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Predigt zum 10.8.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)Die Witwe von Zarefat (1. Könige 17, 7-24 )«Nach einiger Zeit aber trocknete der Bach aus, denn es fiel kein Regen im Land. Da erging an Elija das Wort des Herrn: Mach dich auf, geh nach Zarefat, das zu Sidon gehört, und bleibe dort. Sieh, einer Witwe dort habe ich geboten, dich zu versorgen. Und er machte sich auf und ging nach Zarefat. Und als er an den Eingang der Stadt kam, sieh, da sammelte dort eine Witwe Holz» (1. Könige 17, 7-10a, Neue Zürcher Bibel). Ich habe Begegnungen sehr gern. Zwei Personen, die sich treffen, das sind zwei Geschichten, die eine gemeinsame Ebene finden und eine Beziehung aufbauen. Ich betrachte auch gern die Begegnungen, die uns die Bibel anbietet. Die Begegnung zwischen der Witwe von Zarefat und Elija ist eine der kraftvollsten! Sie war auch eine meiner liebsten Geschichten, die ich immer wieder in der Sonntagsschule gehört habe. Und ich muss bekennen, dass mich das Öl und das Mehl, die in den Töpfen der Witwe nicht ausgehen, ebenso fasziniert haben wie die Auferweckung ihres Sohnes! Den weiteren Text des Bibelabschnittes werden wir entlang der Predigt hören. Man könnte diese Begegnung der Witwe mit dem Propheten so umschreiben: «Frau, dein Glaube ist bewundernswert! Prophet, dein Glaube ist gross!» Die Bibel spricht oft von den Witwen ... Sie waren eine benachteiligte Kategorie von Menschen in der Gesellschaft von damals. Witwe zu sein vor fast dreitausend Jahren in Israel, das ist schwer vorstellbar. Wenn einmal der Mann des Hauses gestorben ist, bleibt für sie nichts mehr. Witwe in Israel zu sein, das bedeutet, aus der Gesellschaft und aus dem Leben ausgestossen zu werden. Diese Frau ist eine der mutigen Witwen, der Elija begegnen wird. Ich hätte gerne ihren Vornamen kennen gelernt, aber sie bleibt «namenlos». Diese Namenlosigkeit zeigt das Übermass an Elend an: eine Witwe mit einem Sohn, eine Fremde und also auch eine Heidin. Denn Zarefat ist eine Stadt auf heidnischem Boden, und dorthin sendet Gott Elija (Vers 9). Aber neun Jahrhunderte später hat Jesus selber im Lukas-Evangelium diese Frau ohne Namen zitiert und hat die Juden daran erinnert, dass er gekommen ist, um die Gnade allen zu bringen. Jesus spricht von dieser Heidin in dem Moment, als er selber von Nazareth abgelehnt wird. Und er sagt diesen berühmten Satz: «Kein Prophet ist willkommen in seiner Vaterstadt» (Lukas 4, 24 NZB) und er fährt fort: «Es entspricht der Wahrheit, wenn ich euch sage: Es gab viele Witwen in Israel in den Tagen Elijas, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine grosse Hungersnot über das ganze Land kam, doch zu keiner von ihnen wurde Elija geschickt, sondern zu einer Witwe nach Zarefat bei Sidon» (Lukas 4, 25-26 NZB). Gott überrascht immer wieder: Elija, der sich an den Bach Kerit zurückgezogen hat, sieht, dass der Bach von der Trockenheit heimgesucht wurde, die er angezeigt hatte. Gott schickt ihn, der arm, am Verhungern und Verdursten ist, zu zwei anderen armen Menschen. Er, der grosse Prophet, wird darauf reduziert, von einer Fremden für seine täglichen Bedürfnisse abhängig zu sein! Diese Begegnung ist tragisch, weil der Tod die einzige Aussicht zu sein scheint ... 