Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 9.3.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)

Heil, das ist 100% Liebe

Einleitung: Ich weiss nicht, ob Sie das auch festgestellt haben. Aber in der Heilsarmee spricht man je länger je weniger vom Heil! Dieses Wort scheint etwas verschwunden zu sein, obwohl es in der Mitte unseres Namens steht! Wir vergessen diese Tatsache manchmal, aber wir sind und bleiben eine Heilsarmee, eine Armee des Heils! Als die «Christliche Mission» den Namen abgeändert hat, um «die Heilsarmee» zu werden, war es klar, dass der Auftrag dieser Organisation mit diesem Namen manifestiert wurde. Heil: Dieser Ausdruck ist etwas altmodisch geworden, oder er scheint weniger mit unserer heutigen Wirklichkeit übereinzustimmen ... Hören Sie, wie William Booth das Wort Heil ankündigte. Er definierte es als «eine köstliche, eine vorzügliche Beschäftigung» und sagte, ich zitiere: «Nein, es gibt keine Beschäftigung, die köstlicher ist, als vom Morgen bis am Abend und bis Mitternacht die freudige Botschaft zu verkündigen, dass die Vergebung kostenlos ist. Gnade – haben Sie dieses Wort gehört? Haben Sie seine Macht gespürt? Gnade – können Sie ihren versteckten, ihren unerforschlichen Sinn beschreiben?

Gnade – möge dieser Name in alle Winde getragen werden! Gnade – rufen Sie sie überall aus, so lange, bis es kein Wesen mehr gibt, das nicht Vergebung erhalten hätte, einen Geist, der noch beschmutzt oder besessen ist, eine Seele, die noch nicht geheiligt worden ist ... bis diese Welt vom Heil überflutet und die Menschheit in den Wassern, die das Leben schenken, gebadet ist.» William Booth (Aus: Catherine Booth et la fondation de l'Armée du Salut, S. 27)

Wenn man dieses Zitat hört, kann man sagen, dass der ganze William Booth, die Wurzeln des Auftrags der Heilsarmee darin klar ausgedrückt werden. William Booth hatte nur eine Leidenschaft, einen Wunsch: jedem Menschen zu verkünden, dass das Heil ihm durch Jesus Christus zugänglich ist! Und weil es keine bessere Botschaft gibt, ist dieses Weitersagen für ihn keine Last, sondern eine wirkliche Freude!

Und hier kann jeder, kann jede antworten: Das ist schön, das ist sogar sehr kraftvoll, aber ich bin nicht William Booth! ... Dann denke ich an jene jüdische Geschichte, die erzählt: Rabbi Zousia spricht am Ende seines Lebens von seinem Tod und er sagt: «Wenn ich mich dem himmlischen Gericht stellen werde, wird man mich nicht fragen, warum ich nicht Abraham, Jakob oder Mose gewesen sei. Man wird mich fragen, warum ich nicht Zousia gewesen sei» ... (aus: «Un cathéchisme protestant» Antoine Nouis, Seite 294).

Mutter Teresa hat das noch anders ausgedrückt: «Gott wird dich nicht fragen, wie viele Bücher du gelesen hast, wie viele Wunder du vollbracht hast. Er wird dich fragen, ob du dein Bestes gegeben hast für deine Liebe zu ihm. Kannst du in aller Aufrichtigkeit sagen: 'Ich habe mein Bestes gegeben?' Selbst wenn das Beste einen Misserfolg offenbaren würde, muss es unser Bestes sein.

Wenn du Christus wirklich liebst, wird deine Arbeit – so bescheiden sie auch sein mag – deine Liebe bezeugen» (aus: «Il n'y a pas de plus grand amour», Es gibt keine grössere Liebe S. 78).

Es ist für uns unmöglich, die Helden der Bibel zu kopieren! Wir können auch nicht «Propheten und Evangelisten spielen»! Der Weg in der Nachfolge von Christus ist nichts anderes als versuchen zu verstehen, was er uns mit seinem Kommen sagen will. Daran glauben wollen und es konkret leben wollen, persönlich und gemeinsam, das heisst mit anderen.

