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Predigt zum 3.2.2008 (Corinne Gossauer-Peroz)
Ein Herz, das hört
(1. Könige 3, 1-15)
Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie sich vorstellten, Gott sage zu Ihnen: «Bitte um das, was du möchtest, ich gebe es dir»? ... Ich weiss, dass das eher in den Märchen vorkommt, aber nicht bei Gott! Dennoch erlebte das ein Mann aus dem Alten Testament. Dieser Mann heisst Salomo und er war vielleicht zwanzig 20 Jahre alt, als ihm das widerfuhr. Er hatte soeben die Nachfolge seines Vaters, König David, angetreten. Das war ungefähr 970 vor Christus. Der Tempel von Jerusalem war noch nicht gebaut. Das Volk hatte auf den Hügeln Altäre errichtet. An einem dieser Orte hatte Salomo eben 1000 Ochsen Gott zum Opfer gebracht. Nach diesem Opfer sprach Gott mit ihm im Schlaf oder im Traum. Er sagte zu ihm diesen überraschenden Satz, Vers 5: «Erbitte, was ich dir geben soll.»
Stellen Sie sich einen Gott vor, der zu Ihnen sagt: «Erbitte, was ich dir geben soll ...» Vielleicht brauchen Sie auch nicht lange, so wie ich, um eine Antwort zu geben. Oder noch besser: Ihre Antworten. Vielleicht hätten Sie eine ganze Liste mit Dingen, die Sie erbitten möchten ... Das wäre bei mir der Fall! Eine ganze Liste von materiellen Dingen und Werten, die sich nicht kaufen lassen ...
Salomo antwortet auf eine erstaunliche Art. Sie werden mir zwar sagen: «Völlig normal, denn er ist König, er hatte bereits jeden möglichen Komfort.» Er erbittet schlicht und einfach «ein Herz, das hört», so wie es in 1. Könige 3 ,9 heisst: «So gib deinem Diener ein Herz, das hört, damit er deinem Volk Recht verschaffen und unterscheiden kann zwischen Gut und Böse» (Zürcher Bibel).
«So gib deinem Diener ein Herz, das hört ...» Auf Französisch heisst es «un cœur qui écoute». Dieser Ausdruck ist in den verschiedenen deutschen Übersetzungen mit einigen Nuancen wiedergegeben: Sie finden einige Beispiele auf dem Blatt, das Sie im Anhang dieser Predigt finden:
«So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist» (Luther-Bibel).
«Schenke mir ein Herz, das auf deine Weisung hört, damit ich dein Volk leiten und ein gerechtes Urteil sprechen kann» (Gute Nachricht).
«Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht» (Einheitsübersetzung).
Auf Hebräisch, heisst es : Léb shoméa. Lébh bedeutet Herz. Shoméa ist das Partizip passiv von shama und heisst hören. Ein Herz, das hört. Ich habe diesen Ausdruck sehr gern. Ich habe auch diese Bitte von Salomo sehr gern.
Das Gebet ist dieser Ort des Hörens: Wir werden heute Abend in eine Woche des Gebets und des Hörens eintreten ... Das Gebet ist ganz sicher ein Dialog mit Gott: Es ist der Ort, an welchem Gott unsere Bitte, unsere Entschuldigung und unseren Dank hört.
Aber das Gebet ist nicht nur das, es ist auch ein Hören, das wir auszuleben, zu entwickeln und auszuüben lernen müssen. In jedem Gebetsleben gibt es einen wahrhaftigen und tiefen Aufruf zum Hören ... Letzthin hat mich jemand gefragt: «Wie kann man lernen auf Gott zu hören?» Meine spontane Antwort war: «Hören, das bedeutet ganz einfach, 'da sein', in der Anbetung vor dem, was Gott ist. Im Reichtum seiner Gegenwart.»
