Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 1.7.2007 (Martin Gossauer)

Kleider machen Leute - l'habit ne fait pas le moine
(Galater 3, 27)

Einleitung

(Sprecher trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: Ich bin)

Kleider sagen etwas aus, nicht nur wenn etwas draufsteht. Ich habe prinzipiell etwas gegen beschriftete Kleidungsstücke. Ich laufe nicht gerne als wandelnde Reklamensäule umher und trage praktisch keine beschrifteten Kleidungsstücke. Ausser von Berufs wegen in der Heilsarmee. Ausser, ich kann wirklich hinter dem stehen, was da steht. Dieses T-Shirt ist also eine Ausnahme. (Auch dasjenige, das ich am Korpswochenende getragen habe: «Ich will...»)

Kleider sagen etwas aus

Kleider sagen etwas aus, denken wir nur an den Markenkult: Menschen tragen bestimmte Marken als Statussymbole. Darüber alleine könnte ich eine Predigt halten. Kleider sagen etwas aus: Ob ich hier im Anzug mit Krawatte stehe oder im T-Shirt und Shorts hat nicht die gleiche Wirkung auf Sie. Kleider sagen etwas aus, und wenn dann noch etwas draufsteht, werde ich zum Träger einer Botschaft. Das kann ich natürlich auch bewusst einsetzen (wie Michi Studer mit seinen originellen, aussagekräftigen T-Shirts ...).

Vor wenigen Tagen wurde in Zürich von einem jungen, initiativen Studenten ein neuer T-Shirt-Shop eröffnet. Seine Spezialität: T-Shirts mit individuellen Aufdrucken. Er sagt dazu: «Das T-Shirt ist mehr als ein Gebrauchsgegenstand: Wie kein anderes Kleidungsstück bietet es Raum für Kunst, Design, Form und Farbe und kann gleichzeitig auch Interessen, Ideale und Geschmack seines Trägers zum Ausdruck bringen. Das T-Shirt hat das Potenzial als Medium einer individuellen Botschaft. Unsere Shirts wollen auffallen und gefallen, verstören und betören, provozieren und kommunizieren.»

Ich finde das sind Worte, die auch auf unsere Uniform zutreffen. Das tönt doch gut: unsere Uniform will «auffallen und gefallen, verstören und betören, provozieren und kommunizieren». Unsere Uniform sagt etwas aus. Sie steht für die Botschaft, die mit unserem Engagement als Heilssoldat oder -soldatin verbunden ist: Saved to serve ­ Gerettet, um zu dienen. Natürlich steht sie auch für einen Verhaltenskodex, der unserem Engagement entspricht. Doch zuallererst ist sie ganz einfach Mittel zum Zweck. Das unterstreicht William Booth, wenn er sagt: «Die Uniform ist sehr nützlich, erregt Aufmerksamkeit, gibt Anlass zum Gespräch, zieht Zuhörer an bei Veranstaltungen im Freien, ruft Respekt hervor unter der Strassenbevölkerung, (sie weist nicht nur auf die Verbindung mit der Heilsarmee hin, sondern auch auf die Stellung der Person in ihr) und bewahrt vor der Anpassung an Modeströmungen»(Turning Point S. 26).

Kleider machen Leute

Kleider sagen etwas aus. Heisst das, der bekannte Spruch «Kleider machen Leute» stimmt? Was bin ich? Bin ich das, was ich trage? In der bekannten Novelle von Gottfried Keller aus dem Jahre 1866 wird der arme Schneider Wenzel Strapinski wegen seines gepflegten Aussehens für einen vornehmen Grafen gehalten. Er verliebt sich in eine angesehene Frau, Nettchen, die Tochter des Amtsrates. An der Verlobungsfeier entlarven die Leute aus Seldwyla die wahre Identität des Schneiders. Doch die Braut erkennt, dass er wider Willen in diese Rolle hineingerutscht ist und er nicht etwas vorgeben wollte, dass er nicht ist. Sie spürt seine Aufrichtigkeit und da nachweisbar ist, dass Strapinski auch sonst äusserst redlich gelebt hat und einen untadeligen Ruf geniesst, steht einer Zukunft mit Nettchen trotz des Standesunterschieds nichts mehr im Wege.

