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Predigt zum 12.10.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)MissionsauftragDer Missionsauftrag ... Dieser Ausdruck hat sich in den letzten Jahren im christlichen Milieu stark ausgebreitet! Dieser Ausdruck gibt immer wieder Anlass zu vielen Fragen: Wer sind die Christen? Was ist ihr Auftrag? Erfüllen wir unseren Auftrag? Haben Sie keine Angst, ich werde Ihnen keine grossen Theorien vorsetzen. Wenn ich darüber spreche, so hoffe ich, dass ich bei Ihnen nicht jene Wirkung hervorrufe, die gewisse Prediger auf mich haben ... Wenn ich ihnen zuhöre, fühle ich mich manchmal ermutigt, oft machen sie mir aber Schuldgefühle und ich fühle mich nicht gut ... Wir werden jetzt einige Verse aus dem Matthäusevangelium, die vom Auftrag sprechen, miteinander betrachten. Matthäus 9, 35-38 und Matthäus 10, 1 und 5-8 (Neue Zürcher Bibel) Matthäus 9, 35-38: Und Jesus zog umher in allen Städten und Dörfern, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium vom Reich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen. Als er die vielen Menschen sah, taten sie ihm leid, denn sie waren erschöpft und schutzlos, wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagt er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist gross, Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.» Matthäus 10, 1: Und er rief seine zwölf Jünger herbei und gab ihnen Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. ... 10, 5 - 8: Und Jesus gebot ihnen: «Nehmt nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine samaritanische Stadt. Geht vielmehr zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht und verkündigt: Nahe gekommen ist das Himmelreich. Kranke macht gesund, Tote weckt auf, Aussätzige macht rein, Dämonen treibt aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es geben.» (NZB) 1.) Der erste Punkt ist klar: Ein Auftrag entsteht immer aus dem Mitgefühl. Vers 36 ist klar und sehr aussagekräftig: «Als Jesus die vielen Menschen sah, taten sie ihm leid, denn sie waren erschöpft und schutzlos, wie Schafe, die keinen Hirten haben.» Und das, was wichtig ist, sagt uns Vers 35: «Und Jesus zog umher in allen Städten und Dörfern.» Das bedeutet: Jesus mischte sich unter die Menschen, er hörte ihren Gesprächen zu und nahm Anteil an ihren Sorgen, er sah ihre Krankheiten. Er hat darauf mit Heilungen geantwortet und hat den Menschen Unterweisung gegeben. Und mehr als das: «Als Jesus die vielen Menschen sah, taten sie ihm leid, denn sie waren erschöpft und schutzlos , wie Schafe, die keinen Hirten haben» (Vers 36). Im Korps Rouen in der Normandie haben wir jeden Freitagnachmittag etwa hundert Personen empfangen, die kamen, um Nahrungsmittel zu holen. Vor oder nachher konnten sie eine Tasse Kaffee trinken, konnten sich hinsetzen und mit jemandem reden. Auf ihre Bitte hin haben wir sogar eine Art Briefkasten geschaffen, in den diese Menschen ihre Gebetsanliegen legen konnten ... Ich habe diese Leute jeweils willkommen geheissen, wenn sie kamen, um ihre Esswaren für eine Woche zu holen. Ich erinnere mich an ihre Gesichter, die ich Woche für Woche gesehen habe. Diese deprimierten und trüben Gesichter. Diese Leben, vom Alkohol verdorben, diese Einsamkeit, das Leiden, die Arbeitslosigkeit ... So viel Elend ... Materielle Not, moralische Not, die unsere Gruppe von Freiwilligen, die wir für den Dienst an diesen Menschen gebildet hatten, oft in Tränen ausbrechen liess. : «Als Jesus die vielen Menschen sah, taten sie ihm leid, denn sie waren erschöpft und schutzlos , wie Schafe, die keinen Hirten haben» (Vers 36). Der Auftrag, wie ihn Jesus hier zeigt, ist dieses Eintauchen in die menschliche Realität. Das Thema der Predigt vom letzten Sonntag war menschliche Beziehungen ... Jesus, der Sohn Gottes, der zu den Menschen gekommen ist, hat nichts anderes gemacht als in den Alltag der einzelnen Menschen einzutreten. Er hat ihn sogar während 30 Jahren unaufdringlich mit ihnen geteilt. Jene Jahre waren auch Jahre mit einem Auftrag! An seinem Platz, in der Werkstatt seines Vaters war er schon Weg und Wahrheit! An seinem Platz, mit den Werkzeugen in der Hand, hat er sich nicht von ihnen unterschieden! Mit dieser ganzen menschlichen Erfahrung hat er anschliessend seinen sichtbaren Auftrag wahrgenommen, ich meine damit, seinen öffentlichen Auftrag.
Ein Auftrag entsteht immer aus dem Mitgefühl. Es ist deshalb unser Herz, das die Menschen um uns herum spüren müssen, bevor sie etwas von dem hören können, was dieses Herz mit Nahrung versorgt: die Gegenwart Gottes.