Eine grosse Schwierigkeit für uns besteht darin, dass wir ruhelose Menschen sind, die ständig gefordert werden. Nichts um uns herum lädt uns zur Ruhe und zur Stille ein. Eine andere Schwierigkeit bereiten uns unsere eigenen Ängste. Wir haben Angst, uns vor Gott hinzustellen, weil es oft viel einfacher ist, in Aktion zu verbleiben und die Dinge unter unserer Kontrolle zu behalten ... Wir haben auch Angst, dass wir nicht wissen, was wir ihm sagen sollen ... oder ihm zu sagen, was uns bewegt ... Wir haben auch Angst, dass er zu uns spricht und unsere Gedanken oder unsere innere Bequemlichkeit über den Haufen wirft. Für unsere Angst, in der wir nicht wissen, was wir sagen sollen und wenn wir nicht hören können, sind die Verse 26 und 27 von Römer 8 das schönste Geschenk. «In gleicher Weise aber nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir eigentlich beten sollen; der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit wortlosen Seufzern. Er aber, der die Herzen erforscht, er weiss, was das Sinnen des Geistes ist, weil er dem Willen Gottes gemäss für die Heiligen eintritt» (Zürcher Bibel).
Die gute Nachricht ist die Tatsache, dass wir durch Gnade gerettet sind. Wir leben von der Gnade und wir beten durch die Gnade. Ja, die gute Nachricht besteht darin, dass wir die Herausforderung des Gebets nicht mit unseren eigenen Kräften annehmen müssen, dieser Herausforderung stellt sich der Heilige Geist ... Im geistlichen Leben gehört nichts uns, alles ist Gnade, alles wird gegeben, alles ist Geschenk. Wir müssen nur unsere Herzen und Hände öffnen. Das Gebet macht da keine Ausnahme: Es darf nicht zu einem Zwang, einer Verpflichtung, einem Unbehagen führen, sondern es soll zu einer Gnade werden, weil das Gebet der Atem des Heiligen Geistes in uns ist: dieser Atem des Lebens, den Gott in uns gelegt hat. Ein Herz, das hört, das ist ein Herz, das sich mit dem Heiligen Geist zusammenschliesst, welcher der Atem Gottes ist. Henri Nouwen drückt das so aus: «Sprechen wir vom Heiligen Geist, so sprechen wir vom Atem. Mit dem Geist Gottes verhält es sich wie mit unserem Atem. Er ist das belebende Prinzip. Gottes Geist ist uns näher als wir selbst» (Henri Nouwen).
Wenn wir lernen wollen, einfach da zu sein, bedeutet das, dass wir unseren eigenen Rhythmus verlangsamen müssen, um einige Momente innezuhalten und diese dreifache Herausforderung anzunehmen: Gott durch sein Wort zu hören, auf das Leben in mir zu hören, auf das Leben um mich herum zu hören.
Sie finden auf dem Blatt einige Punkte, die Ihnen vielleicht helfen können, während der nächsten Tagen zu hören ...
Hören auf Gott durch sein Wort: Den Text langsam lesen, versuchen, ihn zu verstehen. In mir die Fragen aufsteigen lassen, die er mir stellt. Einen Vers auswählen, der ganz besonders zu mir spricht und mit diesem Vers beten. Das Gebet kann im Sinn einer Bitte, einer Entschuldigung oder geprägt von Dankbarkeit gestaltet werden.
Hören auf das Leben in mir: Meine Gefühle, meine Fragen, meine Zweifel, mein Hier und Jetzt. Auf meine Schwierigkeiten hören, die Stille bewahren oder konzentriert bleiben: diese Realitäten akzeptieren ... Beten, indem der Vers eines Psalms wiederholt wird, wenn mein Geist nicht ruhig bleiben kann.
Hören auf das Leben um mich herum: Die Freuden und die Leiden, die mich umgeben und in meinem Herzen sind.
Wenn ich im Gebet vor Gott trete, sind es all diese Realitäten und Gefühle, die ich mitbringe, die ich in seine Hände der Liebe legen darf.
Hören heisst lernen, auf mein eigenes Herz hören, wie es schlägt. Das bedeutet, dass ich entdecke oder erneut entdecke, wer ich bin ...
Hören heisst lernen, auf das Herz Gottes hören, wie es schlägt. Hören heisst, den Atem des Heiligen Geistes in mir und durch sein Wort spüren zu lernen. Entdecken, wer Gott ist.
