Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum Muttertag am 13.5.2007 (Martin Gossauer)

Schifra und Pua: Zwei gottesfürchtige Frauen
(2. Mose 1, 1-22)

Einleitung

Wenn wir heute unsere Mütter feiern, dann wollen wir alle Frauen feiern, die unser Leben geprägt haben durch ihren tiefen Glauben an Gott, ihre Gebete für uns, ihre Liebe für die Menschen, die ihnen nahe stehen. Es ist ein Geschenk und ein Segen, wenn wir solche Frauen in unserem Leben kennen oder gekannt haben. Welche Frauen haben Ihr Leben geprägt?

Die Bibel enthält auch einige Perlen, die von aussergewöhnlichen Frauen berichten, die durch ihr vorbildliches Leben ihren Umkreis geprägt haben. Oft sind es Frauen, die treu ihren Dienst erfüllten, da, wo Gott sie hinstellte, ohne auffallen zu wollen. Ich lade Sie heute ein, zwei solch aussergewöhnliche Frauen mit mir zu entdecken.

Wer kennt sie? ... Ihre Geschichte finden wir im 2. Buch Mose oder Exodus und es sind nur wenige Verse, die von ihnen sprechen, ein kurzer Abschnitt, den man – ungerechterweise – oft überfliegt oder links liegen lässt. Wir wissen nicht viel über ihr Leben: Wir kennen ihre Namen – sie bedeuten auf deutsch 'Schönheit' und 'Glanz'. Sie waren Frauen, die etwas überlegten, die auf ihre innere Intuition und ihr Herz hörten und nicht einfach blind gehorchten. Wir kennen auch ihren Beruf: Sie waren Hebammen. Und in einem Vers stehen diese wenigen Worte, die vieles darüber aussagen, was für eine Art von Personen sie waren: Sie hatten Ehrfurcht vor Gott. Das war ihr Kennzeichen: Ihre Ehrfurcht vor Gott und ihr völliges Vertrauen in ihn. Diese standen an erster Stelle in ihrem Leben. Diese Ehrfurcht vor Gott bestimmte ihr ganzes Denken, ihr Handeln, ihre Worte. Ihr Beispiel zeigt uns, wie Gott solche Menschen segnet, Menschen, die ihn fürchten. Die beiden Frauen heissen Schifra und Pua.

Geschichtlicher Hintergrund

Das Buch Exodus erzählt uns – wie sein Name es sagt – den Exodus, den Auszug: das heisst, es erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreite und Mose erwählte, um sie aus diesem Land herauszuführen, zurück nach Israel. Es ist das Buch der Befreiung, und es ist das Buch eines grossen Gottesmannes: Mose. Doch das Buch beginnt nicht mit ihm, sondern mit dem Zeugnis dieser beiden aussergewöhnlichen Frauen, Schifra und Pua. Diskret im Hintergrund erweisen sie sich Gott gegenüber als treu, und mit ihrer Treue bereiten sie den Weg vor für die Geburt von Mose. Der Abschnitt in Exodus 1,1-14 hilft uns, uns in die geschichtliche Situation hineinzuversetzen, in der Schifra und Pua vor ungefähr 3300 Jahren lebten...

Wir lesen in 2. Mose 1, 1-14:

