Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 15.7.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)

Theologie des Glücks
(Matthäus 13, 44-46)

Was würden Sie tun, wenn Sie in der Lotterie gewinnen würden? ... Was würden Sie mit einer grossen Summe Geld anfangen, wenn sie Ihnen zufallen würde? Ich weiss schon, ich dürfte diese Frage gar nicht stellen ... denn wenn Sie Heilssoldat oder Heilssoldatin sind ­ dann gehören Glücksspiele zu jenen Dingen, auf die Sie verzichten müssen.

Es ist eine Tatsache: In welchem Land und in welcher Kultur es auch sei: Die Menschen machen mehr und mehr bei vielerlei Glücksspielen mit. Einige werden richtig «spielsüchtig». Die Spiele am Fernsehen, bei denen man Millionen gewinnen kann, haben einen sehr grossen Erfolg. All dieses Geld lässt einen träumen ...

Also gut, ich habe nie bei einer Lotterie mitgespielt, aber träumen darf ich immer! Ich darf mir ausmalen, was ich mit so viel Geld auf einem Bankkonto kaufen und machen könnte. Diese Träume, die haben wir alle, heute oder morgen, oder? Wenn ich ein Vermögen gewinnen würde, dann würde ich mir ein Segelboot und eine Wohnung an einem See oder am Meer kaufen ... Und wenn das Vermögen es zulässt, noch eine Wohnung in den Bergen! Man darf immer träumen, nicht wahr?

All dieses Geld, das eingesetzt wird - und am Schluss gewinnt nur einer. Bei der Lotterie gewinnen, das bedeutet, dass sich das eigene Leben ganz plötzlich verändert! Studien über Menschen, die einen Gewinn machten, zeigen deutlich, dass es schwierig ist, diesen Schock und diese Veränderung des Lebens zu bewältigen ...

Hören Sie nun genau zu bei den beiden Gleichnissen in Matthäus 13 Verse 44-46:

«Das Reich Gottes ist wie ein verborgener Schatz, den ein Mann auf einem Feld entdeckte und wieder verbarg. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, um den Acker zu kaufen und so den Schatz zu bekommen. Wer in das Reich Gottes will, muss handeln wie ein Kaufmann, der auf der Suche nach kostbaren Perlen ist. Er entdeckt eine Perle von unschätzbarem Wert. Deshalb verkauft er alles, was er hat, um sie zu besitzen.» (Hoffnung für alle)

Möchten diese beiden Gleichnisse wohl aufzeigen, dass es eine Theologie des Glückes gibt? Denn hier handelt es sich wirklich um Glück! Ein Mann geht über das Feld und paf! Er stösst auf einen Schatz! Und das gilt ebenso für den Kaufmann, der kostbare Perlen sucht. Eines schönen Tages findet er eine ganz seltene Perle! ...

Ist also das Reich Gottes ein Glückstreffer... Und wäre dann Jesus der Spielleiter, bei dem man einfach ein Glücksrad drehen kann, um Millionen zu gewinnen? Der Mann, der den Schatz im Acker findet, tut nichts Aussergewöhnliches! Er stösst einfach darauf oder es fällt ihm einfach in die Hände! «Das ist sehr einfach erworbenes Geld ...» Der Kaufmann, der die Perlen sucht, ist wenigstens am Suchen!

Bleiben wir bei diesen beiden Gleichnissen. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass sie das Gleiche aussagen ... Aber sie sind doch verschieden ... Beide sprechen von einem gefundenen Gegenstand, einem Schatz! Sie sagen auch aus, dass die beiden Männer andere Dinge verkauft haben, um diesen Schatz zu erwerben. Verkaufen bedeutet eine Wahl treffen: Man muss sich von falschem und echtem Reichtum befreien, um den richtigen Schatz, den wahren Reichtum zu besitzen.

1° Im ersten Gleichnis gibt es zwei Wörter, die man im zweiten Gleichnis nicht finden kann: das Wort «verstecken» und das Wort «Freude» ...

