Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 28.10.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)

Umwandlung

Catherine Booth schreibt an ihre Tochter Catherine, die 16 Jahre alt ist:
Wenn wir uns in allen Dingen der Leitung des Heiligen Geistes unterstellen, dann kommen der Friede und das Licht. Das erfordert, dass wir nicht zulassen, dass sich unsere eigene Natur manifestiert. Wenn die Neigungen, der Charakter, der Stolz oder die Wünsche uns auf die eine Seite ziehen möchten und das Gewissen und der Heilige Geist auf die andere, dann müssen wir dem Gewissen folgen und unsere eigene Natur mit Füssen treten. Das ist es, was man im Licht gehen nennt (1. Johannes 1, 7).
Der Heilige Geist lehrt dich das, indem er dir zeigt, dass du ruhiger sein musst. Unsere Zunge ist eine der grössten Feinde der Gnade (Jakobus 3, 5 – 13). Strenge dich an, diesen Unterweisungen Gottes zu gehorchen.
Wir lernen das göttliche ebenso wie das zeitliche Leben durch die Erfahrung kennen: mit einem einzigen Schritt aufs Mal. Sei bereit zu gehorchen, und wenn du ausgleitest, lass dich nicht entmutigen, bitte Gott mit noch grösserer Inbrunst dich zu stützen. Vor 14 Jahren hast du gehen gelernt, und es wird dir mehr als einmal passieren, dass du fällst. Aber jetzt kannst du nicht nur selber gehen, sondern du kannst den anderen dabei helfen. Genau so wird es in geistlicher Hinsicht sein, wenn du nur Gott erlaubst, dich zu führen; er wird dir das geben, was dir fehlt, und wird dich zu einer Frau in Jesus Christus machen.»

(aus: «Catherine Booth et la fondation de l'Armée du Salut» S. 92-93)

Bevor wir in die Ferien fuhren, hatte ich die grosse Freude, ein Projekt zu beenden, das vor mehr als einem Jahr angefangen hatte. Dieses Projekt – das ist ein Buch. In Frankreich gibt es eine Bücherreihe mit dem Titel: «Prier 15 jours avec ...» «15 Tage beten mit ...». Es geht darum, jeden Tag ein Kapitel in diesem Buch zu lesen und die Zitate einer Person, die ihre Zeit geprägt hat, darin zu entdecken und darüber zu meditieren.

Als Martin und ich eines dieser Bücher vor zwei Jahren gelesen hatten, da haben wir uns gesagt: «Warum nicht ein Buch schreiben mit dem Titel: '15 Tage beten mit William und Catherine Booth'? Ich habe dann Kontakt mit dem Verlag (in Paris) aufgenommen und habe ihnen mein Projekt vorgestellt, das akzeptiert wurde. Und so konnte ich diese Arbeit in Angriff nehmen, natürlich mit der Zustimmung meiner Heilsarmee-Chefs. Der katholischer Verlag hat bereits drei protestantische Persönlichkeiten in dieser Reihe mit über hundert Ausgaben herausgegeben: Es gibt ein «Prier 15 jours avec / Fünfzehn Tage beten mit Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King.

Das Buch «15 Tage beten mit William und Catherine Booth», das im Februar 2008 erscheinen sollte, hat zum Ziel, während 15 Tagen «eine geistliche Retraite zu erleben». Es geht darum, die Spiritualität der Booths zu entdecken, ihre pragmatische Art zu leben und das Evangelium zu verkündigen. Es ist also nicht ein Buch über die Geschichte der Heilsarmee. Ich weiss, dass einige von Ihnen enttäuscht sein werden, weil das Buch auf Französisch erscheint ... Deshalb werde ich versuchen, Sie auf eine andere Weise davon profitieren zu lassen, nämlich durch Predigten! Ich habe für das Buchprojekt viele Bücher über die Anfänge der Heilsarmee zum ersten Mal oder erneut gelesen. Auf die Spiritualität des Ehepaars Booth einzugehen, das bedeutet, auf den Sinn der zwei Ausdrücke einzutreten, die auf der Fahne stehen: «Blut und Feuer». Es ist unbestritten, dass die drei anderen Begriffe Heil, Heiligung und Dienst den ganzen Glauben und die Tätigkeit der Heilsarmee ausdrücken. Aber manchmal frage ich mich, ob wir noch wissen, was diese Worte bedeuten ...