Dies sind die Namen der Israeliten, die mit ihrem Vater Jakob und ihren Familien nach Ägypten gekommen waren: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon, Benjamin, Dan, Naftali, Gad und Asser. Insgesamt waren es siebzig Personen, und alle stammten von Jakob ab. Josef, auch ein Sohn Jakobs, hatte bereits vorher in Ägypten gelebt. Nach und nach waren Josef und seine Brüder gestorben, und schließlich lebte von ihrer Generation niemand mehr. Ihre Nachkommen aber wurden zu einem großen Volk und ließen sich überall in Ägypten nieder. Dann trat ein neuer König die Herrschaft an, der Josef nicht mehr kannte. Er sagte zu den Ägyptern: «Ihr seht, dass die Israeliten zahlreicher und mächtiger sind als wir. Wir müssen etwas dagegen unternehmen! Denn wenn dieses Volk weiter wächst, laufen sie im Krieg womöglich zu unseren Feinden über, kämpfen gegen uns und bringen dann das Land in ihre Gewalt.» So zwang man die Israeliten zur Sklavenarbeit und setzte Aufseher über sie ein. Sie mussten für den Pharao die Vorratsstädte Pitom und Ramses bauen. Doch je mehr die Israeliten unterdrückt wurden, desto zahlreicher wurden sie. Sie breiteten sich im ganzen Land aus, so dass die Ägypter Angst bekamen. Darum zwangen sie die Israeliten erbarmungslos zu harter Arbeit und machten ihnen das Leben schwer: Sie mussten aus Lehm Ziegel herstellen und auf den Feldern arbeiten. Mit Gewalt wurden sie dazu gezwungen.

Jakob kam nach Ägypten mit seinen elf Söhnen, im Ganzen waren es siebzig Mitglieder seiner Familie (Verse 1-5). 400 Jahre später sind sie so zahlreich geworden, dass sie sich überall im Lande niederliessen (Vers 7): Gott hat seine Verheissung an Abraham erfüllt: Israel ist zu einem grossen Volk geworden (1. Mose/Genesis 17,2). Doch die politische Situation im Land verändert sich: Ein neuer König, «der Joseph nicht mehr kannte» (Vers 8), übernimmt die Macht und mit ihm kommt die erste Verfolgung über das Volk Israel. Dieses fremde Volk, das er nicht kannte, war für ihn eine Bedrohung. Er unterdrückt sie mit Zwangsarbeit. (Wahrscheinlich war dies der König Ramses II, der während seiner Regierungszeit, ca. 1290 v. Chr., viele Städte bauen liess.) Mitten in dieser Leidenszeit ist Gott da und fährt fort, sein Volk zu segnen (Vers 12). Doch je zahlreicher sie wurden, desto mehr Angst hatten die Ägypter vor ihnen und umso mehr machten sie ihnen das Leben schwer. Diese Zeit der Verfolgung hatte Gott Abraham bereits vorausgesagt, aber ebenso seine Absicht, sein Volk zu befreien (Genesis 15,13-14). Er ist ein Retter Gott und auf ihn ist Verlass. Er führt seinen Plan aus, auch wenn Könige kommen und gehen. Um seinen Plan, die Befreiung seines Volkes, zu verwirklichen, gebraucht Gott einzelne Menschen, Männer wie Abraham, Jakob und Mose, und Frauen wie Schifra und Pua. Und da treten nun unsere beiden Perlen – Schönheit und Glanz – in den Vordergrund. Sie lebten in jener Zeit der Verfolgung und des Leidens in Ägypten, zwei Frauen aus dem Volk Israel.

Schifra und Pua

Wir lesen weiter in 2. Mose 1,15-22:

«Wenn ihr von den hebräischen Frauen zur Geburt gerufen werdet und seht, dass ein Junge zur Welt kommt, dann tötet ihn sofort! Ist es ein Mädchen, könnt ihr es am Leben lassen!» Aber aus Ehrfurcht vor Gott hielten sich die Hebammen nicht an den königlichen Befehl, sondern liessen die Jungen am Leben. Als der König sie deswegen zur Rede stellte, erklärten sie: «Die hebräischen Frauen sind viel kräftiger als die Ägypterinnen. Ehe wir zu ihnen kommen, haben sie ihr Kind schon geboren!» Weil die Hebammen Ehrfurcht vor Gott hatten, tat er ihnen Gutes und schenkte ihnen viele Kinder. Das Volk Israel wurde immer größer und mächtiger. Schliesslich befahl der Pharao den Ägyptern: «Werft alle neugeborenen Jungen der Hebräer in den Nil, nur die Mädchen lasst am Leben!»

