Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 23.9.2007 (Martin Gossauer)

Gott wohnt unter seinem Volk

Einleitung

Das Thema 'Gottes Volk' hat uns in letzter Zeit einige Male beschäftigt... Gott ruft Menschen in sein Volk, und er möchte unter seinem Volk wohnen.

Im Alten Testament, ganz am Anfang, sagte Gott seinem rebellischen Volk die Vergebung zu, und Mose kommt in einer Haltung der Busse vor Gott: wir lesen in Exodus 34:8,9:
«Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden. Er sagte: Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch, mein Herr, mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde und lass uns dein Eigentum sein!»

In meinem Herzen ist dieses Wort von Mose mein Wort geworden für unser drittes Jahr, das wir mit euch beginnen dürfen. Ich betrachte mich nicht als einen Mose, und euch nicht als ein störrisches Volk, doch Gott sagt mir durch dieses Wort: Alles hängt von meiner Gnade ab, suche nur meine Gnade und ich werde an deiner Seite sein, ich gehe mit dir den Weg, mit euch, meinem Volk, hier im Zenti. Durch die Gnade unseres Herrn, will der lebendige Gott in unserer Mitte sein und mit uns den Weg in die Zukunft gehen. Das ist Gottes starke Zusage, sein Wort der Verheissung für uns. Ich bin dankbar dafür!

Gott ist gegenwärtig, er will da sein, mitten unter seinem Volk. Er will uns nahe sein. Er ist nicht ein ferner Gott, ein abwesender Gott. Er hat das Verlangen, mitten unter seinem Volk zu wohnen. Das ist eine gute Nachricht für uns! Gott will unser Leben teilen. Er will mit uns sein, in Freud und Leid, in unseren Sorgen und unseren Plänen, in unseren Fehltritten und unseren Glaubensschritten.

In seinem Wort erklärt und bestätigt Gott noch und noch, dass er unter den Menschen wohnen will. Durch die ganze Heilsgeschichte hindurch drückt er diesen, seinen Willen aus. Immer ist es Gott, der zuerst zu uns kommt. Er ist es, der uns zuerst liebt. Er ist es, der bei uns wohnen will, unser Gott sein will und uns als sein Volk erwählt. Auch dann, wenn wir uns von Gott entfernen und falsch handeln, wie das auch Samuel mit dem Volk erlebt hat: «Samuel aber sprach zum Volke: Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all dies Unrecht begangen; doch weicht nur von dem Herrn nicht ab, sondern dient dem Herrn mit ganzem Herzen und folgt nicht den nichtigen Götzen nach, die nichts nützen und nicht retten können, weil sie nichtig sind! Denn der Herr wird um seines grossen Namens willen sein Volk nicht verstossen, weil es dem Herrn gefallen hat, euch zu seinem Volk zu machen» (1. Samuel 12,20-22).

Das Zelt der Begegnung

Gott führt sein Volk aus Ägypten heraus, schliesst einen Bund mit Israel, gibt ihnen sein Gesetz – und weil er mitten unter seinem Volk wohnen will, gibt er ihnen den Auftrag, eine heilige Stätte zu errichten. Er nennt sie 'Das Zelt der Begegnung':

Exodus 29:42,43,45,46: «Es soll von Generation zu Generation ein immer währendes Brandopfer am Eingang des Offenbarungszeltes vor dem Herrn sein, wo ich mich euch offenbare, um mit dir dort zu reden. Ich werde mich dort den Israeliten offenbaren und mich in meiner Herrlichkeit als heilig erweisen. Ich werde mitten unter den Israeliten wohnen und ihnen Gott sein. Sie sollen erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott bin, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, um in ihrer Mitte zu wohnen, ich, der Herr, ihr Gott.»

Was für ein genialer Name: Zelt der Begegnung! Gott will seinem Volk begegnen. An diesem Treffpunkt will er sich mit ihm verabreden. Er will zu ihm sprechen. Wir wissen, dass Gott nicht in einem Haus wohnt, doch der Ort, den er bestimmt, um sich zu offenbaren, um seinem Volk zu begegnen, wird zu einem heiligen Ort durch seine herrliche Gegenwart, wird zu einem Heiligtum, ob das nun eine Kirche sei, ein Saal, ein Zelt, meine Küche zuhause oder draussen in der Natur. Es ist nicht der Ort selber, der heilig ist. Aber er wird zu einem geheiligten Ort, weil Gott gegenwärtig ist.

