Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 25.5.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)

Lebenswind (1. Könige 19, 1-15)

Das erste Buch der Könige, Kapitel 19, 1-15 (Einheitsübersetzung)
Elija am Horeb
1 Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe. 2 Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache. 3 Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück. 4 Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. 5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! 6 Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. 7 Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. 8 Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb. 9 Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? 10 Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 11 Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. 13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. 14 Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elija? Er antwortete: Mit Leidenschaft bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 15 Der Herr antwortete ihm: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damaskus! Bist du dort angekommen, salbe Hasaël zum König über Aram!

Vor zwei Wochen haben wir Pfingsten gefeiert und in der Predigt gesehen, dass der heilige Geist etwas Unfassbares ist ... Unfassbar wie der Wind! In der Bibel sind Wind und heiliger Geist das gleiche Wort, sie haben den gleichen Sinn. Dieser Lebenswind kommt dahin, wo man ihn vielleicht nicht mehr erwartet. ... Das ist genau diese Erfahrung, von der wir soeben gehört haben, die Elija gemacht hat. Wir wollen dieses 19. Kapitel jetzt in der Dynamik von Pfingsten miteinander betrachten!

Zuerst einige Worte zu Elija, bevor wir uns dem 19. Kapitel zuwenden. Sein Name bedeutet «Yahweh ist mein Gott»! Dieser Name steht ihm gut, weil das seine Devise und das Programm seines Lebens war. Im Übrigen weiss man nicht, woher Elija kam, er erscheint in 1. Könige im Kapitel 17 und erklärt sofort seinen Auftrag: «So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe!» (1. Könige 17, Vers 1).

Jakobus gibt uns in seinem Brief mit Elija ein Beispiel in Bezug auf die Macht des Gebets: Jakobus 5, 16b, 17, 18: «Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten. Elija war ein Mensch wie wir; er betete inständig, es solle nicht regnen, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde. Und er betete wieder; da gab der Himmel Regen, und die Erde brachte ihre Früchte hervor» (Einheitsübersetzung).

«Ein Mensch wie wir», aber in Leidenschaft entbrannt für Gott, ein Held, ein Prophet, ein Diener des Herrn! Und wie alle leidenschaftlichen Menschen radikal und masslos! Elija ist der Diener des Herrn, der den Sohn der Witwe von Sarepta (Kapitel 16) auferweckt hat, aber er tötet auch die Propheten des Baal (Kapitel 18). Er hat sich dann mit Baal, der heidnischen Gottheit, gemessen und bewiesen, dass Gott mächtiger als Baal ist. Nachdem er die Baal-Priester gedemütigt hatte, liess er sie töten (1. Könige 18, 40), und dann war er gezwungen zu fliehen ... Im Laufe der Flucht, die im Kapitel 19 erzählt wird, macht Elija die Erfahrung, dass er einem Gott dient, der nicht ein gewalttätiger Gott ist ...

Ich habe diese Kapitel 19 des ersten Buches der Könige sehr gern, weil ich dort einen mutlosen Mann finde und einen Gott, der ihn ermutigt! Sein Leben ist in Gefahr, aber er versteht auch, dass er nicht mehr gilt als die anderen. Er hat alles versucht, er hat sein Bestes gegeben, aber er hat keine Illusionen mehr. Der Tod scheint die endgültige Lösung für seine Einsamkeit und seine Sorgen zu sein ... Gott beginnt ihn zu ermutigen, indem er für ihn eine Mahlzeit organisiert! Einen Kuchen und Wasser. Und der «Pizza-Kurier» kommt, um Elija aufzuwecken und er sagt zu ihm: «Steh auf und iss!» Nein, es ist natürlich ein Engel, der ihn im Vers 5 aufweckt. Aber einen Pizza-Kurier-Engel, das gibt es wirklich! Elija ist so niedergeschlagen, dass er isst, trinkt und sich wieder schlafen legt! Und der Engel kommt noch einmal und sagt zu ihm diesen wunderbaren Satz: «Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich» (Vers 7 Einheitsübersetzung). Der Text sagt uns, dass Elija mit der Kraft dieser Nahrung 40 Tage und 40 Nächte bis zum Horeb marschiert, dem Berg Gottes ...