2) Der zweite Punkt ist unbequem ... Jedes Kind Gottes, jeder Christ, jede Christin, alle sind Beauftragte! Wenn wir die Vergebung von Christus empfangen haben, wenn wir mit Gott durch Jesus eine persönliche und lebendige Beziehung haben, ist nur schon unsere Gegenwart eine Gegenwart mit einem Auftrag. Dazu braucht es keine besonderen Gaben ... Da ja auch das Licht nur leuchten und das Salz nur salzen kann. Das ist es, was wir sind. Jesus hat es so gesagt: «Ihr seid das Salz der Erde. ... Ihr seid das Licht der Welt. ... So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen» (Matthäus 5, Verse 13, 14, 16. (NZB). Jedes Kind Gottes, jede Christin, jeder Christ, alle sind Beauftragte, weil sie Träger des Lebens von Christus sind. Weil sie seine Gegenwart verkörpern. Weil sie durch ihn gesandt worden sind. Im Gebet von Jesus für seine Jünger sagt er das Folgende, als er von den Jüngern spricht: «Wie du mich gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt» (Johannes 17, 18). Beauftragte, Gesandte, weil wir in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt sind ... In einer Welt, in der wir Anteil an ihrer Geschichte, an ihren Entwicklungen nehmen, aber mit den Werten und den Aussichten auf das Königreich leben ... Louis Evely, ein engagierter Christ, sagt das Folgende, und ich schliesse mich seiner Art des Kommentars über diese Verse in Matthäus Kapitel 9 und 10 an: «Wir sind keine Eigentümer von Gott, auch nicht Besitzer seiner Gnade oder der Wahrheit. Gott hat die Welt nicht im Stich gelassen! Er liebt sie, er wohnt in ihr und er arbeit in ihr ohne Unterlass. Die einzige Sache, aus der wir Nutzen gezogen haben, wir Christen, das ist eine Offenbarung. Aber der wirkliche Beauftragte ist ein Mensch in Armut. Seine wirkliche Armut ist dieser tiefe Respekt denen gegenüber, zu denen er gesandt wird und das, was sie wahrgenommen und ausgedrückt haben von diesem Gott, der lebt und handelt in jedem Menschen, bevor sie ihn gekannt haben. Gott ist in der menschlichen Erfahrung anwesend, so wie sie von allen ausgelebt wird, und die Bekehrung wird nichts anderes als eine Wahrnehmung dessen sein, was man schon in sich selber trägt.» Und er schliesst so: «Der einzige Unterschied zwischen einem Christen und einem Atheisten ist der Folgende: Der Christ ist in keiner Weise moralisch tugendhafter, stärker, fähiger als ein anderer, aber er weiss, dass jemand in ihm wohnt. Er hört in sich einen anderen. Er weiss, dass er alles tun kann durch den, der ihn stärkt und dass er alles bekommt, was er gibt (Seite 67, «Méditations d'Evangile», Louis Evely). 3) Der Missionsauftrag: Dieser Ausdruck hat mehrere Wirkungen auf mich ... Ich habe die Aussage der Heilsarmee über ihren Auftrag sehr gern: «Wir sind da, um Seelen zu retten, Heilige hervorzubringen und der leidenden Menschheit zu dienen.» Das ist so konkret und aktuell, und die leidende Menschheit, durch die Jesus so erschüttert wurde, ist hier anwesend.
Ich glaube, dass ich immer besser verstehe, warum es mir passiert, dass ich mich nicht gut fühle, wenn gewisse Diener Gottes davon sprechen. .... Es ist diese fehlende Demut, von der Louis Evely spricht, die macht, dass ich mich so schlecht fühle. Was ich wahrnehme, das ist eine Form der Überlegenheit, die mein Herz und meinen Geist bedrückt im Namen der überbrachten Wahrheit. «Der wirkliche Beauftragte ist ein Mensch in Armut», sagt Louis Evely ... Ich möchte gern zusammenfassend sagen: Jeder Christ ist arm, aber er unterscheidet sich von anderen Menschen, weil er durch die Gegenwart des heiligen Geistes verändert wird. Arm, und dennoch reich, weil dieses Licht in diesem Menschen wohnt. Arm, und dennoch reich, weil dieser Mensch sich von Gott geliebt weiss. Und schliesslich, weil wir in dieser Welt sind, wachen wir darüber, dass wir nicht vergessen, was es heisst, ohne Hoffnung und ohne Christus zu sein. Gewöhnen wir uns nicht an die Gegenwart von Christus in unserem Leben ... Lassen wir uns immer wieder in Staunen versetzen durch den Reichtum, der mit dem geistlichen Leben verbunden ist. Möchten wir ihn doch ausleben, mit oder ohne Worte ... Zum Schluss noch ein Sendungswort von William Booth: «Seien Sie lebendige Beispiele einer praktischen Heiligkeit, anders gesagt, setzen Sie alles daran, die biblischen Prinzipien in Ihrem Leben und in den Aktivitäten Ihres Alltags umzusetzen.
Seien Sie lebendige Beispiele einer erprobten, bewährten Religion, welche die persönliche Erfahrung der Vergebung und aller Wohltaten, die daraus entstehen, bezeugt: Reinheit, Macht und Friede, die durch die Bibel versprochen werden. Seien Sie die Verkörperung dieser Liebe zu den Seelen, welche die Bibel verlangt und ohne die ich nicht sehe, wie man sich einen Jünger von Jesus Christus nennen kann. Seien Sie lebendige Bibeln, damit die Freiheit, das Licht und die Liebe aus Ihrem Wesen auf alle strahlt, denen Sie sich nähern.» Amen |
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