Hören heisst, sich Zeit mit Gott zu nehmen, damit sein Licht mein ganzes Wesen erhellen kann.
Hören heisst, in ihm zu wachsen, um verstehen zu lernen, wie ich handeln, wie ich reagieren soll und wie ich ihn in mir wirken lassen kann durch seine Vergebung, seine Freiheit und seinen Frieden.
Meine Eltern waren Offiziere der Heilsarmee in Frankreich. Das Leben des Glaubens, so wie es in der Heilsarmee ausgelebt wird, ist eher aktiv als kontemplativ, das wissen Sie sicher. Im Alter von 19 Jahren habe ich einen tiefen Wunsch in mir gehört und ihn in die Tat umgesetzt. Ich hatte meine Matur gemacht und wartete auf die Resultate. Ich hatte einen Wunsch in mir gehört und ich gehorchte. So habe ich einige Tage in der Stille eines Klosters verbracht. Dort habe ich mir auf eine ganz neue Art und Weise Zeit vor Gott genommen ... Ich hatte damals noch keine Bücher gelesen im Stil von «Wie höre ich auf Gott – in zehn Lektionen!» ... Ich nahm meine Bibel und ein oder zwei gute Bücher mit und habe mich in eine kleine Kapelle gesetzt, um zu hören ... Ich wusste nicht, dass Gott mir ein unermessliches Geschenk machen würde! Zu meinem grossen Erstaunen erschien mir die Zeit, die ich in seiner Gegenwart verbrachte, nicht lang. Im Gegenteil, mein ganzes Wesen schien etwas Unbekanntes zu entdecken. In der Stille begegneten mir sein Wort und sein Heiliger Geist in den tiefsten Tiefen meines Wesens. Vor Gott stille zu sein bedeutete, nicht diese Zeit mit Worten zu füllen, mit Sätzen, mit Bitten, sondern da zu sein, ganz einfach in der Anbetung zu verharren.
Dort, in diesem Umfeld des Glaubens, an das ich nicht gewöhnt war, hat der Herr meinem geistlichen Leben und später meiner Berufung dieses Geschenk angeboten: das Gebet als ein Atmen, als einen Atem der Freiheit und der Liebe. Ich verstand plötzlich, dass nicht ich es war, die beten wollte, es war hauptsächlich der Herr, der Zeit mit mir verbringen wollte, um zu meinem Herzen zu sprechen. Dazu sagt Jean Lafrance: «Nicht du bist es, der sich nach ihm auf die Suche macht, sondern es ist Gott, der nicht aufhört, an die Türe deines Herzens zu klopfen (Offenbarung 3, 20), damit du ihm öffnest und mit ihm das Fest der Freundschaft feierst.»
Dort, in einem Kloster – Gott hat wirklich Humor – hat der Herr mich, die Salutistin gelehrt, dass das Gebet nicht ein Machen sondern ein «Geschehen-Lassen» bedeutet ... Das lebendige Wort Gottes in mir zum Leben zu erwecken und ein neues Werk des Lebens in mir zu bewirken. Das Gebet ist ein Herz, das hört, aber es bedeutet auch, den Heiligen Geist dieses Herz berühren zu lassen. ...
«Ein Herz, das hört». Das ist es, worum Salomo gebeten hat. Der Text sagt uns: «Und dass Salomo eben darum gebeten hatte, war gut in den Augen des Herrn», (1. Könige 3,10).
Hören: Dieses Wort finden wir im ganzen Alten Testament. Gott sucht immer wieder jemanden, einen Mann, eine Frau, ein Kind, das ihn hört ... Heute noch beginnen die Juden jeden Tag ihr Gebet mit dem berühmten «Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr» (5. Mose 6, 4).
Der alte Eli hat dieses Geheimnis dem jungen Samuel weitergegeben: «Geh, leg dich schlafen, und wenn er dich ruft, so sprich: Rede, Herr, dein Diener hört» (1. Samuel 3, 9).