Also der Spruch «Kleider machen Leute» mag stimmen, wenn wir an die Reaktionen und das Verhalten der Menschen in der Gesellschaft denken, sei es zu Kellers Zeiten oder heute. In der Gesellschaft geht es um Schein, doch die Wahrheit liegt näher beim Sein. Stellen wir der Wendung «Kleider machen Leute» das französische Sprichwort, «L'habit ne fait pas le moine» ­ «das Kleid macht nicht den Mönch aus», gegenüber, sind wir näher bei der Wahrheit, mehr beim Sein als beim Schein. Es geht darum, wer ich bin (T-Shirt)!

L'habit ne fait pas le moine

L'habit ne fait pas le moine, das Kleid macht nicht den Mönch aus. So können wir auch sagen: Die Uniform macht nicht den Salutisten. Wichtiger als die Uniform ist die Person, die drin steckt. Die Uniform zeigt, dass ich zur Heilsarmee gehöre, doch sie macht nicht meine Identität aus. Bevor ich eine Uniform tragen kann, muss ich mir im Klaren sein über meine Identität als Mensch, als Christ, als Salutist ­ sonst krieg ich ein Problem mit der Uniform. Es geht um Sein, nicht um Schein. Sonst missbrauche ich die Uniform als Maske, als Machtdemonstration, als Statussymbol, als Heiligenschein. Das Problem ist nicht so sehr die Uniform ­ also bleiben wir nicht zu sehr daran hängen und hängen wir sie auch nicht zu rasch weg. Das Problem liegt oft mehr bei mir selber, bei meiner Identität als Person und meinem Verständnis von der Uniform. Bevor ich eine Uniform trage, sollte ich auch verstehen, was sie bedeutet. Sie ist Zeugnis gegen aussen, wenn der, der drinsteckt, das Zeugnis auch mitträgt und nicht nur die Uniform. Und sie ist ganz einfach ein Dienstkleid, also kein Statussymbol ­ denn jeder Salutist, jede Salutistin ist ein Diener bzw. eine Dienerin. Die Uniform macht uns zum Ansprechpartner in der Öffentlichkeit (Zeugnis einer neuen Heilssoldatin), darum ermutige ich alle Heilssoldaten, sie zu tragen.

Es geht um Sein, nicht um Schein

Kleider machen Leute ­ das ist Schein. Kleider sagen etwas aus, und das Aussehen ist heute in der Gesellschaft wichtig. Doch hüten wir uns davor, die Leute nach ihrem Aussehen zu beurteilen. Hüten wir uns vor dem ersten Blick, der trügt. Halten wir es lieber mit «l'habit ne fait pas le moine» ­ das ist Sein. Halten wir es lieber mit der Wahrheit, dem Sein. Wer bin ich (T-Shirt)? Welches ist meine Identität? Da wollen wir nun Gottes Wort zur Hand nehmen, denn da geht es um Sein und nicht um Schein. In meiner Suche zum Thema bin ich auf Galater 3,26-28 gestossen. In der Lutherübersetzung heisst es da: «Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus. Denn wie viele von euch auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus.»

Unsere Identität in Christus: ein neues Kleid

Wir sollen Christus anziehen. Das Bild vom Kleid bezeichnet hier nicht eine äusserliche Veränderung, sondern ein neues Sein, eine Identität, die wir in Christus finden. Christus, das ist die Kleidung, die wir jeden Tag anziehen sollen. Das ist vielleicht nicht «haute couture», aber es ist «vraie couture»! Das ist die Kleidung, die aus uns wahre Christen und Salutisten macht. Das ist die Kleidung, die uns eins macht in Christus. Die Uniform mag Unterschiede von Stand und Ausbildung verwischen und ein einheitliches Bild ergeben. Aber unsere wirkliche Einheit, unser Einssein liegt in Christus: «Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus.»