1) Alles beginnt mit einer Bitte (Vers 10): «Und als Elija an den Eingang der Stadt kam, sieh, da sammelte dort eine Witwe Holz. Und er rief ihr zu und sagte: Hole mir doch einen Krug mit etwas Wasser, damit ich trinken kann!» Die Frau gehorcht, aber sie ist mit etwas anderem beschäftigt ... Sie sammelt Holz für eine Mahlzeit, von der sie denkt, dass es die letzte mit ihrem Sohn sei, da es nichts mehr zu essen gibt. «Und sie ging, um es zu holen, und er rief ihr nach und sagte: Hole mir doch auch einen Bissen Brot» Vers elf, 11). Es ist diese zweite Bitte, die das Herz und den Mund dieser Frau öffnet. Sie zeigt die dramatische Situation auf, in der sie sich befindet. Die Frau hat nur noch Mittel für «Brot für diesen einen Tag» ... Für das Brot von morgen hat sie nichts mehr. Aber der Prophet Elija bittet sie, ihre armseligen Vorräte mit ihm zu teilen. Er, der ein Prophet Gottes ist, richtet in einer gewissen Weise das gleiche Gebet an diese Frau, wie wir es gegenüber Gott tun. Er bittet sie: «Gib mir heute das Brot für diesen Tag!» Indem Elija sie darum bittet, will er die Frau und ihren Sohn nicht um ihr Brot bringen. Er zieht sie in ein Abenteuer mit hinein: das Abenteuer des Gebens, das auch gleichzeitig ein Abenteuer des Vertrauens ist. Elija verlangt nicht einfach von dieser Frau, sie solle ihm Brot geben. Er bittet sie darum, ihr letztes Brot mit ihm zu teilen. Dieses Brot, welches Brot der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit bedeutet, denn nachher bleiben nur noch Hunger und Tod ... Die Bitte ist klar: das Wasser und das Brot der Verzweiflung ... Aber Elija fügt der Bitte eine Zusicherung an: «Fürchte dich nicht.» «Sie aber sagte: So wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe nichts vorrätig, ausser einer Handvoll Mehl im Krug und ein wenig Öl im Krug. Und sieh, ich bin dabei, zwei, drei Stück Holz zu sammeln; dann werde ich gehen und für mich und für meinen Sohn zubereiten, was noch da ist, und wir werden es essen, dann aber müssen wir sterben. Da sagte Elija zu ihr: Fürchte dich nicht. Geh, tu, wie du es gesagt hast; doch bereite davon zuerst einen kleinen Brotfladen für mich zu und bringe ihn mir heraus; für dich aber und für deinen Sohn kannst du danach etwas zubereiten. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Krug wird nicht ausgehen, und der Ölkrug wird nicht leer werden, bis zu dem Tag, an dem der Herr dem Erdboden Regen gibt» (Verse 12-14). 2) Alles beginnt mit einer Bitte und einer Bedingung: Damit weder das Mehl noch das Öl ausgehen, gibt es eine Bedingung: Elija muss als Erster bedient werden! Diese Frau ist wunderbar in ihrem Vertrauen, ihrem Glauben, ihrem Gehorsam ... Sie handelt und bereitet für Elija, für sich und ihr Kind etwas zu essen zu. Und das Wunder geschieht: Sie kennen keine Hungersnot mehr. Verse 15 und 16: «Da ging sie und handelte nach dem Wort Elijas, und sie hatten zu essen, sie und er und ihr Haus, tagelang. Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer, nach dem Wort des Herrn, das dieser durch Elija gesprochen hatte.» Florence Taubmann, eine Pfarrerin, schreibt: «Das Teilen des letzten Brotes wird zum Teilen eines Brotes der Hoffnung. Das Brot des ersten Tages, das Brot eines neuen Lebens! Es ist dieses Brot, das sie zusammen gegessen haben.» Und sie fährt fort, dass die Bedingung zum Teilen, die Elija der Frau auferlegt hat, bedeutet: «Das Teilen des letzten Brotes ist mehr als das! Es bedeutet, sich zu öffnen und etwas in sich zu entdecken, das sich nicht erschöpfen kann: die Freude zu schenken, die Freude zu teilen, die Freude zu lieben. Das ist schwierig zu erklären, weil man es erleben muss, um es zu verstehen» (Pfarrerin Florence Taubmann). 