1. Ein Gott, der ermutigt und der mit einer Suppe beginnt: Elija, der Diener des Herrn, Prophet, Mann des Gebets und der Tat. Elija, der Held, ist mutlos und er sagt zu Gott etwas, das ungefähr so geklungen haben mag: «Ich habe alles, was in meiner Macht stand, getan, um dir zu dienen, aber ich kann nicht mehr weiter!» Diesen Text aus der Bibel habe ich sehr gern, der so menschlich, so wahrhaftig ist ... wo die Starken nicht mehr stark sind, wo die Starken wahrhaftig die Schwachen stark werden.

Wenn Gott auf die einzelnen Menschen zugeht, erneuert er ihre physischen und geistlichen Kräfte. Aber er fängt mit einer Suppe an! «Steh auf und iss!» Erinnern Sie sich an eine Predigt vom letzten Monat, an das Rendez-vous der Liebe? Mit dem auferstandenen Jesus, der am Strand auf seine Jünger wartet, nachdem er ihnen ein Feuer und ein Barbecue vorbereitet hatte. «Suppe, Seife, Seelenheil», das Schlagwort für den Auftrag der Heilsarmee. Die Booths hatten alles genau verstanden: Man kann nicht über seelische Angelegenheiten und über Gott sprechen zu einem Menschen, der einen leeren Bauch hat ...

2. Es ist Gott, der auf die Menschen zugeht! Aber er ist unfassbar! Es ist immer Gott, der den ersten Schritt macht und der uns immer wieder sagt, wer er ist. Das genau ist die Erfahrung, die Elija in seiner Höhle, in seiner Einsamkeit und in seiner Mutlosigkeit macht. Ich betrachte gern die Liebe und die Aufmerksamkeit Gottes, der nicht sagt: «Vorwärts, aufgestanden, sei mutig! Du hast schon schlimmere Sachen erlebt!», sondern der etwas zu essen bringt und sagt: «Was willst du hier, Elija?»

Elija steht hier in seiner Mutlosigkeit zwischen zwei aussergewöhnlichen Erfahrungen: der Erfahrung der Macht Gottes, die sich gegen die Baal-Priester erwiesen hat, und der Erfahrung seiner Gegenwart, die sich ihm auf dem Berg Horeb zeigt. Weiss er wirklich, wer der Gott Israels ist, dem er dient? An dieser Stelle offenbart sich Gott in einer erstaunlichen Weise diesem Diener Gottes, der sich so masslos verhält. Diesem Gewalttätigen offenbart sich Gott nicht in der Gewalt, sondern in der Einfachheit. Nicht im Wind, nicht in einem Erdbeben oder im Feuer, sondern in einem leisen Säuseln. Ja, Gott ist ein mächtiger und tatkräftiger Gott, er kann sich auf eine starke Art zeigen! Aber er kann sich auch in einer sehr diskreten, aber nicht weniger starken Art zeigen ...

Ich habe dieses Kapitel 19 darum so gern ... weil Gott kommt und mit Elija in einem sanften und leisen Säuseln spricht (Vers 12). Elija hüllt sich in seinen Mantel in einer Geste von Respekt und Furcht. Der Gott, der sich offenbart, ist ein dreimal heiliger Gott.

Ja, Gott geht auf die einzelnen Menschen zu, aber er ist auch ebenso unfassbar wie der heilige Geist ... Gott stimmt selten mit dem, was wir von ihm sagen, überein, mit dem Bild, das wir uns von ihm machen. Gott handelt selten so, wie wir möchten, dass er es tut. Gott ist selten da, wo wir ihn erwarten. Ja, Gott geht auf uns zu, aber er schreit seine Macht und seinen Willen nicht heftig heraus. Er spricht sanft zu unserem Herzen und zu unserem Geist. Sein Geist ist viel öfter ein leises Säuseln als ein gewaltiger Wind.

3. Aber wenn Gott kommt, müssen wir aus unserer Höhle heraustreten! «Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn!» heisst es im Vers 11 (Einheitsübersetzung). «Komm heraus!» Wenn Sie im Ostergottesdienst von diesem Jahr dabei waren, müsste Sie das an etwas erinnern! Jesus, der seinen Freund Lazarus auferweckt hat, sagt zu ihm: «Lazarus, komm heraus.» Hier ist Elija nicht ein toter Mann, sondern seine Moral ist schwer angeschlagen.

