Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum Missionssonntag 18.5.08 (Martin Gossauer)

Unser tägliches Brot

(alle Bibeltexte sind aus der Übersetzung 'Hoffnung für alle')

Einleitung

Vor einigen Wochen hat uns Jesus zu einem Frühstück am Strand mit seinen Jüngern eingeladen. Auf dem Menu standen gebratene Fische und Brot. Wir haben festgehalten, dass Jesus seinem Wesen nach immer etwas Gutes für seine Kinder vorbereitet und uns ein Leben in der Fülle verspricht.

Was steht heute auf der Menukarte? Unser tägliches Brot gib uns heute! So lehrt Jesus uns zu beten. Doch auch wenn gewisse Chinesen, Birmanesen oder Afrikaner das selbe Gebet sprechen mögen wie wir heute - für die einen bleibt die Menukarte leer, für die anderen gibt es eine reiche Auswahl... Was gab es denn heute zum Frühstück?

(Spontane Umfrage bei drei Personen unter den Zuhörern)

Unser tägliches Brot gib uns heute

Das steht also auf unserer Menukarte, und es passt zum Thema des Missionssonntages: 'Recht auf Nahrung'. Angesichts der Bitte, die Jesus uns im «Unser Vater» aufträgt, habe ich etwas Mühe mit diesem Recht. Wem gegenüber können wir denn dieses Recht geltend machen? Gott gegenüber? Dem Staat gegenüber? Einer Hilfsorganisation gegenüber? Ja, die Kinder den Eltern gegenüber, die verpflichtet sind, für ihr Wohl aufzukommen. Vielmehr als ein Recht sehe ich die Verantwortung des Menschen, für sein tägliches Brot zu arbeiten, und auf der anderen Seite zeigt mir die Bitte von Jesus, dass alles, was wir haben, schliesslich von Gott kommt und erbeten sein will. So ist selbst das, was ich selber im Schweisse meines Angesichtes erarbeitet habe, immer auch ein Geschenk der Gnade Gottes.

Jesus spricht von sich als dem Brot des Lebens (Johannes 6,32-35): «...Das wahre Brot vom Himmel gibt euch jetzt mein Vater. Und nur dieses Brot, das vom Himmel kommt, schenkt der Welt das Leben.» «Herr, gib uns jeden Tag dieses Brot!», baten ihn alle. «Ich bin das Brot des Lebens», sagte Jesus zu ihnen. «Keiner, der zu mir kommt, wird jemals wieder Hunger leiden, und niemand, der an mich glaubt, wird jemals wieder Durst haben.»

Ja, ich glaube, dass sich in Jesus Christus all unsere Bedürfnisse erfüllen. Er stillt all unseren Hunger. «In ihm ist alles, was es an Weisheit und Erkenntnis Gottes geben kann» lesen wir in Kolosser 2,3. Natürlich spricht Jesus in Johannes 6 von der geistlichen Nahrung, die er uns geben will. Wenn wir dieses Brot vom Himmel nicht nur hören, sondern es aufnehmen und konsequent im Leben umsetzen, würde wohl in unserer Welt etwas mehr Gerechtigkeit herrschen. «Nur dieses Brot, das vom Himmel kommt, schenkt der Welt das Leben», sagt Jesus. Vielleicht sollte sich unsere Bitte um das tägliche Brot, das wir im Überfluss haben, mehr auf das Brot, das vom Himmel kommt, beziehen, als auf das Brot, das von der Erde kommt.

Gottes Geschenk und unsere Verantwortung

«Kommt und esst», sagt Jesus bei jenem Frühstück am Strand zu seinen Jüngern und zu uns. Gleichzeitig sagt er auch: «Bringt etwas mit, von den Fischen, die ihr gefangen habt» (Johannes 21,10-12). Gottes Gnadengeschenk schliesst unsere Arbeit nicht aus, sondern mit ein. Gott weist uns unseren Teil der Verantwortung zu. Halten wir uns diese beiden Pole vor Augen, wenn wir das heutige Thema betrachten.

Wenn also die armen Menschen in der südlichen Hemisphäre wie wir um das tägliche Brot bitten und trotzdem Hunger leiden, und wir uns die Bitte zu oft ersparen und Brot im Überfluss haben, hat das wohl weniger mit einem Gott zu tun, der ungerecht ist und Gebete nicht erhört, als mit Menschen, die ihre Verantwortung nicht wahrnehmen.

Recht auf Nahrung! Das Thema könnte nicht aktueller sein! Wenn wir in den letzten Wochen die weltweiten Nachrichten verfolgt haben, sind uns noch Bilder vor Augen von Menschen in Ägypten, Haiti, Bangladesh oder Senegal, die ihre Verzweiflung auf der Strasse kund tun, weil sie nicht mehr genug Geld haben, um sich die Grundnahrungsmittel zu kaufen, ja nicht einmal genug, z.B. in Ägypten, für subventioniertes, billiges Brot. Währenddem bei uns sogar die Budgetlinie beim Migros bald mehr als Statussymbol dient als zur Erfüllung der Grundbedürfnisse.