Blut und Feuer, Heil und Heiligung... Alle diese Begriffe drücken aus, dass eine Umwandlung stattgefunden hat oder stattfindet und dass sie Konsequenzen haben wird. Das Heil bewirkt eine Umwandlung! Die Heiligung ist eine ständige Umwandlung unter dem Atem des Heiligen Geistes. Ich möchte heute Morgen bei einem Zitat von Catherine Booth über die Heiligung verweilen.

1) Aber bevor wir auf die wunderbaren Zeilen zurückkommen, die Catherine Booth ihrer Tochter geschrieben hat, halten wir einen Moment bei diesem Wort «Heiligung» inne. William Booth sagte, und hier zitiere ich: «Die Bekehrung ist der Ausgangspunkt der Heiligung. Die Heiligung ist dieses Werk, das die Trennung von all dem versteht, was Gott nicht gefällt. Sie ist eine Weihe zu seinem Dienst, in der Entwicklung einer wirklichen Qualität von christlichem Leben» (aus William und die Welt der Arbeiter, Seite 29).

Der Apostel Paulus bestätigt, dass Gott unsere Heiligung will. «Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung» (Luther-Bibel), oder in der Übersetzung Hoffnung für alle: «Gott will, dass ihr ganz und gar ihm gehört» (1. Thessalonicher 4, 3). «Denn das ist der Wille Gottes» oder «Gott will» ... Anders gesagt: Wenn wir an Christus glauben und wenn sein Leben in uns ist, dann ist die Heiligung uns nicht freigestellt, sie ist für uns nicht fakultativ. Aber sie bedeutet nicht, «perfekt oder vollkommen zu sein». Sie ist eine Verfügbarkeit dem Heiligen Geist gegenüber in unserem tiefsten Innern. Damit der Heilige Geist uns umwandelt und uns in der Ähnlichkeit mit Christus wachsen lässt.

Ja, Heiligung bedeutet: heilig zu werden, gereinigt zu werden,. Deshalb muss diese fortlaufende Umwandlung auch eine Trennung bedeuten ... Ich weiss, dass das Wort «Trennung» in der Bibel ein ernstes und hartes Wort ist. Aber im Grunde genommen wissen wir genau, was von der Seite von Gott kommt und was nicht. Was uns in unserer Beziehung mit ihm wachsen lässt und was uns von ihm entfernt. Wir alle wissen sehr gut,

  • dass es Gespräche gibt, an denen wir teilgenommen haben, die uns nicht näher zu Gott geführt haben ...

  • dass es in uns Gedanken gibt, die uns nicht näher zu Gott führen ...

  • dass wir Bücher oder Bilder um uns haben, sei es am Fernseher oder auf dem Internet, die uns nicht näher zu Gott führen ...

    Es gibt so viele Dinge, die uns täglich von Gott entfernen möchten oder versuchen, unsere Beziehung zu ihm einschlafen zu lassen. So viele Dinge, die uns die Zeit stehlen wollen, die wir mit Gott verbringen könnten! Wenn wir zu Christus gehören, dann ist die Heiligung nicht fakultativ. Sie muss eine fortlaufende Umwandlung zu seinem Bild hin sein. Der Chorus: «So sy wie Jesus» drückt diesen Prozess sehr gut aus. «So sy wie Jesus, die Hoffnig isch in mir, in allem, was i bi, i allem was i tue. So sy wie Jesus, die Hoffnig isch in mir, der Geischt, das glauben i, hilft mir derzue.»

    2) Ich habe diese Zeilen von Catherine Booth, die wir gelesen haben, sehr gern und zwar aus verschiedenen Gründen ...

    Der erste Grund ist sehr persönlich: Einfach, weil ich die Texte von Catherine jenen von William vorziehe! Sie sind feiner, besser ausgearbeitet, psychologischer. Aber dennoch radikal! Ihre Texte sind eher auf die Heiligung ausgerichtet. William spricht viel mehr vom Heil. Mit den beiden zusammen ergibt das «Blut und Feuer»! So wie hier, wo die Mutter ihrer Tochter einige Aspekte der Umwandlung in ihr aufzeigt.

    Der zweite Grund: Es gefällt mir besonders, das Herz der Mutter zu fühlen, die an ihre Tochter schreibt. Das Herz einer Mutter, die vor ihrer Tochter die Schwierigkeiten des geistlichen Wachstums nicht versteckt. Die Schwierigkeiten der Entmutigung. Ich schätze diese Ehrlichkeit von Catherine: Sie will vor ihrer Tochter nicht verbergen, dass das geistliche Leben Ausdauer und Disziplin verlangt. Ohne unser Mitwirken kann nichts geschehen.