Der neue König führt eine mörderische Geburtskontrolle ein – ein wirklich teuflischer Plan! Doch die beiden Frauen, die Gott über allem fürchten, stellen sich dem Plan des mächtigen Königs entgegen. Sie wagen es, dem König den Gehorsam zu verweigern, auch wenn sie Grund genug haben, ihn zu fürchten und ihm zu gehorchen. Wie viele andere Menschen in ähnlichen Situationen hätten sie sagen können: «Wir hatten einen Befehl erhalten und mussten ihn ausführen.» Wir kennen ja diese Entschuldigung zur Genüge aus anderen Beispielen der Geschichte. Doch nein, sie entscheiden sich, Gott allein zu gehorchen und ihn als oberste Autorität zu respektieren. Sie haben nicht daran gedacht, ihren Glauben für ihre eigene Sicherheit aufzugeben. Sie hatten einen höheren König, dem sie sich unterstellten.

Und so haben Schifra und Pua, die beiden mutigen Hebammen, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt. Sie haben ihr Leben riskiert, um Leben zu retten. Sie haben sich auf die Seite von Gott gestellt, auf die Seite der Unterdrückten. Mit ihrem mutigen Handeln haben sie im Grunde auch das Leben von Mose gerettet, der gerade geboren wurde. Ihre Haltung hat zu einer Konfrontation mit dem König geführt, der sie in den Palast zitierte (Vers 18). Gott hat sie inspiriert, um mit Weisheit zu antworten! Oft in der Geschichte haben Frauen eine wichtige Rolle in Widerstandsbewegungen gespielt. Ich denke heute an die Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi in Burma, die 1991 den Friedensnobelpreis erhielt und seit ihrem Wahlsieg unter Hausarrest steht. Ich denke an die Mütter in Argentinien, die während Jahren die Aufklärung ihrer verschwundenen Söhne gefordert haben. Das Böse kann nur triumphieren, wenn das Gute sich weigert, Stellung zu nehmen. Schifra und Pua haben Stellung bezogen in einer extrem schwierigen Situation.

Sie erinnern uns an die Apostel Petrus und Johannes, die auch Stellung bezogen und Farbe bekannt haben, als das jüdische Gericht in Jerusalem ihnen verbot, in der Öffentlichkeit von Jesus zu reden. Sie antworteten: «Wollt ihr tatsächlich von uns verlangen, dass wir euch mehr gehorchen als Gott?» (Apostelgeschichte 4,19). Auch Schifra und Pua haben Gott mehr gehorcht als dem Pharao. Ehrfurcht vor Gott zu haben bedeutet, sich ihm zur Verfügung zu stellen, damit Gott seinen Plan ausführen kann. Ehrfurcht vor Gott zu haben bedeutet, Gott ernst zu nehmen und ihn zu respektieren.

Menschen, die Ehrfurcht vor Gott haben, sind gesegnete Menschen. Das durften auch Schifra und Pua erfahren: Auch Gott ist zu ihnen gestanden und hat sich um ihr Wohlergehen gekümmert: Verse 20-21: «Weil die Hebammen Ehrfurcht vor Gott hatten, tat er ihnen Gutes und schenkte ihnen viele Kinder. Das Volk Israel wurde immer grösser und mächtiger.» Im Segen Gottes verschwindet die Trennlinie zwischen Familie und Volk, sie werden eins. Als Hebammen waren Schifra und Pua Lebenshelferinnen. Weil sie Ehrfurcht vor Gott hatten, hatten sie auch Ehrfurcht vor dem Leben. Durch ihr Handeln retteten und bewahrten sie Leben. Gott segnete sie mit dem Geschenk von Leben und dieser Segen schliesst auch das Volk mit ein. Ja, der Segen für die Zukunft des Volkes kommt durch das Handeln der beiden mutigen Frauen. Gott ist ein Gott des Lebens und Ehrfurcht vor Gott führt zum Leben. Das sagen uns auch die Sprüche 19,23: «Wer Gott achtet und ehrt, hat ein gutes Leben. Er kann ruhig schlafen, denn Angst vor Unglück kennt er nicht.» (Einheitsübersetzung: Die Gottesfurcht führt zum Leben...)

