Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zu Weihnachten 23.12.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)

Weihnachten bedeutet sehen

Die vier Wochen vom Advent und die Weihnachtstage sind eine Einladung, um zu

  • kaufen! Um zu konsumieren ... Das ist leider die einzige Sicht, die uns die Gesellschaft vorschlagen kann ...

Der Advent und die Weihnachtstage sind eine Einladung, um zu

  • essen! Achtung auf die zusätzlichen Kilos! ... An Weihnachten werden wir Dinge essen, die über das Gewöhnliche hinausgehen. In Frankreich isst man Gänseleber, Austern oder Schnecken. (Ich weiss, dass nicht alle das gern haben ...)

Aber die vier Wochen vom Advent und die Weihnachtstage sind auch eine gute Gelegenheit, um sich zu

  • stressen ... Lassen wir für einmal den Stress der Weihnachtseinkäufe auf der Seite, denn es gibt noch einen anderen Stress, den man in allen Familien – selbst in den besten – finden kann. Es ist der Stress der Beziehungen ... Nicht immer ist es einfach, mit der Familie zusammen zu sein. Es gibt immer jemanden, der uns enerviert oder ermüdet! Es gibt immer jemanden, der eine ungeschickte Bemerkung macht oder die wir nachher falsch interpretieren ... Und dann läuft es immer gleich: Es sind immer die gleichen Personen, die organisieren oder aufräumen helfen. Weiter gibt es auch den Stress der Gedanken, die sich in unserem Kopf drehen! Kennen Sie das nicht auch?

Die Tage vor Weihnachten sind auch ein Moment des

  • Stresses, weil uns eine Form von Melancholie umgibt ... Ein Jahr geht zu Ende und bringt uns ein Gefühl der Unsicherheit. Unser Herz fühlt auch eine Form von Traurigkeit, weil an Weihnachten die Abwesenheit jener, die wir lieben und die schon verstorben sind, spürbar wird.

Advent und Weihnacht: dazu gehört alles das ... Diese Vielfalt der Gefühle in uns ... Eine Vielfalt der Gefühle, die wir alle in uns tragen und vor denen wir keine Angst haben müssen! Aber nach dieser etwas düsteren Aufzählung schlage ich Ihnen eine sehr lichtvolle Alternative vor: Sie besteht aus drei Wörtern: WEIHNACHT BEDEUTET SEHEN!

Das bedeutet, Jesus zu sehen, der uns geschenkt worden ist.

Das bedeutet, unser Umfeld zu sehen ...


1.Weihnacht bedeutet, Jesus zu sehen, der uns geschenkt worden ist. Zu den Hirten spricht der Engel von einem Zeichen ... Ein Zeichen, sieht man, man kann es anschauen. In Lukas 2, Vers 12 heisst es: «Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das in Windeln gewickelt ist und in einer Futterkrippe liegt» (Zürcher Bibel). Die Hirten sagen daraufhin zu einander in Vers 15: «Lasst uns nach Bethlehem gehen und die Geschichte SEHEN, die der Herr uns kundgetan hat!» Die Hirten und die Weisen sind gekommen, um ihn zu sehen. Und als sie ihn sahen, haben sie ihn angebetet. Weil sie in diesem kleinen Wesen die Liebe, die Grösse und die Heiligkeit Gottes gesehen haben!

Weihnacht bedeutet, Jesus zu sehen, der uns geschenkt worden ist! Heute bereiten wir natürlich die Weihnacht mit Lichtern, mit Dekorationen und Kerzen vor ... Aber der Hauptakteur ist immer noch ein Kind im Stroh! Dieses Kind anzubeten, das bedeutet immer wieder das zu entdecken, was das Menschliche ausmacht! Dieses Kind anzusehen, bedeutet, besser zu verstehen, wer wir sind!