    Der dritte Grund: Ich schätze die pragmatische Seite von Catherine und die Einfachheit, mit der sie sagt: «Wenn du ausgleitest, lass dich nicht entmutigen. Du wirst umfallen, das wird dir geschehen! Aber du wirst es im Gehen lernen: einen einzigen Schritt aufs Mal ...»

    Die Heiligung ist eine fortlaufende Umwandlung. Mir selber hilft und mich ermutigt der Ausdruck: «ein einziger Schritt aufs Mal». Wir sind aus den Ferien zurückgekehrt ... Wie lange sie auch dauern mögen – für mich sind sie immer zu kurz, um genug Kraft aufzutanken ... Am Ende der Ferien habe ich immer eine kleine Krise, wenn eine Stimme in mir mich entmutigen will und sagt: «Nein, du bist noch nicht genug ausgeruht, du wirst nicht genügend neue Kraft haben, um den Alltag zu bestehen.» «Du wirst es nie schaffen!» Mit den Jahren habe ich gelernt, diese Zweifel zu bekämpfen, indem ich an das Manna gedacht habe, welches das Volk Gottes in der Wüste bekommen hat. Das war übrigens eine meiner ersten Predigten im Zenti. Es wurde nur für einen einzigen Tag gegeben und es war ganz unmöglich, sich Reserven anzulegen ... Das haben die Israeliten zwar versucht, und das haben wir auch schon gemacht. Das Manna war die ausreichende Nahrung für einen Tag. Und für den nächsten Tag sorgte Gott aufs Neue für sie.

    «Ein einziger Schritt aufs Mal ...»: Das bezieht sich auch auf die Heiligung: Es bedeutet, dass ich nicht jeden Tag in einer Super-Form sein muss, sondern dass ich jeden Tag meine Hände und mein Herz öffnen soll, um sein Manna zu erhalten. Damit ich Gott durch sein Wort und durch das Gebet zu mir sprechen lassen kann. Damit ich mein Herz von ihm berühren lassen kann. Damit ich ihm sagen kann: «Hier bin ich», und ich mich von ihm leiten und in seinem Dienst brauchen lassen kann.

    3) In dieser fortlaufenden Umwandlung, die das Werk des Heiligen Geistes ist, werden die Kräfte erneuert ... Die Zeilen von Catherine zeigen mir, dass ich heute und für den heutigen Tag den Herrn in mir arbeiten lassen muss ... Nicht, um in 10 Jahren besser zu werden, nein ... Für heute hilft er mir, in seinem Licht zu gehen. Aber diese Wahl muss auch jeden Tag getroffen werden: den Heiligen Geist in mir wirken zu lassen, damit seine Gaben und seine Früchte wachsen können. Und dieses Wachstum – ein einziger Schritt aufs Mal – hat positive Auswirkungen auf meinen eigenen Charakter und auf andere, die mir begegnen.

    Wenn der Apostel Paulus in einer Liste aufzählt, was der Heilige Geist in uns schaffen soll, haben diese Früchte eine gute Wirkung auf uns selber und auf die anderen. Hören Sie: Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung (Galater 5, 16, 22, 23 / Hfa).

    Finden Sie nicht auch, dass diese Früchte des Heiligen Geistes Früchte von grosser Qualität sind? Die Heiligung ist nichts Negatives oder Trauriges! Sie ist eine Qualität des Lebens für Gott, in Gott, für uns selber und für die anderen. Was wollen wir uns noch mehr wünschen?

    Ja, das Heil und die Heiligung bedeuten Umwandlung ... Am Kreuz hat Christus alles für uns vollbracht. Mit dem Heiligen Geist wird uns alles geschenkt, damit wir in der Ähnlichkeit mit Christus wachsen können. Das geschieht mit einem Schritt aufs Mal.

    Aber die wesentliche Frage heisst:
    Will ich wachsen?
    Will ich den Heiligen Geist sein Werk in mir vollbringen lassen?

  • Kontakt

    Majore
    Walter und Hanny Bommeli

    Heilsarmee Zürich Zentral
    Ankerstrasse 31
    8004 Zürich

    Tel. 044 242 53 89

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