Die Gründe, die zu einer ungerechten Nahrungsmittelversorgung führen, können wir hier nicht alle aufführen, doch sie sind uns bekannt, wenn wir uns nicht nur über Gratiszeitungen über die Weltsituation informieren, sondern seriös recherchierte Hintergrundberichte lesen und die Augen offen halten. Es sind vom Menschen verursachte und nicht gottgewollte Gründe, und wir wissen genau, dass es eigentlich für alle auf der Welt genug zu essen gibt, dass es aber mit der Verteilung hapert. Die folgenden Bilder sprechen für sich:

Wir sehen Familien in verschiedenen Ländern mit ihrem wöchentlichen Lebensmittelverbrauch ... und wie sieht unser Bild aus?

Betrachten wir noch eine andere Realität: Wie viel geben wir für Nahrungsmittel aus? Die Bitte um das tägliche Brot scheint fast ein Hohn, wenn wir daran denken, dass wir aus unserem Überfluss Lebensmittel kaufen, vielleicht brauchen wir dafür 20% unseres Einkommens oder noch weniger. Viele Menschen brauchen ihr ganzes Einkommen, um sich Essen zu kaufen, und noch das reicht nicht aus. Wenn also die Preise für Weizen, Reis und Soja in kurzer Zeit um das drei- oder vierfache gestiegen sind, leiden zuerst die Armen darunter. Wir können uns immer noch ein gewisses Extra leisten, zum Beispiel Erdbeeren mit Vanilleeis und Schlagrahm. Doch die Krise erreicht auch uns. Ich habe gerade in dieser Woche eine Reportage aus Paris gesehen, wo Menschen, die arbeiten und einen Mindestlohn haben, also nicht Obdach- und Arbeitslose, Schlange stehen. Nicht etwa an den Kassen der Supermärkte, sondern bei ihren Hintereingängen, wo sie darauf warten, dass die Abfallcontainer auf die Strasse gestellt werden. Was weggeworfen wird, das sind für sie allemal noch Leckerbissen, worum sie sich streiten. Sie haben nicht mehr genug Geld, um sich das Nötigste im Laden zu kaufen.

Teilen

Wenn wir unsere Verantwortung in dieser Welt wahrnehmen wollen, müssen wir teilen! Wir kennen die Einstellung der Bibel der Ernährung und den Hungernden gegenüber. Jesus selber hat gerne gegessen und getafelt. Er hat aber auch immer wieder dazu aufgerufen, sich um die Armen und Hungernden zu kümmern. Den Aufruf zum Teilen finden wir bereits im Alten Testament (z. B. Jesaja 58, 7-11). Unsere Verantwortung ist es, zu teilen.

Auch wenn es bei dem Wunder der Brotvermehrung, der Speisung der 5000 in Johannes 6 um die Bedeutung von Jesus als dem himmlischen Brot geht, zeigt es uns doch auch die Wichtigkeit des Teilens auf. Ohne die Solidarität des kleinen Jungen und ohne die Mithilfe der Jünger hätte die Menschenmenge nicht ernährt werden können.

Teilen heisst nicht einfach aus unserem Überfluss geben, teilen heisst, dem andern das zugestehen, was ich selber habe oder auf so viel zu verzichten, dass auch die andern genug haben. Teilen heisst nicht nur, materielle Dinge weitergeben. Vom wahren Wesen des Teilens spricht Paulus im ersten Thessalonicher 2, 8: «Weil wir euch so lieb gewonnen hatten, waren wir nicht nur dazu bereit, euch Gottes Botschaft zu verkünden, sondern auch uns selbst, unser ganzes Leben für euch einzusetzen», oder «mit euch zu teilen», wie es in anderen Übersetzungen steht. Teilen heisst, sein Leben teilen, sich selber verschenken.

Das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus (Lukas 16, 19-31)

Unsere Verantwortung ist es, wie wir mit unserem Reichtum umgehen. Wir lesen Lukas 16, 19-31 (Hoffnung für alle):

19 «Da lebte einmal ein reicher Mann», berichtete Jesus. «Er war immer vornehm gekleidet und konnte sich alle Tage jeden Luxus leisten. 20 Vor dem Portal seines Hauses aber lag Lazarus, bettelarm und schwerkrank. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt. 21 Während er dort um die Abfälle aus der Küche bettelte, kamen die Hunde und beleckten seine offenen Wunden.

22 Lazarus starb, und die Engel brachten ihn dorthin, wo all sein Leiden zu Ende war. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. 23 Als er im Totenreich unter Qualen erwachte, blickte er auf und erkannte in weiter Ferne Abraham und Lazarus. 'Vater Abraham', rief der Reiche laut, 'habe Mitleid mit mir! Schicke mir doch den Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!'

