Wenn also unser Leben auf die Probe gestellt wird und alle Stricke reissen, können auch unsere christlichen Werte allein uns nicht weiterhelfen und mögen uns hohl und kraftlos erscheinen. Dann müssen wir unseren Wert als von Gott geliebte und erschaffene Menschen neu entdecken, unser Menschsein in unserer Beziehung zu Gott neu wahrnehmen und damit auch Gott wahrnehmen, als das, was er ist: der allmächtige Schöpfergott, der sich zu mir neigt und mir seine Aufmerksamkeit schenkt. In solchen Zeiten können wir nur in der Begegnung mit Gott unser Leben wieder als lebenswert erkennen. Wir dürfen wie Hiob schreien, klagen, weinen – daran ist nichts falsch, wenn es nur zu dem hin ist, der uns auf unserem Schmerzensweg begleitet, wenn es uns zu Jesus hinführt.

Genau das durfte auch Hiob erleben: eine neue Gottesbegegnung. Durch diese Erfahrung kommt er sich und seinem Menschsein näher. Er entdeckt einen Gott, der allmächtig ist, der aber auch am Leiden des Menschen mitträgt und ihn nicht alleine lässt. Hiob erhält keine Erklärung für sein Leiden, aber er weiss nun: Ich bin in der Hand Gottes. Und ich kann Gott alles sagen. Am Ende seines langen Weges macht Hiob folgendes Bekenntnis: «Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen.» (Hiob 42, 5) Wie sagte der Fuchs zum kleinen Prinzen (Antoine de Saint-Exupéry)? «Man sieht nur mit dem Herzen gut.» Hiob hat zu diesem Blick des Herzens gefunden. Das ist es, was die Bibel Umkehr nennt, ein sich Hinwenden zu Gott. Ja, das kann und soll auch dann immer wieder geschehen, wenn ich fromm bin wie Hiob.

Er entdeckte, dass der Wert seines Lebens nicht in seinen Tugenden lag, in seinem Verdienst, seiner Familie, seiner Frömmigkeit, all dem, was er erreicht hatte, sondern darin, dass er als Geschöpf vom allmächtigen Gott anerkannt und geliebt wird und diesem Schöpfer seine Rolle als Gott zugesteht und ihn Gott sein lässt. Das hat er auch als seine Hoffnung und seine Gewissheit ausgedrückt: «Doch eines weiss ich: Mein Erlöser lebt; auf dieser todgeweihten Erde spricht er das letzte Wort! Auch wenn meine Haut in Fetzen an mir hängt und mein Leib zerfressen ist, werde ich doch Gott sehen!» (Hiob 19, 25-26)

Was unser Leben trägt, sind nicht Werte selber, oder unser Glaube. Es ist Gott, der unser Leben trägt. Er, mein Erlöser, trägt mich auch durch alle Schwierigkeiten hindurch und macht mein Leben lebenswert!

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

Share |