  • Mit diesem Gleichnis wird uns eine Neuigkeit mitgeteilt, die Gold wert ist: nämlich, dass das Reich Gottes da ist, in diesem grossen Feld oder Acker dieser Welt! Vor einigen Monaten hat Martin Bonbons zu Ihnen in den Saal geworfen, indem er sagte: «Das Reich Gottes ist mitten unter euch.» Ja, das Reich Gottes ist da in diesem Acker unseres Lebens wie ein versteckter Schatz. Es ist da, aber oft leben und handeln wir, als ob Gott weit weg oder sogar ganz abwesend sei ... Wir haben sogar manchmal den Eindruck, dass wir Gott aus seinem Schlaf aufwecken müssten ... Gott aber sagt uns, dass wir unsere Augen öffnen sollen, um den Schatz zu sehen, der da im Acker unseres Lebens liegt! ...

    Zu wissen, dass Gott da ist, vergraben (oder verborgen) im Ackerfeld unseres Lebens, das kann für uns die einfachste und ausserordentlichste Sache werden! Wenn wir die Bedeutung dieser Neuigkeit verstehen, wird unser Blick auf die Menschen und die Dinge sich ändern. Und unser Blick auf uns selber ebenfalls!

  • Das andere wichtige Element besteht darin, dass der Mann den ganzen Acker kaufen muss ... Es ist unmöglich, eine Auswahl zu treffen: den Schatz vom Acker zu trennen oder den Acker vom Schatz zu trennen ... Den Schatz zu ergreifen bedeutet, auch den Acker, der ihn umgibt, zu nehmen. Das sind zwei untrennbare Dinge: Es bestätigt, dass das Reich Gottes in unser Leben integriert ist, in unsere Wirklichkeit mit allem, was an Erde vom Acker mit dabei ist ... Über einen Acker zu gehen, sogar über einen Acker, der einen Schatz enthält, das bedeutet, sich die Schuhe und sogar die Hosen schmutzig zu machen! ... In seinem Pragmatismus und seinem Humor macht Pfarrer Alphonse Maillot den Vergleich zuerst mit der Ehe und dann mit der Kirche Christi, indem er sagt: «Jeder weiss: Wenn er heiratet, erwirbt er nicht nur einen Schatz, sondern einen Acker dazu ... Die Kirche Christi ist zuerst wie ein Feld mit all dem, was man mit Dornen und Brennesseln, Steinen und manchmal sogar Vipern bezeichnen könnte. Aber sie enthält diesen Schatz, die Braut Christi zu sein. Und man kann das eine nicht haben, wenn man das andere zurückweist.» (Aus: Les paraboles de Jésus aujourd'hui / Die Gleichnisse Jesu heute, S. 45)

    Zu wissen, dass das Reich Gottes dort verborgen ist, wo es nicht immer schön oder sauber ist, das ist sehr ermutigend ... Wenn wir die Bedeutung dieser Neuigkeit verstehen, wird unser Blick auf die Menschen und die Dinge sich ändern. Und unser Blick auf uns selber ebenfalls!

  • Der Mann, der den Schatz findet, ist ausser sich vor Freude! ... «Das Reich Gottes ist wie ein verborgener Schatz, den ein Mann auf einem Feld entdeckte und wieder verbarg. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, um den Acker zu kaufen und so den Schatz zu bekommen.» In seiner Freude sieht er die schlechten Pflanzen und die Vipern nicht oder nicht mehr, sondern nur noch den Schatz in seinem Feld. Er ist ausser sich vor Freude!

  • Seine Freude stellt an uns die Frage: Wäre ich bereit, alles zu verkaufen, um eine einzige Sache zu erwerben, die meine ganze Freude ausmacht?

    2° Im zweiten Gleichnis ist das Reich Gottes nicht ­ wie man denken könnte ­ die Perle, sondern der Kaufmann ... Im ersten Gleichnis war das Reich Gottes das, was der Mann gefunden hat ... Dieses Mal verkörpert das Reich auch den Mann, der sucht. In diesem zweiten Teil ist das Verb wichtig: suchen. Die Bibel hat Freude an den einzelnen Menschen, die die Wahrheit suchen, die versuchen, den Willen Gottes zu erfüllen. Im Grund ist es Gott selber, der diejenigen zum Suchen bringt, die suchen ... Schon hier ist es die Gegenwart des Heiligen Geistes, die ihnen das Verlangen eingibt, mehr davon zu wissen. Es ist Gott selber, der sich jenen Menschen offenbart, die suchen ...