25 Aber Abraham erwiderte: 'Erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut, und du musst leiden. 26 Ausserdem liegt zwischen uns ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.'

27 'Vater Abraham', bat jetzt der Reiche, 'dann schicke ihn doch wenigstens (28) zu meinen fünf Brüdern. Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.' 29 Aber Abraham entgegnete: 'Deine Brüder sollen auf das hören, was sie bei Mose und den Propheten lesen können. Dann sind sie gewarnt.'

30 Der Reiche widersprach: 'Nein, Vater Abraham, erst wenn einer von den Toten zu ihnen käme, würden sie ihr Leben ändern.' 31 Doch Abraham blieb dabei: 'Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.'»

Es ist nicht der Reichtum, den Jesus dem Reichen vorwirft, sondern die Tatsache, dass er egoistisch mit diesem Reichtum umgegangen ist und den armen Lazarus ignoriert hat. Er hat Gott und Lazarus gegenüber sein Herz verschlossen. Er hat ganz einfach nicht gesehen und nicht gehört. Weder die Armut seines Mitmenschen noch den Reichtum des himmlischen Brotes für ihn selber. Blind und taub wird er gefühllos dem Leiden anderer und der Liebe Gottes gegenüber. Es kann nichts Schlimmeres geben: reich sein und nicht mehr Mensch sein. Unsere Verantwortung ist es, wie wir mit unserem Reichtum umgehen, d.h. reich sein und Mensch sein, reich sein und solidarisch sein.

Als der Reiche seinen Mangel an Mitgefühl realisiert, ist es zu spät. Nun will er wenigstens seine Familie vor dem gleichen Schicksal bewahren und bittet, dass Abraham Lazarus zu seinen fünf Brüdern schickt, um sie zu warnen. Sicher, wenn ein Toter ins Leben zurückkommt, würden sie glauben und ihr Leben ändern. Was antwortet ihm Abraham? Nein, sie haben das Wort, sie sollen auf das hören, was sie bei Mose und den Propheten lesen können. Sie haben das Brot, das vom Himmel kommt, sie sollen sich davon ernähren und satt werden.

Oft finden wir die Lektion eines Gleichnisses am Schluss, was die Exegeten 'die Pointe' nennen. Hier ist es die Wichtigkeit von Gottes Wort, die unterstrichen wird. Sie haben, so sagt Jesus durch seinen Interpreten Abraham, Mose und die Propheten. Sie sollen auf sie hören.

In den fünf Brüdern des reichen Mannes können wir uns wiedererkennen. Genau wie sie sind auch wir noch lebendig und entscheidungsfähig. Wie sie haben auch wir noch die Möglichkeit, unseren Reichtum mit Menschen in Not zu teilen. Jesus sagte: «Ihr werdet die Armen immer bei euch haben.» (.........)

Doch die Armut ist ein Skandal, gegen den wir Christen uns engagieren müssen. Das Erste, das wir tun müssen, ist, auf Gottes Wort zu hören, das himmlische Brot zu essen und unser Leben danach zu ändern. Warten wir nicht darauf, dass etwas Aussergewöhnliches geschieht, dass Gott uns eine Offenbarung oder Erscheinung schickt. Schieben wir die Verantwortung nicht auf die Regierung ab oder zurück auf die Armen, als ob sie selber schuld wären.

Was können wir tun?

- Was bedeutet die Bitte 'Unser tägliches Brot gib uns heute' für mich? Gott schenke uns eine neue Sehnsucht nach dem Brot, das vom Himmel kommt, nach jedem Wort aus dem Munde Gottes, der durch Mose, die Propheten, die Apostel und Jesus selber zu uns spricht. Was können wir tun? Zuerst sollen wir Hörende sein und uns mit dem himmlischen Brot ernähren. Dann sollen wir Täter dieses Wortes sein.

- Uns für die Problematik des Hungers in der Welt interessieren und uns darüber informieren.

- Am Reich Gottes mitarbeiten, das Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen will. Uns dafür politisch und gesellschaftlich engagieren.

(zum Beispiel durch die www.stoparmut.ch Kampagne. Ausserdem hat die Heilsarmee soeben 400'000 Franken für Nahrungshilfe in Haiti und Zimbabwe freigegeben).

- Projekte unterstützen, die die Bekämpfung des Hungers zum Ziel haben

(wie heute das Milchpulverprojekt des Missionssonntages, www.heilsarmee.ch)

- Selber bewusst einkaufen und sich bewusst ernähren. Warum nicht

regelmässig einen Suppentag einschalten.

Segen: Jesaja 58, 7-11

(Hoffnung für alle)

7 « ... Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschliesst eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! 8 Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, meine Macht und Herrlichkeit beschliesst euren Zug. 9 Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: 'Ja, hier bin ich.'

Beseitigt jede Art von Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht Schluss mit aller Verleumdung! 10 Nehmt euch der Hungernden an, und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag. 11 Immer werde ich euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten Garten und einer Quelle, die nie versiegt...

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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