Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 13.4.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)

Ruhe (2. Teil) (Matthäus 11, 28-30)

«Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht» Matthäus 11, 28-30 (Einheitsübersetzung).

Vor zwei Wochen haben wir den ersten Teil von diesem Vers angeschaut, der von der Ruhe spricht ... Die Einladung von Jesus ist klar: «Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.» Ich habe mit Ihnen meine Wegstrecke geteilt, die der Herr mich seit Jahren mit diesem Wort «Ruhe» machen lässt ... Diese Ruhe, die ich nicht selber herstellen kann, sondern die ich von Christus erhalten muss. Diesen Satz, den der Heilige Geist vor zwei Jahren in meinem Herzen aufsteigen liess: «Die Frage heisst nicht mehr: 'Ruhe ich mich aus, bin ich in der Ruhe?' sondern viel eher: 'Ruht Christus sich in mir aus? Kann Christus sich in mir ausruhen?'»

Ich sagte Ihnen auch: «Meine Berufung bedeutet nicht, etwas zu tun. Etwas zu tun, um zu gefallen. Meine Berufung bedeutet, mit Christus zu sein und von ihm zu lernen, von ihm, der gütig und demütig im Herzen ist ...» Heute Morgen möchten wir zusammen mit dem zweiten Teil des Verses auf die andere Einladung hören: von ihm zu lernen ...

Nach der Einladung zur Ruhe fährt Jesus weiter: «Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir.» Da haben wir also die Ruhe, die Jesus verspricht. Eigenartig, finden Sie nicht? Müden und beladenen Menschen schlägt Jesus eine Ruhe vor, die die Form einer weiteren, einer zusätzlichen Last hat. «Nehmt mein Joch auf euch»: Eine solche Einladung erscheint schockierend – oder sogar inakzeptabel! Warum noch etwas beifügen, wenn das Herz und die Schultern schon schwer sind? Und dennoch –indem er sagt: «Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir», fährt Jesus fort, von dieser Ruhe zu sprechen, nur davon zu sprechen ...

Das Joch: Ich weiss nicht, was dieses Wort in Ihnen auslöst. Es ist ein Stück Holz, das man auf den Nacken der Ochsen legt, um sie anzuspannen. (David und Heidi Müller waren so freundlich, das Joch, das sie zu Hause haben, mitzubringen ...) Wie Sie wissen, war ich letzte Woche bei meinem Vater in Valence. Als ich mit ihm in einem rustikalen Restaurant beim Essen sass, wurde mein Blick von zwei Jochen angezogen, die an der Decke als Dekoration aufgehängt waren. Sie sehen auf der Foto eines davon, Sie sehen die beiden Bögen aus massivem Holz, die über die Nacken der Tiere gelegt werden.

Da werden zwei Tiere unter ein Joch gespannt. So bleiben sie aneinander gebunden und können gemeinsam die Last ziehen. Ein Tier unter dem Joch kann nicht gehen, wohin es will. Ein Tier unter dem Joch kann nur mit einem einzigen anderen Tier verbunden sein. Seit Maschinen die Tiere ersetzt haben, ist dies ein Arbeitsgerät, das die Bauern in der Schweiz und in Frankreich nicht mehr verwenden. Die Idee, die Ansicht eines Jochs kann in uns negative Gefühle hervorrufen ... Das geschieht auch bei Judson Cornwall in seinem Buch: «Miteinander im Loben», wo er schreibt: «Während Jahren habe ich diese Worte nicht begriffen. Meinen Nacken unter ein Joch zu legen, war das Letzte, worauf ich Lust hatte, wenn ich erschöpft war!»

Aber es gibt einige gute Nachrichten im Zusammenhang mit dem Joch! Deshalb möchte ich heute mit Ihnen darüber sprechen! ...

