Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 24.2.2008 (Martin Gossauer)

Lebendiges Wasser (Passionszeit)
(Exodus 17,3-7; Psalm 95,1-2+6-9; Römer 5,1-2+5-8; Johannes 4,5-26)

Exodus (2. Mose) 17
3 Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?
4 Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
5 Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh!
6 Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
7 Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Psalm 95
1 Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn / und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!
2 Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, / vor ihm jauchzen mit Liedern!
6 Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, / lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, / wir sind das Volk seiner Weide, / die Herde, von seiner Hand geführt. Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /
8 «Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, / wie in der Wüste am Tag von Massa!
9 Dort haben eure Väter mich versucht, / sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein Tun gesehen.

Römer 5
1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
6 Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben.
7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
8 Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Johannes 4
5 So kam er zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.
7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.
9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.....
13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.
15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. ....
23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

Kommentar von Augustinus zu Johannes 4,6:
Hier beginnen die Geheimnisse. Denn es ist nicht umsonst, dass die Kraft Gottes müde ist. Es ist nicht umsonst, dass er müde ist, derjenige, der den müden Menschen wieder Kraft schenkt. Es ist nicht umsonst, dass er müde ist, derjenige, dessen Abwesenheit uns schwach macht, und dessen Anwesenheit uns stark macht.
Es ist für euch, dass Jesus müde ist von seinem Weg. Wir wissen, dass Jesus die Stärke ist, und wir sehen, dass er schwach ist. Jesus ist stark und schwach. Wollt ihr erkennen, welches die Stärke von Gottes Sohn ist? «Durch ihn wurde alles geschaffen. Nichts ist ohne ihn geworden.»
(Johannes 1,3). Und all das ohne Mühe. Was gibt es Stärkeres als er, der alles ohne Mühe erschaffen hat? Wollt ihr erkennen, wie schwach er ist? »Gottes Sohn wurde Mensch und lebte unter uns Menschen.» (Johannes 1,14). Die Stärke von Christus hat uns erschaffen, die Schwachheit von Christus hat uns ein zweites Mal erschaffen, (uns wiedergeboren). Die Stärke von Christus hat dem zum Sein verholfen, was nicht war, die Schwachheit von Christus hat verhindert, dass das, was war, verloren ging. Er hat uns gemacht durch seine Stärke, er hat uns erkauft durch seine Schwäche.


Einleitung

Wir sind in der Passionszeit: sie soll eine intensive Vorbereitungszeit auf Ostern sein, auf das Leiden, Sterben und die Auferstehung von Jesus. Den Weg, den wir in diesen Wochen gehen, soll uns zur Mitte unseres Glaubens zurückführen, zu einer Begegnung mit unserem Herrn: Christus, gestorben und auferstanden, der uns das Leben gibt.

Die heutigen Bibeltexte wollen uns dabei helfen und uns die Augen öffnen, damit wir das Heil erkennen, dass Gott uns und allen Völkern gibt, wenn wir unser Herz ihm zuwenden und ihn suchen. Wir sind eingeladen, zu der Quelle des lebendigen Wassers zu kommen und zu trinken. Im Text aus dem 2. Buch Mose und im Text aus dem Johannesevangelium sehen wir, dass die Themen des lebendigen Wassers und des Glaubens miteinander verbunden werden.

Mose und die Frau aus Samarien

Die beiden Texte stellen zwei grosse Figuren in den Vordergrund, die uns die universelle Spannweite des Heils aufzeigen: Mose, zu dessen Familie die Juden gehören, steht für das Volk Israel, und die Frau aus Samarien, wo Menschen lebten, mit denen die Juden nichts zu tun haben wollten, öffnet für die Heiden den Weg zu den Strömen des lebendigen Wassers.

Die beiden Texte sind verschieden. Im ersten hat das Volk Durst und befürchtet, in der Wüste zu sterben. Der Herr stärkt den Arm von Mose: Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken. (Ex 17,6) Doch das Volk zweifelt: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht? (Vers 7).