Sehen Sie genau hin:

  • Dieses Kind wird geboren wie wir alle! Und jede Geburt ist ein Meisterwerk, ein Wunder!
  • Dieses Kind, gebildet wie jedes von uns nach dem Ebenbild Gottes, ist unser Bruder in seiner Menschlichkeit.
  • Dieses Kind ist, wie wir, der Ort, wo der Heilige Geist lebt und atmet.
  • Dieses Kind sagt uns, dass jeder Mensch des Respekts und der Liebe würdig ist. Ganz einfach, weil er unendlich von Gott geliebt wird.
  • Dieses Kind sagt uns, wer wir sind!

Jesus zu sehen bedeutet auch, besser zu verstehen, wer Gott ist!

  • Jesus ist die Wohnstätte Gottes unter den Menschen.
  • Er sagt uns, mit welcher Liebe Gott uns liebt! Einer Liebe, die kommt, um uns zu retten!
  • Dieses Kind sagt uns, dass Gott sich für diese Welt einsetzt, für die Einzelnen, mit uns!
  • Jesus sagt uns, dass durch ihn Gott kommt, um aus uns seine Kinder zu machen. Im ersten Kapitel seines Evangeliums sagt es Johannes vollkommen richtig. Er sagt uns aber auch, dass wir möglicherweise nicht fähig sind zu sehen: «Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der zur Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden ...» (Johannes-Evangelium 1, 9-11; ZB).

Sehen Sie Jesus an, und Sie werden erkennen, wer Gott ist. Sehen Sie Jesus an, und Sie werden erkennen, wer das menschliche Wesen ist. Sehen Sie Jesus an, und Sie werden zu jenen Menschen, die Sie sein sollen. Sie werden Kinder Gottes werden.


2. Weihnachten bedeutet, unser Umfeld zu sehen, die Menschen in unserem Umfeld zu sehen! Ich stehe gerne beim Topf an der Topfkollekte, weil ich gerne die Menschen beobachte! Das wurde auch in der «Schweizer Familie» geschrieben! Das ist nicht meine einzige Motivation. Das kann ich Ihnen versichern! Aber ich sehe gerne die Menschen an und ihre Plastik- oder Papiertaschen, die von der Art der Geschenke erzählen, die gekauft wurden ... Migros, Manor, Navyboot, Massimo Dutti, Vuiton, man sieht alles auf der Bahnhofstrasse vorbeigehen! Jedes Jahr bei diesem Defilé vor Weihnachten denke ich wieder an das wunderbare Zitat von Pfarrer Philippe Zeissig, der sagt:

«Man ist nicht dann reich, wenn man viele Dinge besitzt, sondern wenn man gut mit jenen Dingen verbunden ist, die man hat. Gut verbunden sein bedeutet, den Unterschied zu spüren, der zwischen dem Preis und dem Wert der Dinge besteht. Um den Preis der Dinge zu begleichen, nimmt man das Portemonnaie hervor. Um den Wert der Dinge zu begleichen, umarmt man sie. Man umarmt seine Tochter, seinen Sohn, die Frau oder den Mann.»

Und mit seinem pragmatischen Humor fügt er bei: «Das Brot ist nur dann gut, wenn man seine Frau liebt. Wenn ich niemanden liebe, wird kein Bäcker mir gutes Brot machen können» (zitiert aus: L’avenir est à l’amour; Die Zukunft gehört der Liebe S. 122).

An Weihnachten finden unsere Geschenke ihren wahren Wert nur, wenn wir einander lieben! Unsere Geschenke sind nur dann wirklich schön, wenn wir einander Zuneigung und Anerkennung zeigen ... In unserer Familie, mit unseren Freunden, hier im Korps. Der Zopf der Christmette wird nur gut schmecken, wenn wir einander lieben!

Weihnacht bedeutet: uns umzusehen, um den wahren Wert der Dinge und der Beziehungen zu verstehen. Den Wert, den man nicht kaufen kann: die Liebe.

Weihnacht bedeutet: unser Umfeld zu sehen und dafür Danke zu sagen. Letzte Woche hat Doris Fuhrer in ihrer Andacht im Frauchenchor über ihr Umfeld gesprochen und ganz besonders über einige Begegnungen, die dieses Jahr geprägt haben ... Personen, Gesichter, Leben, Freude und traurige Ereignisse ... Das ist alles ganz nahe bei uns, in unserem Umfeld. Das sind einzigartige Begegnungen und spezielle Möglichkeiten, um miteinander auszutauschen ...