1. Das Besondere des Jochs besteht darin, dass es nicht von einem einzigen, sondern von zweien getragen wird. Der eigentliche Sinn des Joch ist, auf zwei Nacken gelegt zu werden, die miteinander verbunden sind. Indem Jesus uns einlädt, das Joch zu tragen, schlägt er uns vor, das Gewicht um die Hälfte leichter zu machen.

Es lohnt sich, unseren Eindruck oder unsere Ideen in Bezug auf das Joch zu ändern. Ja, Jesus spricht von Ruhe und lädt uns zur Ruhe ein, indem er uns das Joch vorschlägt. Es mit ihm so zu tragen, wie er es mit uns trägt.

Jesus zeigt sich uns nicht wie einer, der die Schwierigkeiten des Lebens unterdrücken will oder sogar alles zum Verschwinden bringen möchte, was unser Herz, unseren Geist und unseren Körper beschwert. In der Nachfolge von Jesus zu stehen bedeutet nicht, dass man keine Versuchungen, Schwierigkeiten oder Herausforderungen kennt ... Jesus kommt mit uns, an unserer Seite, um uns zu helfen, der Wirklichkeit des Lebens zu begegnen. Er kommt in unser Leben hinein, indem er uns eine Erleichterung, eine Entlastung vorschlägt ... So gesehen, bedeutet das Joch Entlastung, geteilte Bürde ...

2. Die andere gute Nachricht ist, dass das Joch die Einsamkeit zum Verschwinden bringt ... Die geteilte Last bedeutet, dass ich nicht allein unter diesem Gewicht bin. Unter diesem Gewicht der Verantwortungen oder der Sorgen, die auf meinem Herzen, meinem Geist, meinen Schultern lasten.

Eine Schwierigkeit des Lebens ist dieses Gefühl der Einsamkeit, der Isolation, das sich den Prüfungen noch anschliessen kann. Eine Sorge, ein Problem allein zu tragen, kann damit enden, dass man sich fragt, ob das alles normal sei, oder noch schlimmer: ob man selber normal sei ... Mit jemandem darüber sprechen zu können, seine Gefühle, seine Fragen, seine Zweifel auszudrücken, das ist eine solche Erleichterung, weil es die Isolierung durchbricht. Die Worte und Gedanken, die wir ausdrücken, ändern nicht ohne weiteres die Situation, aber sie brechen die Einsamkeit auf ... Die Worte, die Gedanken, die in der Gegenwart einer Vertrauensperson ausgesprochen werden, sagen uns, dass «wir weder verrückt noch abnormal sind» ... Aber weil die Last zu schwer ist, kommt Christus, um sie mit uns zu tragen. Ja, wenn er vom Joch spricht, dann geht es ihm wirklich darum, diese Einsamkeit leichter zu machen ...

«Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.» Viele Kommentatoren haben in diesem Bild oft einen Jesus gesehen, der das Gespann führt, nachdem er sein Joch auf den Nacken der Tiere gelegt hat. Was mich sehr berührt und zu mir gesprochen hat, als ich den Kommentar von Pfarrer Daniel Bourguet gelesen habe, ist seine Sicht der Dinge. Er schreibt: «'Kommt zu mir', sagt Jesus am Anfang, bevor er von seinem Joch spricht. Ich glaube, dass sich hier alles erhellt: Der andere an meiner Seite ist niemand anderes als Jesus selbst! Es ist wirklich sein Joch, das er zur gleichen Zeit auf meine wie auch auf seine Schultern legt, um sich mir anzuschliessen und so meine Müdigkeit und meine Sorgen, meine Bürden und meine Belastungen zu teilen ... Welche Liebe und welche Demut vonseiten von Jesus, der mich einlädt, zu ihm zu kommen, damit er an meiner Seite sein kann, um so mit mir die Lasten des täglichen Lebens zu tragen! Was für ein Wunder ist es, dass dieser Meister sich auf die gleiche Ebene stellt wie sein Jünger und mit ihm geht, Schritt für Schritt des Lebens. Ja, Jesus lügt nicht, wenn er sagt, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist.»