Wir sollen versuchen, das zu leben, was Christus gesagt hat: Das bedeutet, seinen Glauben in die Tat umzusetzen. Das bedeutet, eine Erfahrung der Reue, des Heils und der Heiligung zu machen ... Das bedeutet, uns durch die Macht des heiligen Geistes in uns umformen zu lassen.

Da wir jetzt auf die Karwoche und dann auf Ostern zugehen, möchte ich bei dem Wort «Heil» innehalten, welches das enthält, was Christus vollbringen wird: sein Leben für jeden und jede von uns zu geben. Als ich dieses Zitat von William Booth zu mir sprechen liess, bin ich ganz von Neuem durch diese Realität der Liebe Gottes in Jesus berührt worden. Und die folgende Formel ist in mir aufgestiegen: «Heil, das ist hundert Prozent Liebe!» Weil es Liebe ist, verdient es, verkündet zu werden! Und in dieser Liebe Gottes, die durch Jesus manifestiert wird, finden Sie mehrere Bestandteile: Vergebung, Befreiung, Frieden, Freude, Licht, Wahrheit, Vertrauen, ewiges Leben. Warum also empfinden wir dieses Wort Heil als altmodisch, wenn es doch von Liebe spricht? Warum soll es aus der Mode gekommen sein, wenn wir doch alle als Menschen Liebe suchen, Vergebung, Befreiung, Ruhe, Freude, Licht, Vertrauen und die Zusicherung des ewigen Lebens? Warum bringt uns dieses Wort «Heil» in Verlegenheit, wenn es doch «verändertes Leben» bedeutet? Die Zeilen von William Booth sagen uns, dass das Heil als Geschenk Gottes in Jesus miteinander geteilt, bekannt gemacht und vor allem gelebt werden muss.

Wenn Sie die Begegnung von Jesus mit der Samaritanerin in Johannes 4 und auch Jesus mit Zachäus in Lukas 19 lesen, sehen Sie von Neuem, wie dieses Geschenk empfangen und gelebt wurde! Sie werden auch die konkreten Handlungen sehen, die hervorgehen: Ohne Verurteilung erhellt Christus das Leben und die Erfahrungen der Menschen. Ihr Herz wird verändert und sie wollen davon Zeugnis ablegen. Ihre Werte sind von nun an Werte für das Leben.

In der für mich schönsten Begegnung in den Evangelien, in Johannes 4, wird alles auf den Kopf gestellt! Es ist diese Frau, die Wasser holen geht, zu einer Zeit, da niemand dort ist, in der heissesten Mittagsstunde ... Nach einem ernsthaften Austausch mit Jesus lässt diese Frau, die vor jenen flüchtete, die sie verurteilten, ihren Krug stehen und eilt in die Stadt, um zu verkünden: Johannes 4, 29 und 30: «Kommt, da ist einer, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Sollte dieser etwa der Christus sein? Sie gingen aus der Stadt hinaus und kamen zu ihm.» und Vers 41 : «Und noch viel mehr Leute kamen auf sein Wort hin zum Glauben.» Diese Männer aus Samarien verbringen zwei Tage mit Jesus und sagen zu dieser Frau, mit der sonst niemand spricht: «Wir glauben nicht mehr auf deine Aussage hin, denn wir selbst haben ihn gehört und wissen, dass dieser wirklich der Retter der Welt ist» (Johannes 4, 42).

Zachäus öffnet auf eigenen Antrieb sein Portmonnaie, denn die Begegnung mit Christus hat ihn vielleicht den Reichtum von anderen Werten erkennen lassen: «Zachäus trat vor den Herrn und sagte: Hier, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, Herr, und wenn ich von jemandem etwas erpresst habe, will ich es vierfach zurückgeben»(ZB, Lukas 19, 8).

1) Das Heil ist ein Geschenk: Der bekannteste Vers der Bibel sagt es uns in Johannes 3.16: «Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.» Aber die beiden folgenden Verse drücken auch wichtige Dinge aus: «Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet » (Johannes 3, 17, 18 ZB).

Gott hat die Initiative ergriffen, er hat Jesus Christus gesandt, der sein Leben am Kreuz für alle Menschen aller Zeiten hingegeben hat als einen neuen Weg der Versöhnung mit Gott.