  • Dieser zweite Text sagt uns, dass unsere Welt schöne Perlen enthält und dass unser Mann, der suchte, schon einige sehr schöne gefunden hat. Diese paar Zeilen zeigen uns auch an, dass die seltene Perle existiert und dass sie da ist, vielleicht ganz nahe ... Aber sie hat auch ihren Preis ... In unserem Gleichnis wird der Mann, der gesucht und gefunden hat, hingehen und alle seine schönen Perlen verkaufen, weil er DIE Perle gefunden hat! Weil ihre Schönheit, ihre Reinheit, ihr Wert alle anderen übersteigt!

    Zu wissen, dass diese Welt trotz ihrer Schrecken und ihrer Gewalt auch Perlen enthält, das ist ermutigend ... Wenn wir imstande sind, sie zu suchen, sie zu entdecken, sie zu schützen, dann wird unser Blick auf die Menschen und Dinge sich ändern! Wenn wir imstande sind, die Perlen an unserer Seite zu sehen, dann werden die anderen auch lernen, die Dinge auf eine andere Art zu betrachten ...

    Schluss:

    Der Unterschied zwischen einer Lotterie und Jesus besteht darin, dass man sich mit den Millionen der Lotterie von der Realität immer mehr entfernt (ausser dass man dem Staat die Gewinnsteuer abliefern muss ...).

    Mit Jesus bleibt man in der vollen Realität ... Es gibt den Schatz, aber es hat auch Erde, die unsere Schuhe schmutzig macht! ... Aber er schenkt uns die Gegenwart des Vaters und des Heiligen Geistes, um das sehen zu lernen, was wichtig und wesentlich ist ...

    Um zu lernen, den Schein zu überwinden. Der Unterschied zwischen einer Lotterie und Jesus besteht darin, dass die Antworten auf die grossen Fragen des Lebens nicht mit Geld gekauft werden können und auch nicht die Gewissheit, gerettet zu sein und ewig zu leben ...

    Jesus ­ er schenkt uns durch seine Gegenwart heute den ganzen Sinn und den Wert für unser Leben!

    Jesus ­ er schenkt uns durch seinen Tod und seine Auferstehung Hoffung und Tröstung für heute und auch nach dem Tod.

    Schade für mein Segelschiff und mein Haus am Ufer des Wassers ... Ich weiss es schon: «Geld macht nicht glücklich.» Freude kann man nicht kaufen. Was aber Gold wert ist in meinen Leben: Ich habe den wahren Schatz gefunden: Jesus Christus! Weil er dem Leben einen Sinn gibt, den viele Millionäre immer wieder suchen! So wie der Schatz für den ganzen Acker seinen Preis bestimmt, so gibt die Anwesenheit Gottes meinem ganzen Leben seinen Wert. Ich kann es mit einem neuen Blick wahrnehmen und mich selber mit einem positiven Blick betrachten, weil ich weiss, dass dort ein Schatz verborgen ist ... So bekommt mein Leben einen Sinn, und dieses Gefühl hat den Wert von Millionen!

    Die Gleichnisse der Evangelien sagen sehr ernste Dinge aus ... Diese zwei Texte weisen uns darauf hin, dass die Gegenwart Gottes von unermesslichem Wert ist! Aber auch, dass dieses Geschenk eine Antwort verlangt. Dieser Schatz ist da, ganz nahe: Sind wir bereit uns einzusetzen, damit er uns gehört? Was sind Sie bereit zu verkaufen, um ihn zu erwerben? Mögen diese Ferienwochen uns Gelegenheit schenken, uns die folgende Frage zu stellen: Ist Jesus der Schatz in meinem Leben? Mögen diese Ferien uns Gelegenheit geben, uns um den Schatz zu kümmern, der in unserem Herzen ist, und um den Schatz, der unser Herz ist!

    Machen Sie es so wie auf dem Bild, das Sie bekommen haben: begiessen Sie Ihr Herz ... Es ist ein wunderbarer Acker, in dem Gott anwesend ist! Möge der Herr unser Schatz und unsere Freude sein!

  • Kontakt

    Majore
    Walter und Hanny Bommeli

    Heilsarmee Zürich Zentral
    Ankerstrasse 31
    8004 Zürich

    Tel. 044 242 53 89

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