Im Johannesevangelium ist es Jesus, der Durst hat und die Frau von Samarien um Hilfe bittet: Gib mir zu trinken! (Johannes 4,7) Sehr schnell dreht er den Spiess um und sagt: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. (Vers 10) Heute sagt uns der Herr: Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. (Vers 23)

Der Psalm 95 lädt uns ein, in diese wahre Anbetung hineinzukommen und warnt uns davor, uns so zu verhalten, wie das Volk Israel in der Wüste: Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unsres Heiles! ... lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer! ... Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. ... Verhärtet euer Herz nicht wie in der Wüste. ... Dort haben eure Väter mich versucht, sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein Tun gesehen.

Es ist eine Anbetung, die aus dieser Quelle des lebendigen Wasser herausfliesst, aus Gottes Geist in uns. Ort und Form sind unwichtig, was zählt ist alleine: Sie kommt aus einem hörenden Herzen, einem weiten, weichen Herz, aus Gottes Geist, und darum ist sie wahr und echt.

Der starke und schwache Gott (Exodus 17)

Wir haben letzten Sonntag von Stärke und Schwäche gesprochen, vom starken Gott und vom schwachen Gott: ein sehr passendes, zentrales Thema für die Passionszeit. Unsere heutigen Texte führen uns zu diesem Thema zurück.

Das Volk Israel erlebt in der Wüste einen starken Gott, der zu seinem Volk steht, eingreift und es am Leben erhält. Es ist der Gott, der zu seinen Verheissungen steht und Wunder tut. Es ist aber auch der Gott, der sein Volk zurückruft, ermahnt und erzieht. Das Volk sah in der unmittelbaren Gegenwart keine Lebensmöglichkeit mehr. Das Wenige, das sie in ihrer Vergangenheit zurückgelassen hatten, erschien ihnen als Verlust angesichts der ungewissen Zukunft. Sie waren nicht bereit, Verantwortung für neue Schritte zu übernehmen.

Wir kennen sie auch, Situationen, die uns ausweglos erscheinen, wie eine Sackgasse. Wir kennen sie auch, unsere 'Massa's und Meriba's', Orte, wo wir sagen: Ist Gott denn wirklich noch in unserer Mitte? Wir zweifeln plötzlich und wollen an der Vergangenheit festhalten, weil die Zukunft uns Angst macht. Und der starke Gott gibt uns ein Lebenszeichen, das uns Mut macht, wieder vorwärts zu gehen. Dank sei Gott – es gibt Zeiten, in denen wir einen starken Gott erleben. Einen Gott, der eingreift in unseren Nöten, die das Leben bedrohen. Einen Gott, der uns zurechtweist, wenn wir in die falsche Richtung laufen wollen.

Der schwache und starke Jesus (Johannes 4)

Der Frau am Jakobsbrunnen begegnet Gott ganz anders. Wir sehen einen schwachen Jesus: Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. (Vers 6). Wir sehen den menschlichen Gott, der sich auf ihre Ebene stellt. Sie war wahrscheinlich vom Leben und ihren kaputten Beziehungen enttäuscht. Sie hatte nur Misserfolge erlebt und hatte nichts mehr zu verlieren. Tief in ihrem Herzen trägt sie die Sehnsucht nach echtem, wahrem Leben. Und da ist plötzlich einer, der sie ernst nimmt, ihr zuhört, etwas von ihr erwartet, einer, der sie nicht verurteilt, aber einen neuen Lebensfunken in ihr anzünden will (Verse 13-15). Sie spürt, dass dies etwas mit Gott zu tun hat und dass derjenige, der sich ihr als Messias zu erkennen gibt, ihr das schenken kann, was sie braucht, um ihre Sehnsucht zu stillen (Verse 24-26).