Gott hat den Sohn gegeben, und der Sohn wird sein Leben hingeben. Das Kreuz erhebt sich im Zentrum unseres christlichen Glaubens. Es erinnert uns ohne Unterlass, dass Gott ein Gott ist, der rettet, der das Heil anbietet! Die Auferstehung von Christus macht aus diesem Heil eine universelle und ewige Tatsache. Wir sind eingeladen, die Liebe Gottes zu entdecken, immer wieder neu zu entdecken. Eine Liebe, die nicht Verurteilung, sondern ein Leben in Hoffnung bedeutet. Das Heil kann durch einen persönlichen Schritt erreicht werden, bei welchem die Vergebung Gottes empfangen wird und Glaube und Vertrauen zu Gott erfahren werden. Es geht darum, unsere Herzen seiner Liebe zu öffnen. Es geht darum, an Jesus, die Quelle des Lebens zu glauben!

2) Das Heil ist ein Opfer: Es gibt keine Liebe ohne Opfer. Es gibt keine Liebe ohne Leiden. Das Opfer von Jesus am Kreuz bedeutet nichts anderes als ein Geschenk ... sein Geschenk.

Auf dem Weg zur Karwoche und Ostern werden die Christen biblische Texte wieder lesen, welche den Begriff des Opfers unterstreichen, das im Zentrum des Alten Testamentes ist. Man darf nie vergessen, dass in der Kultur des Mittleren Ostens das Opfer das wichtigste Verbindungsmittel zwischen den einzelnen Menschen und Gott war. Man findet im Alten Testament verschiedene Opferarten: die Opfer der Dankbarkeit und des Lobes, Reinigungsopfer oder Opfer anlässlich von Festen oder speziellen Ereignissen.

Als Zeichen des Glaubens und der Dankbarkeit werden die Opfer im Allgemeinen dargebracht, um begangene Fehler wiedergutzumachen. Der Schuldige legt seine Hand auf den Kopf eines Tieres, bevor es geschlachtet wird, um ihm seine Schuld zu übertragen.

Diese Elemente sind wichtig, weil sie das Opfer von Jesus erhellen. Und weil sie die Verse der Briefe im Neuen Testament besser verständlich machen. Es ist Jesus, der die Sünden der Menschen auf sich genommen und das einzig gültige Opfer vollbracht hat, damit eine neue Verbindung mit Gott möglich wird. In Hebräer 9, 12 (ZB) heisst es: «Auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ist Christus ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat ewige Erlösung erlangt.»

3) Das Heil, das ist Christus, der sein Leben hingibt: Das Opfer von Jesus stellt natürlich die Frage nach dem Willen Gottes. Wer ist dieser Gott, der «Freude daran hätte, dass sein Sohn stirbt»? Wo ist die Liebe in all dem? Der Gott, der seinen Sohn sterben lässt, ist genau der Gleiche, der das Opfer von Isaak nicht wollte. Also warum musste Jesus sterben?

Wie für jeden Menschen war es auch für Jesus natürlich, dass er sterben würde. Aber musste er durch Leiden sterben? Jesus stirbt eben nicht nur, weil sein Leben an seinem Ende angekommen ist. Er stirbt, um zu zeigen, dass er nicht einfach für sich selber lebt: Er gehorcht seinem Vater: «Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst» Matthäus 26, 39 (ZB). Er gibt sein Leben freiwillig hin, um den Plan Gottes zu erfüllen: «Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben einsetze, um es wieder zu empfangen. Niemand nimmt es mir, sondern ich setze es von mir aus ein. Ich habe Vollmacht, es einzusetzen, und ich habe Vollmacht, es wieder zu empfangen» (Johannes 10 17, 18 ZB).

Sicher kann man das Leiden und den Tod von Jesus als einen Willen zur Solidarität mit den einzelnen Menschen verstehen: Gott geht durch das hindurch, wo wir auch durchgehen müssen ... Aber dieser schmerzhafte Tod, den Jesus hätte abwenden können, ist ein Zeichen par excellence seiner Liebe. Er gibt sein Leben hin ohne Entgelt (gratis) ... Wenn Christus sein Leben hingibt, dann zeigt er damit, dass sein Leben nicht ihm gehört: Er hat es von Gott erhalten und er gibt es für die anderen hin. «Niemand hat grössere Liebe, als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde» (Johannes 15,13 ZB).