Unser Umfeld anzusehen und uns zu freuen... Unser Umfeld anzusehen und uns zu freuen, dass wir füreinander ein Geschenk sind. Weihnachten bedeutet: unser Umfeld anzusehen und denen, die wir lieben, auch zu sagen, dass wir sie lieben ... Das ist nicht so einfach, wie es scheint – selbst in den besten Familien nicht!

Weihnacht bedeutet: Jene Menschen in unserem Umfeld anzusehen, die wir «weniger» lieben, damit wir versuchen können, sie so zu sehen, wie Gott sie sieht ... Das kann nur geschehen, wenn wir verstehen, mit welcher Liebe Gott uns liebt. Dann können wir die Menschen um uns lieben.


Schluss: Weihnacht bedeutet sehen! Christus und die Menschen sehen! Nahe bei Gott, nahe bei den Menschen! Und immer besser verstehen, dass das, was wir feiern, nicht eine Erinnerung sondern eine Realität ist: Ja, Jesus ist gekommen, aber er kommt jeden Tag in unseren Alltag und er wird kommen, um diese Welt zu richten. Deshalb wird der Ausdruck «wachsam sein» sehr oft in der Adventszeit verwendet. Die Bibel lädt uns ein, «wachsam zu sein». «Seid also wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt», sagt Jesus in Matthäus 24, 42. «Wachsam sein» heisst: die Augen offen halten, aufmerksam bleiben ... Wachsam sein ist eine andere Art, die bescheidenen, die einfachen Zeichen zu sehen und zu hören, mit denen Gott spricht, zu uns spricht: «Mensch, wach auf: für dich ist Gott Mensch geworden», sagte Augustinus.

Ich höre den ersten Satz von Jesus im Johannes-Evangelium sehr gern. Er ist eine Einladung, hinzusehen ... Nachdem Johannes Jesus getauft hatte, machten sich zwei Männer hinter Jesus auf den Weg und fragten ihn dann: «Rabbi – das heisst Meister’ –, wo ist deine Bleibe? Er sagte zu ihnen: Kommt, und ihr werdet es sehen!» (Johannes 1, 39 ZB). «Kommt und ihr werdet es sehen!» Das ist der erste Satz von Jesus. Später wird im gleichen Kapitel Philippus zu Nathanael sagen: «Komm und sieh!» (Johannes-Evangelium 1, 46 ZB).

Alles beginnt mit und durch das Sehen! Weihnacht bedeutet: sehen. Jesus ansehen, um zu erkennen, wer Gott ist. Jesus sehen, um zu erkennen, dass wir die geliebten Söhne und Töchter Gottes sind. Weihnacht bedeutet sehen im Wissen, dass der Weg von der Krippe zum Kreuz führen wird. Gott setzt sich für uns ein, und seine Liebe offenbart sich durch das Kreuz. Vor dem Kreuz hat ein Mann zu Jesus hingesehen und etwas begriffen: Das war der Hauptmann und er machte diese umwerfende Feststellung: «Ja, der war wirklich Gottes Sohn!» (Matthäus 27,54). Sehen bedeutet nicht, von den Ereignissen und ihrer dramatischen Seite übermannt zu werden. Sehen heisst vielmehr, den Sinn der Dinge in der Perspektive von Gott zu verstehen.

Möchten wir doch in diesen Tagen vor Weihnachten innehalten, um von Neuem zu sehen und zu verstehen, welch ein grosses Zeichen der Liebe das Kommen und die Gegenwart von Jesus ist.

Möchten wir doch in diesen Tagen vor Weihnachten innehalten und uns am wahren Wert der Dinge und der Beziehungen freuen. An diesem Wert, den man nicht kaufen kann: die Liebe. «Um den Preis der Dinge zu begleichen, nimmt man das Portemonnaie hervor. Um den Wert der Dinge zu begleichen, umarmt man sie.»

Möchten wir doch in diesen Tagen vor Weihnachten sehen, unser Umfeld sehen und dafür Danke sagen.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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