Ein Mönch, Père Jacques, schreibt das Folgende über das Gebet: «Man muss erkennen, dass es in unserem Inneren einen Ort gibt, wo Gott uns erwartet. Ich gehe von der Tatsache aus, dass zu beten bedeutet: zu lieben.»
Wenn man ihn weiter fragt, wie man in sein eigenes Herz hinabsteigen solle, antwortet er: «Das geschieht von selbst, denn es gibt keine Technik, um zu lieben. Wir sind alle auf natürliche Weise dazu gemacht, um zu lieben. Ich ziehe eine Parallele in dem Buch, das ich geschrieben habe, zwischen der Erfahrung der Liebe und der Erfahrung des Gebets. Es hat da kein Wunder darin. Es geht nur darum, sich im Gebet vor dem Herrn hinzusetzen und mit ihm da zu sein.»
Möge der Herr uns lehren, ihn immer besser zu lieben: zu beten. Möge er uns lehren, auf ihn zu hören. Damit wir wie der Prophet Jesaja sagen können: «Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger» (Jesaja 50, 4b/Einheitsübersetzung).
Lébh shoméa: Ein Herz, das hört
1. Könige 3, 9: «So gib deinem Diener ein Herz, das hört, damit er deinem Volk Recht verschaffen und unterscheiden kann zwischen Gut und Böse.» (Zürcher Bibel)
«So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.» (Luther-Bibel)
«Schenke mir ein Herz, das auf deine Weisung hört, damit ich dein Volk leiten und ein gerechtes Urteil sprechen kann.» (Gute Nachricht)
«Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.» (Einheitsübersetzung)
Römer 8, 26, 27: «In gleicher Weise aber nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir eigentlich beten sollen; der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit wortlosen Seufzern. Er aber, der die Herzen erforscht, er weiss, was das Sinnen des Geistes ist, weil er dem Willen Gottes gemäss für die Heiligen eintritt.» (ZB)
Hören auf Gott durch sein Wort: Den Text langsam lesen, versuchen, ihn zu verstehen. In mir die Fragen aufsteigen lassen, die er mir stellt. Einen Vers auswählen, der ganz besonders zu mir spricht und mit diesem Vers beten. Das Gebet kann im Sinn einer Bitte, einer Entschuldigung oder geprägt von Dankbarkeit gestaltet werden.
Hören auf das Leben in mir: Meine Gefühle, meine Fragen, meine Zweifel, mein Hier und Jetzt. Auf meine Schwierigkeit hören, die Stille zu bewahren oder konzentriert zu bleiben: diese Realitäten akzeptieren ... Beten, indem der Vers eines Psalms wiederholt wird, wenn mein Geist nicht ruhig bleiben kann.
Hören auf das Leben um ich herum: Die Freuden und die Leiden, die mich umgeben und in meinem Herzen sind.
Wenn ich im Gebet vor Gott trete, sind es all diese Realitäten und Gefühle, die ich mitbringe, die ich in seine Hände der Liebe legen darf.
Für mein persönliches Nachdenken: Hören, ist das etwas, das mir leicht fällt? Oder schwer fällt? Warum?
Gibt es Situationen, in denen jemand, der mir nahe steht, zu mir sagt: «Du hörst mir ja gar nicht zu!»?
Gibt es in meinem Leben jeden Tag eine Zeit, die ich Gott schenke, einfach aus Liebe, in der ich einfach da bin, einfach in seiner Gegenwart bin?
«Beten bedeutet lieben» ... Was bedeuten diese beiden Ausdrücke für mich?
Was kann ich besser machen, um besser auf Gott durch sein Wort zu hören? Um besser auf das Leben in mir zu hören? Um besser auf das Leben um mich herum zu hören?
«Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr» (5. Mose 6, 4).
«Geh, leg dich schlafen, und wenn er dich ruft, so sprich: Rede, Herr, dein Diener hört» (1. Samuel 3, 9).
«Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger» (Jesaja 50, 4b/Einheitsübersetzung).
«Maria setzte sich dem Herrn zu Füssen und hörte seinen Worten zu» (Lukas 10,39).
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