Hören wir, was Augustinus zu diesem schwachen Jesus sagt in einem treffenden Kommentar: Hier beginnen die Geheimnisse. Denn es ist nicht umsonst, dass die Kraft Gottes müde ist. Es ist nicht umsonst, dass er müde ist, derjenige, der den müden Menschen wieder Kraft schenkt. Es ist nicht umsonst, dass er müde ist, derjenige, dessen Abwesenheit uns schwach macht, und dessen Anwesenheit uns stark macht. Es ist für euch, dass Jesus müde ist von seinem Weg. Wir wissen, dass Jesus die Stärke ist, und wir sehen, dass er schwach ist. Jesus ist stark und schwach. Wollt ihr erkennen, welches die Stärke von Gottes Sohn ist? «Durch ihn wurde alles geschaffen. Nichts ist ohne ihn geworden.» (Johannes 1,3). Und all das ohne Mühe. Was gibt es Stärkeres als er, der alles ohne Mühe erschaffen hat? Wollt ihr erkennen, wie schwach er ist? »Gottes Sohn wurde Mensch und lebte unter uns Menschen.» (Johannes 1,14). Die Stärke von Christus hat uns erschaffen, die Schwachheit von Christus hat uns ein zweites Mal erschaffen, (uns wiedergeboren). Die Stärke von Christus hat dem zum Sein verholfen, was nicht war, die Schwachheit von Christus hat verhindert, dass das, was war, verloren ging. Er hat uns gemacht durch seine Stärke, er hat uns erkauft durch seine Schwäche.

Lebendiges Wasser

Indem Jesus die Frau von Samarien bittet, ihm zu trinken zu geben, schenkte er ihr die Gabe des Glaubens. Er hatte ein solch starkes Verlangen in sich, den Glauben in ihrem Herzen zu erwecken, dass er der Liebe Gottes in ihr selber zur Geburt verhalf. Christus hat auch heute dasselbe Verlangen, in uns sein Leben zu erwecken: Wasser, das aus einer Quelle hervorbricht und ewiges Leben schenkt. In der Passionszeit wollen wir uns ganz besonders danach ausstrecken und auf dieses Verlangen hören. Im Römerbrief 5.1-2,5-8 lesen wir: 1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.

5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. 6 Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. 7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. 8 Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Christus will in unseren Herzen das hervorbringen, was schwach, krank und böse ist, um es zu heilen. Er will in unseren Herzen das hervorbringen, was gut, fest und gesund ist, um es zu stärken.

Wie sieht unser Herz aus? Ist es gut bewässert, durchtränkt wie ein nasser Schwamm oder ist es trocken gelegt, spröde und rissig? Ja, dann hat es die beste Voraussetzung, damit das lebendige Wasser eindringen und versickern kann, um daraus ein weiches Herz zu machen. In dieser Passionszeit wollen wir auf unser Herz achten. Fliesst darin die Quelle des lebendigen Wassers? Es ist das Geschenk von Gottes Liebe, ausgegossen in unsere Herzen durch seinen Geist (Römer 5,5 und Johannes 7,38-39). Sie will das Leben in uns zum Fliessen bringen, es entfalten.

An welcher Quelle trinken wir? Hören wir auch auf die Ermahnung in Jeremia 2,13: Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben mit Rissen, die das Wasser nicht halten.

Ein Missionar im Norden Afrikas war überrascht von dem seltsamen Benehmen eines Beduinen. Von Zeit zu Zeit legte sich dieser der ganzen Länge nach auf den Sand der Wüste und presste sein Ohr gegen den Boden. Erstaunt fragte ihn der Missionar: Was tust du da? Der Beduine stand auf und antwortete: Lieber Freund, ich höre, wie die Wüste weint. Sie weint, weil sie ein Garten sein möchte.

Wie gross ist mein Durst? Welches ist mein Durst? Die Quelle des Heiligen Geistes in uns will aus unserem Herzen einen blühenden Garten machen. Jesus lädt uns ein: Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens (Offenbarung 22,17b).

Quelle: Magnificat, février 2008; Quand pleurt le désert (graines de sagesse, S.8)

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
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Tel. 044 242 53 89

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