Habe ich Ehrfurcht vor Gott?

Habe ich als Mensch, als Mann, als Frau, als Jugendlicher Ehrfurcht vor Gott? Fassen wir noch einmal zusammen, was für Kennzeichen wir bei Schifra und Pua erkennen, die auf ihre Ehrfurcht vor Gott hinweisen und fragen wir uns, ob wir diese Qualitäten auch in unserem Leben finden:

1. Mut: Sie waren mutig! Ehrfurcht vor Gott, Gottesfurcht schliesst Menschenfurcht aus! Wer Gott fürchtet, fürchtet die Menschen nicht, welches auch ihre Stellung und ihre Macht sei!

2. Gehorsam: Sie waren zuallererst Gott gehorsam. Das war ihre oberste Priorität. Wer Gott fürchtet, ist Gott gehorsam – auch in schwierigen Umständen, wenn es uns etwas kostet und mit Nachteilen verbunden ist.

3. Tat: Ehrfurcht vor Gott zeigt sich nicht nur in der Anbetung, sondern vor allem im Handeln. Schifra und Pua haben gehandelt. Ihre Ehrfurcht vor Gott war nicht einfach ein Lippenbekenntnis ihres Glaubens, sondern führte zur Tat.

4. Weisheit: Wer Gott fürchtet, lässt sich von seinem Geist leiten, ein Geist der Weisheit, der uns hilft, weise zu reden und zu handeln. Schifra und Pua sind uns darin ein Beispiel. Sie haben erlebt, was Jesus seinen Jüngern sagte in Matthäus 10,19-20: «Wenn ihr verhört werdet, sollt ihr euch nicht darum sorgen, was ihr zu sagen habt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte Wort geben. Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Geist eures Vaters im Himmel wird durch euch sprechen.» Ein kleines Detail zu diesem Kennzeichen der Weisheit: Hebamme heisst auf Französisch 'sage-femme', eine weise Frau. Ja, das waren sie im wahrsten Sinne des Wortes.

Sprüche 9,10-(12): «Alle Weisheit beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor Gott hat. Den heiligen Gott kennen, das ist Einsicht! (Ich, die Weisheit, schenke dir ein langes und erfülltes Leben. Du tust dir selbst etwas Gutes, wenn du weise bist.)»

Paulus rät Timotheus, sich in der Tugend der Gottesfurcht zu üben:

«Übe dich selbst in der Gottesfurcht. ... Die Gottesfurcht ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheissung dieses und des zukünftigen Lebens. ... Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, weil wir auf den lebendigen Gott hoffen, welcher ist der Heiland aller Menschen...» (1. Timotheus 4,7-10, Luther)

(«... setze deine ganze Zeit und Kraft dafür ein, Gott immer besser zu dienen. ... Wenn du dich im Gehorsam gegen Gott übst, gewinnst du dieses und das zukünftige Leben. ... Auf Gott allein haben wir unsere Hoffnung gesetzt, auf den lebendigen Gott.» Hoffnung für alle)

Wir sind nicht alle wie Mose, aber wir alle können, wie Schifra und Pua, in Ehrfurcht vor Gott leben und seinen Willen tun, da wo wir sind. Was bedeutet für mich, in Ehrfurcht vor Gott leben?

Psalm 111,10: «Alle Weisheit fängt damit an, dass wir ihn ernst nehmen. Wer sein Leben nach Gottes Geboten ausrichtet, der allein gewinnt Einsicht (und) nie wird das Lob unseres Gottes verstummen!»

Sprüche 1,7-9: «Alle Erkenntnis beginnt damit, dass man Ehrfurcht für dem Herrn hat. Nur ein Dummkopf lehnt Lebensweisheit und Selbstbeherrschung ab. Mein Sohn, denke immer an die Ermahnung deines Vaters, und habe die Weisung deiner Mutter stets vor Augen: Wenn du auf ihre Worte hörst, wirst du Ehre und Anerkennung erlangen.»

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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