3) Aber ... ein Wunder kann nicht ein Unheil verhindern! Die Frau und das Kind wurden fast vom Tod gestreift, aber durch die Macht Gottes und durch den Gehorsam dieser Witwe fehlen diese Nahrungsmittel nicht mehr! Das Leben nimmt wieder seinen gewohnten Lauf: das Leben mit seinen Freuden und seinen Leiden; das Leben mit der Krankheit und dem Tod ... Vers 17: «Nach diesen Begebenheiten aber wurde der Sohn der Frau, der Hausherrin, krank, und seine Krankheit wurde immer schwerer, bis kein Atem mehr in ihm war.» Der Tod hat schliesslich doch noch zugeschlagen. Ein Kind zu verlieren ist eine sehr schmerzliche Prüfung für einen Vater oder eine Mutter, weil das gegen die Natur ist ... Gegenüber dieser grausamen Prüfung drückt die Witwe ihre Zweifel, ihre Fragen und ihre Schuldhaftigkeit aus: «Was habe ich mit dir zu schaffen, Gottesmann? Du bist zu mir gekommen, um an meine Schuld zu erinnern und um meinen Sohn zu töten!» (Vers 18). Elija antwortet nichts. Vielmehr richtet er eine neue Bitte an sie: «Gib mir deinen Sohn» (Vers 18). Erneut ist sie es, die etwas geben kann. Dieses Mal vertraut sie ihren toten Sohn dem Mann Gottes an, der in das Zimmer hineingeht. Dieses Zimmer, das der Ort ist, wo er betet. Dort erlebt er auch eine Prüfung, indem er sich an Gott wendet in Vers 20: «Und er rief den Herrn an und sprach: Herr, mein Gott, hast du auch über diese Witwe, bei der ich zu Gast bin, Unheil beschlossen, dass du ihren Sohn tötest?» Für Elija ist Gott ein lebendiger Gott, ein Gott der Lebenden! Deshalb beugte er sich drei Mal über das Kind, wie es im Vers 21 heisst: «Dann beugte er sich dreimal über das Kind, rief zum Herrn und sprach: Herr, mein Gott, lass Leben zurückkehren in dieses Kind!» 4) Das zweite Wunder findet statt! Gott erhört das Gebet von Elija. Er gibt eine Antwort darauf und das Kind kommt wieder zu sich. «Und der Herr hörte auf die Stimme Elijas, und das Leben kehrte zurück in das Kind, und es wurde wieder lebendig. Und Elija nahm das Kind und brachte es vom Obergemach hinab in das Haus und gab es seiner Mutter. Und Elija sprach: Sieh, dein Sohn lebt. Da sagte die Frau zu Elija: Nun weiss ich, dass du ein Gottesmann bist und dass das Wort des Herrn in deinem Mund wahr ist» (Verse 23und 24). Dieses Mal sagt Elija nicht mehr: «Gib mir ...», sondern er hat nun das Vorrecht und die grenzenlose Freude, dass er das Kind der Mutter zurückgeben und zu ihr sagen kann: «Sieh, dein Sohn lebt!» Man kann sich fragen, was diese Frau verstanden haben mag, als sie ihren Sohn wieder atmen sah. Was denkt sie über Elija? Sie legt ein schönes Bekenntnis ab: «Nun weiss ich, dass du ein Gottesmann bist und dass das Wort des Herrn in deinem Mund wahr ist.» Schluss: Ja, diese Begegnung ist schön und wunderbar. Nicht nur wegen der Wunder! Diese Begegnung ist schön, weil sie eine Öffnung zwischen zwei Kulturen bewirkt: zwischen einer Heidin und einem Propheten. Gott ist nicht ein Gott des Ausschlusses. Er wendet sich jedem Menschen zu, wie auch immer sein Ursprung und seine Lebensumstände sein mögen. Durch ihren Gehorsam und ihren Glauben ist diese Witwe beispielhaft. Auf die Bitte eines Propheten des Gottes von Israel hin hat sie wirklich alles gegeben von dem Wenigen, das sie besessen hat. Aus diesem Grund hat Jesus viele Jahrhunderte später auf sie hingewiesen! Über ihr Beispiel sollen wir nachdenken, es noch einmal in unserem Herzen bewegen: ihren Glauben, ihre Würde, ihre Gastfreundschaft, ihre Grosszügigkeit. Möge Gott uns lehren und uns dabei helfen, «das Brot für diesen Tag zu teilen». Möge Gott uns mit hineinnehmen in das Abenteuer des Gebens und das Abenteuer des Vertrauens ... Welches Brot für diesen Tag bittet Gott mich zu geben? Ich schliesse mit den wunderbaren Worten von Florence Taubmann, Pfarrerin in Paris, an: «Dieses Brot, das für unseren Körper nötig ist, damit er überleben kann. Aber auch dieses Brot, das es im Herzen braucht, um das Teilen und das Geben erleben zu können. Das ist das Brot des Segens. Es ist das Brot, mit dem Jesus eine unzählbare Menschenmenge ernährt hat. Es ist das Brot, das er als Symbol seines eigenen Leibes und seines eigenen Lebens gegeben hat. Indem wir dieses Brot teilen, erkennen wir Gott. Amen!» |
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