Daniel Bourguet beendet seine Gedanken in der Form eines Gebets: «Herr, eigentlich sehe ich nicht wirklich, wer ausser dir fähig gewesen wäre, mit mir die Last meiner Seele zu tragen! Aber ich hätte nie gewagt, dich darum zu bitten! Gesegnet seiest du, der du dich in deiner grossen Demut und deiner unvergleichlichen Liebe mir so anbietest.»

Wir könnten lange bei dem Ausdruck: «Lernt von mir ...» verweilen. Von Christus zu lernen, das bedeutet, sein Jünger zu sein, und das ist das Programm eines ganzen Lebens. Es ist das, was wir in der Heilsarmee ein Leben in der Heiligung nennen ... Indem wir nahe bei Jesus bleiben, lernen wir von ihm.

3. Zum Schluss möchte ich Ihnen diesen letzten Gedanken von Daniel Bourguet zum Nachdenken überlassen, der mich sehr ermutigt hat: «Das Besondere des Jochs ist es, dass es zwei Tiere voranschreiten lässt, die sich nicht sehen ... Sie sind sich sehr nahe, sie gehen ständig nebeneinander her, sie spüren einander, sie berühren sich, ABER SIE SEHEN EINANDER NICHT! Auf die gleiche Weise erleben wir die Nähe von Jesus, den wir nahe bei uns wissen, während er für uns unsichtbar bleibt» (aus: Devenir disciple, Jünger werden, S. 57).

Auf diesem Weg sind die Tiere ganz ruhig. Sie sehen sich nicht, aber sie spüren einander, einig in der gleichen Aufgabe, indem sie in die gleiche Richtung gehen, im gleichen Schritt ... Es ist eine wunderbare Ermutigung zu wissen, dass Christus, wenn auch ganz ruhig, an unserer Seite geht, nicht wahr? Eine Gegenwart der Liebe, der Demut und der Sanftheit ... Ja, der Reichtum der Gegenwart Gottes an unserer Seite, das ist Liebe! Das ist diese Liebe, die den Vater mit dem Sohn verbindet. Das ist diese Liebe, die ihn mit uns verbindet. Und uns mit ihm.

Schluss: Vor zwei Wochen habe ich diese Tatsache betont, dass das geistliche Leben eine Einladung, eine ständige Einladung ist, die der Herr uns anbietet. «Kommt her zu mir ...» Das Bild des Jochs steht im Zentrum dieser Einladung: Christus lädt mich ein, zu ihm zu kommen, damit er mir Ruhe geben kann, weil er mit mir trägt. Weil er da ist, an meiner Seite ...

Zu wissen, dass Jesus mit mir trägt, das bedeutet, zu akzeptieren, dass ER mit mir geht, das heisst zu lernen, miteinander im gleichen Rhythmus zu gehen ... und das bedeutet, DASS ICH ZULASSE, DASS ER MIT MIR TRÄGT ... Eines der einfachsten Dinge, die am meisten bei mir bewirkt haben, war die Antwort jener Person, die mich seit Jahren begleitet, als ich ihr die Last meines eigenen Herzens anvertraute: «Du bist nicht allein, du trägst nicht allein, der Herr trägt mit dir.»

Diese Sicht von Christus, der mit uns trägt, festzuhalten, ist manchmal ein Akt der Disziplin und oft auch ein Akt des Glaubens. Wir müssen uns das immer wieder selber sagen und unserem Herzen und Geist zusprechen. So merkwürdig das auch scheinen mag, ist es doch so, dass wir es immer wieder vorziehen, unsere Last ganz allein zu tragen ...

Antworten wir doch in unserer Lebenssituation auf die Einladung von Christus: Kommen wir zu ihm, lernen wir von ihm, lernen wir mit ihm und lassen wir IHN mit uns tragen ...

Behalten wir in unseren Herzen dieses Bild: Christus, der an meiner Seite geht. Ich sehe ihn zwar nicht, aber ER ist da ...

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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