Für dieses Jahr, für die Zeit, die vor uns liegt, ist es mein Gebet, das dieser Saal für uns zu diesem 'Zelt der Begegnung' wird, wo Gott sich mit uns verabredet, wo Gott zu uns spricht. Dass dieser Ort zu einem geheiligten Ort wird, erfüllt mit der herrlichen Gegenwart Gottes. Ein geheiligter Ort, wo er uns begegnet und mitten unter uns ist. Das ist mein grösstes Verlangen, und ich hoffe, euer Verlangen, aber zuerst und viel mehr ist es Gottes tiefstes Verlangen. Der Psalmist sagt uns in Bezug auf die Stadt Jerusalem:

Psalm 132: 13-14: «Denn der Herr hat den Zion erwählt, / ihn zu seinem Wohnsitz erkoren: Das ist für immer der Ort meiner Ruhe; / hier will ich wohnen, ich hab ihn erkoren.»

Gott sehnt sich danach, mitten unter uns zu wohnen. Er möchte uns hier begegnen. Und wir werden ihn als unseren Herrn, unseren Gott erkennen.

«Sie sollen erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott bin, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, um in ihrer Mitte zu wohnen, ich, der Herr, ihr Gott.» (Exodus 29,46)

Gott hat sein Volk aus Ägypten herausgeführt, damit er mitten unter ihnen wohnen kann. Ägypten war für sie der Ort der Sklaverei, der Unterdrückung, des Leidens. Gott will uns aus den Orten, wo wir festgehalten, festgefahren sind, herausholen, uns befreien, um mitten unter uns zu wohnen. Welches sind für mich diese Orte, wo ich gefangen bin? Es kann meine Beziehung zum Geld sein, meine Sorgen, meine Angst, eine schlechte Gewohnheit, eine ungesunde Beziehung ... Gott will uns daraus herausführen, damit er mitten unter uns wohnen kann!

Wiederaufbau des Tempels

Später baute Salomo einen Tempel, ein Haus für den Herrn, in dem Gottes Herrlichkeit wohnte. Doch er wusste: Kein menschliches Haus kann die Grösse Gottes fassen (siehe 2. Chronik 6,18-21 und 7,1-2). Noch später, nach der Zerstörung des Tempels und während der Zeit des Exils des Volkes Israel, schenkte Gott durch die Propheten erneut ein Wort der Hoffnung und bestätigte wiederum seinen Willen, zu seinem Volk zu kommen und mitten unter ihnen zu wohnen. Es ist diese Botschaft der Hoffnung, die den Wiederaufbau des Tempels vorbereitet. So lesen wir zum Beispiel im Propheten Sacharja die folgenden Worte, die sich an die Bewohner in Jerusalem richten:

Sacharja 2:14,15: «Juble und freue dich, Tochter Zion; denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte - Spruch des Herrn. An jenem Tag werden sich viele Völker dem Herrn anschließen und sie werden mein Volk sein und ich werde in deiner Mitte wohnen. Dann wirst du erkennen, dass der Herr der Heere mich zu dir gesandt hat.»

Sacharja 8:7,8: «So spricht der Herr der Heere: Seht, ich werde mein Volk befreien aus dem Land des Sonnenaufgangs und aus dem Land des Sonnenuntergangs. Ich werde sie heimbringen, und sie werden in Jerusalem wohnen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein, unwandelbar und treu.»

Unser Haus sauber machen

Das Neue Testament nimmt die Botschaft, dass Gott unter seinem Volk wohnen will, wieder auf. Bisher war die Wohnung Gottes für das Volk Israel immer der Tempel gewesen. Mit dem Kommen von Jesus, Gottes Sohn, der Gründung der Kirche und dem Wirken des Heiligen Geistes, erhält die Wohnung Gottes eine andere Dimension: Jeder Gläubige, der sein Herz öffnet und Gott in sein Leben einlässt, wird zu einem Tempel, in dem Gott wohnt.