Er hat sich in eine Höhle geflüchtet. Die Höhle ... Wir haben alle unsere Höhlen, unsere inneren Grotten ... Sie sind es, in die wir uns flüchten im Falle von Entmutigung, Enttäuschung, Angst, Müdigkeit. Unsere Höhlen, diese Orte, wo wir uns der Kritik, der Eifersucht, dem Defätismus hingeben... Diese Höhlen, in denen wir dem Herrn sagen: «Lass mich in Ruhe ... Vergiss mich! Ich habe genug ... Ich will nur noch meine Ruhe haben!»

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Gott – weil er Liebe ist – solche Sätze hören kann und sie auch respektiert ... Aber wie jemand, der liebt, setzt Gott mit Sorgfalt und Geduld alles daran, uns zu treffen und uns zum Licht zu führen. Selbst in der dunkelsten und einsamsten Höhle kann uns Gott finden: durch sein Wort, durch den heiligen Geist, der uns tröstet, durch die Gegenwart von Jesus, der lebt und handelt. Gott sucht uns in unserem Herzen auf, das er erschaffen hat und das er so gut kennt, dass ihm nichts verborgen bleibt. Wenn wir müde und mutlos sind, lesen wir doch dieses Kapitel 19 im 1. Könige noch einmal und lassen wir uns vom Herrn in Sanftheit aufsuchen ...

Das ist der wahrhaftige Elija: sogar entmutigt, sogar in der Angst bleibt er nicht in der Höhle. «Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle» (Vers 13 Einheitsübersetzung). Gott will ihm begegnen und Elija tritt aus der Höhle. Und Gott stellt ihm eine Frage: «Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: 'Was willst du hier, Elija?'» (Vers 13). Und trotz seiner Mutlosigkeit gibt Elija eine Antwort auf die gestellte Frage und öffnet sein Herz, spricht von seinen Enttäuschungen. Der Rest des Textes bleibt offen. In dieser Begegnung zwischen Gott und einem Diener, die stark und zugleich zart ist, erhalten wir keine genauen Angaben über Gott. Im Grunde genommen ist dieses Kapitel nicht eine Lektion, sondern ein Zeugnis. Das ist Gottes Augenblick «God's moment», den Elja erlebt. Ein Zeugnis, das Elija – und mit ihm auch uns – den Weg aus der grössten Not hin zur Tröstung zeigt. Eine Begegnung, die mit einem Sendungswort endet: «Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damaskus!» (Vers 15 Einheitsübersetzung). Nachdem Gott ihn aufgefordert hat, aus der Höhle herauszukommen, lässt er ihn auch aus der Wüste weggehen und schickt ihn in die Stadt ... zurück zu den Menschen. Indem er ihn zurückschickt, sagt Gott zu ihm etwas Ähnliches wie: «Verlass deine Wüste und geh in die grosse Stadt, dorthin, wo die Menschen, sogar diejenigen, die mich verlassen haben, sind.» ... Gott bestätigt Elija in seinem Amt als Diener und Prophet, er schickt ihn wieder zurück zu den Menschen ...

Lassen wir Gott zu uns sprechen, lassen wir uns von Gott aus der hintersten Ecke der Höhle holen, damit er unsere Kräfte erneuern und den Anfang dazu mit einer Suppe machen kann! Überlassen wir ihm die Freude, unsere physischen und geistlichen Kräfte zu erneuern.

Lassen wir uns von Gott aufsuchen, wann und wie er will! Sagen wir ihm nicht, was er tun muss! Sondern gehorchen wir seiner Aufforderung zum Leben! Stehen wir auf und gehen wir aus unseren Höhlen hinaus. Entdecken wir zum ersten Mal oder aufs Neue seine Gegenwart, seine Kraft, seine Zartheit, seinen Trost.

Und wenn wir dann aufrecht stehen und ermutigt sind, dann wollen wir uns erneut unserer Solidarität mit der Menschheit bewusst werden. Gott schickt uns als gestärkte Menschen in die Stadt, um dort als geliebte Söhne und Töchter Gottes zu leben, als Zeugen des lebendigen Christus. Zeugen, die ständig umgewandelt werden durch den heiligen Geist: diesen Geist, der wie Gott selber unfassbar bleibt.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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