Das ganze Evangelium zeigt uns, dass das ganze Leben von Christus aus Taten der Liebe bestanden hat. Und die Einheit mit dem Willen des Vaters war ständig da. «Ich und der Vater sind eins», sagt Jesus in Johannes 10, 30 (ZB). Aber es ist in seinem Tod, in dem das Opfer gipfelt, da der Tod die totale Hingabe seiner selbst ist.

Schluss: Heute Morgen haben diese Überlegungen ein einziges Ziel: uns zu helfen, auf die Karwoche und Ostern zuzugehen. Sie möchten uns helfen, besser zu verstehen, was Christus getan hat, vielleicht im Wiederentdecken von Texten oder Tatsachen, an die wir uns gewöhnt haben ...

Ich möchte noch einmal auf das Zitat von William Booth zurückkommen. Es enthält dieses Gefühl der Dringlichkeit, die in seinem Herzen ebenso wie im Herzen von Catherine war. Sie waren beide an einem Kampf beteiligt, weil sie ihre Zeitgenossen den «höllischen Mächten» entreissen wollten, die sie hinderten, die Tatsache des Heils zu erkennen. Die Gnade musste verkündet und weitergegeben werden, weil Christus alles vollbracht hatte.

Aber es besteht die Gefahr, das Heil wie etwas zu zeigen, das zuerst schwarz und dann weiss ist ... Das bewirkt, dass sehr viele Christen, die das Heil auf eine ganz gewöhnliche Art erhalten haben, erklären, sie hätten nichts zu sagen! Ich kenne viele solche Christen!!!!! Gott ist der Gott des Aussergewöhnlichen und des Gewöhnlichen! Das Heil kann also in einer ganz gewöhnlichen Situation empfangen werden, aber wesentlich ist, dass es empfangen wurde!

Ich brauchte sehr lange, um in meiner Bekehrung als Kind das grösste Geschenk Gottes in meinem Leben zu erkennen! Während der letzten zehn Jahre hat der Herr mich immer wieder zu dieser Tatsache geführt: «Heil, das ist hundert Prozent Liebe.»

Gott liess mich zu jenem Moment zurückkehren, an dem ich verstanden hatte, dass Gott mir Jesus durch Liebe geschenkt hatte. Ich habe so auf eine ganz neue Art und Weise die Wichtigkeit dieser Erfahrung verstanden. Ich möchte Ihnen zum Schluss noch etwas davon erzählen:

Als ich sechs Jahre alt war, nahm ich an einer Ferienkolonie der Heilsarmee teil, die drei Wochen dauerte. An einem Sonntagmorgen, anlässlich eines Aufrufs zum Glauben hat Gott meinem Kinderherzen klar gemacht, dass er nichts anderes als Liebe ist. So habe ich mich vor einem einfachen Kreuz niedergekniet. In diesem Moment habe ich etwas von der Liebe Gottes für mich verstanden. Die Gnade hat mein Herz berührt und hat mit der Liebe Gottes das Fundament und den Atem meines geistlichen Lebens gelegt. Ich wurde von Gott geliebt! Dieser Augenblick ist ein unbezahlbares Geschenk: der Eckstein, das Fundament meines geistlichen Lebens und das Fundament meiner Identität. Ich musste nur annehmen und Danke sagen; und das habe ich vor dem Kreuz getan. Die Gnade, die Liebe Gottes: Gibt es eine schönere Offenbarung?

Gibt es eine grössere Freude für die Gegenwart und für die Ewigkeit? Aber warum ist es so schwierig, darüber zu sprechen? Auf eine natürliche Weise darüber zu sprechen?

Ja, Heil, das ist hundert Prozent Liebe, denn wenn wir die Liebe Gottes zu uns verstehen, dann verstehen wir auch besser, wer wir sind. Wir werden zu dem, was wir sind: seine geliebten Töchter und seine geliebten Söhne. Wir werden fähig, ihn zu lieben und andere in seinem Namen zu lieben. Warum ist es so schwierig, eine gute Nachricht zu teilen? Warum ist es so schwierig, alle diese Geschenke in sein Leben aufzunehmen?

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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