Im 2. Korinther 6 begegnen wir, wie im Alten Testament, einem eifersüchtigen Gott, der seine Liebe nicht mit anderen Götzen teilen will, der das Haus nicht mit andern Bewohnern teilen will.

2 Korinther 6:16 - 7:1: «Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; denn Gott hat gesprochen: Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen. / Ich werde ihr Gott sein / und sie werden mein Volk sein.

Zieht darum weg aus ihrer Mitte / und sondert euch ab, spricht der Herr, / und fasst nichts Unreines an. / Dann will ich euch aufnehmen und euer Vater sein / und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, / spricht der Herr, / der Herrscher über die ganze Schöpfung.

Das sind die Verheißungen, die wir haben, liebe Brüder. Reinigen wir uns also von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes und streben wir in Gottesfurcht nach vollkommener Heiligung.»

Eine Grossreinigung ist also an der Tagesordnung. Damit Gott eintreten und bleiben kann, sollen wir unser Haus herausputzen. Gott möchte unser ganzes Haus besetzen. Wenn er mit uns wohnt, dann will er auch alles mit uns teilen, von der Küche bis zum Badezimmer, vom Schlafzimmer bis zum Wohnzimmer, vom Keller bis zum Estrich. Kann sich Gott bei uns zuhause in allen Räumen wohl fühlen? Oder empfangen wir ihn nur auf dem Treppenabsatz vor der Türe? Schliessen wir ihn an einem Ort ein, weil es Dinge gibt in unserem Haus, die ihm keine Freude machen würden? Putzen wir unser Haus heraus, damit Gott wirklich mitten unter uns wohnen kann. Er will an unserem Alltag, an unserem Familienleben teilhaben.

Gottes Verheissung wird Realität

Am Ende des Neuen Testamentes, in der Offenbarung, finden wir in der Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde wieder dieselbe Botschaft Gottes:

Offenbarung 21:3: « Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.»

Schliesslich wird Gott all seine Verheissungen erfüllen und sein Reich aufrichten, und dieser Wille Gottes wird für immer Realität sein: «Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.»

Gott will mitten unter seinem Volk wohnen: Diese Botschaft der Hoffnung ist für uns eine Quelle der Freude und eine Kraft, die uns zu Gott hin öffnet und uns mit einem brennenden Glauben erfüllt, der das Kommen von Gott herbeisehnt: Ja, er will uns begegnen, er will mitten unter uns wohnen!

Schlusspunkt

Ein alter Rabbiner stellte in seiner letzten Vorlesung, bevor er in den Ruhestand trat, seinen jungen Schülern die folgende Frage: 'Wo wohnt Gott?' Sie sahen sich über dieser seltsamen Frage erstaunt an. Doch irgendeine Antwort sollten sie ihrem Meister doch wohl vorschlagen.

Ein erster Schüler erhob sich und sagte: «Der Herr wohnt im Himmel, gewiss!» Doch der alte Rabbiner schüttelte den Kopf mit seinem langen Bart verneinend.

Ein zweiter Schüler riskierte eine Antwort: «Im Tempel in Jerusalem wohnte die Heilige Gegenwart Gottes, doch die Heiden haben unseren Tempel zerstört.»

Wieder schüttelte der ehrwürdige Meister seinen langen Bart.

Da meinte ein dritter seiner Schüler: «Der Herr ist an allen Orten gegenwärtig, denn es steht geschrieben: 'Das ganze Universum ist von seiner Herrlichkeit erfüllt! Amen!'» (Psalm 72,19) Noch einmal schüttelte der Rabbiner seinen Bart. Und schliesslich antwortete ihnen der Meister selber und sagte: «Gott wohnt überall dort... wo man ihn einlässt! Lässt du ihn herein?»

(Geschichte 'Wo wohnt Gott?', S. 37 récits et paraboles de vie, P. Mourlon)

Die Antwort des Rabbiners weist uns daraufhin, dass Gott zuerst ein Gott des Bundes ist, der unter den Menschen wohnen will, um diesen Bund mit ihnen zu leben. In Jesus hat Gott uns das wieder neu gezeigt.

Jesus sagte zu Zachäus (Lukas 19,5-6): «Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Und Zachäus reagierte sofort: Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.»

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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