Christus steht für die Erlösung und die Vergebung all unserer Schuld, die Gott uns schenkt. Die Bibel braucht dafür oft das Bild eines weissen, eines festlichen oder reinen Kleides. Denken wir an das Gleichnis vom verlorenen Sohn, in welchem der Vater dem Sohn, der zurückkehrt ein neues, festliches Kleid anziehen lässt. Denken wir an das Gleichnis vom Hochzeitsmahl, wo alle Gäste ein festliches Kleid tragen müssen. Denken wir an verschiedene Stellen in der Offenbarung, wo die Auserwählten aus allen Nationen in weissen Kleidern Gott anbeten. Denken wir an die Vision, die Sacharja erhalten hat und die wir heute Morgen hörten (Sacharja 3,1-8a): Der Hohepriester Jeschua steht mit schmutzigen Kleidern vor dem Engel und wird von Satan angeklagt. Doch der Engel sagt zu ihm: «Ich befreie dich von aller Schuld und lasse dir festliche Kleider anziehen» (Vers 4/Hfa). Er erhält frische Kleider, um weiterhin Gott zu dienen und ein Zeichen zu sein für das ganze Volk.

Dieses Erlebnis der Vergebung und der Rettung ist immer Anlass zur Freude und mit einer Einladung zum Fest verbunden. Jesaja sagt: «Ich freue mich über den Herrn und juble laut über meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich damit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine Braut im Hochzeitsschmuck» (Jesaja 61,10/Hfa).

Neue Mode, kein Recycling

Gott schafft neue Mode, er macht nicht auf Recycling. So lobenswert Recycling für unsere Umwelt auch ist und für die Solidarität unter Menschen ­ Christus macht alles neu! Matthäus 9,16-17: «Niemand flickt ein altes Kleid mit neuem Stoff. Der alte Stoff würde an der Flickstelle doch wieder reissen, und das Loch würde nur noch grösser. ... So verlangt das neue Leben nach neuen Ordnungen.» Wie oft machen wir doch Recycling in unserem Leben, flicken an unseren Gewohnheitssünden herum und ziehen immer wieder dasselbe alte Kleid an, von dem wir uns nicht trennen können. Doch Gott ist kein Weltverbesserer. Er will nicht einfach unser Leben verbessern. Er will es neu machen. Er schenkt uns ein neues, festliches Kleid in Christus: «Was Jesus wirklich von uns erwartet, habt ihr gehört und auch verstanden: Ihr sollt euch von euerm alten Leben, dem «alten Menschen» mit all seinen trügerischen (Schein!) Leidenschaften, endgültig trennen und euch nicht länger selbst zerstören. Gottes Geist will euch mit einer völlig neuen Gesinnung erfüllen (Sein!). Ihr sollt den «neuen Menschen» anziehen, wie man ein Kleid anzieht. Diesen neuen Menschen hat Gott selbst nach seinem Bild geschaffen; er ist gerecht und heilig, weil er sich an das Wort der Wahrheit hält» (Epheser 4, 21-24/Hfa).

Dieses neue Kleid in Christus begründet unsere wahre Identität als Kinder Gottes. Worin sie besteht, der Schnitt und die Farben dieses Kleides werden uns in den Versen 25- 32 des 4. Kapitels im Epheserbrief näher vorgestellt. Da wird es ganz konkret, aktuell, alltäglich. Ich empfehle Ihnen diesen Text zur persönlichen Lektüre und Meditation zu Hause.

Zum Abschluss möchte ich einfach die folgenden Fragen im Raume stehen lassen. Wir wollen sie auch zum Nachdenken mit nach Hause nehmen:

  • Habe ich Christus angezogen? Habe ich das Kleid des neuen Menschen angezogen?
  • Bin ich eher ein KLM-Typ, ein «Kleider-macht-Leute»-Typ oder stehe ich für «l'habit ne fait pas le moine»?

Segen: Kolosser 3,12-15 (Luther)

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand eine Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leib, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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