Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 15.4.2007 (Martin Gossauer)

Kann man heute noch an Jesus glauben?
Thomas - den Auferstandenen berühren
(Johannes 20, 19-31)

19 An diesem Sonntagabend hatten sich alle Jünger versammelt. Aus Angst vor den Juden ließen sie die Türen fest verschlossen. Plötzlich war Jesus bei ihnen. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie: «Friede sei mit euch!»
20 Dann zeigte er ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite. Als die Jünger ihren Herrn sahen, freuten sie sich sehr.
21 Und Jesus sagte noch einmal: «Friede sei mit euch! Wie mich der Vater in diese Welt gesandt hat, so sende ich euch in die Welt!»
22 Dann hauchte er sie an und sprach: «Empfangt den Heiligen Geist!
23 Wem ihr die Sünde erlasst, dem ist sie erlassen. Und wem ihr die Schuld nicht vergebt, der bleibt schuldig.»
24 Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war nicht dabei gewesen, als dies geschah.
25 Deshalb erzählten sie ihm: «Wir haben den Herrn gesehen!» Aber zweifelnd antwortete er: «Das glaube ich erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen. Eher werde ich es nicht glauben.»
26 Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war Thomas bei ihnen. Und obwohl sie die Türen wieder abgeschlossen hatten, stand Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: «Friede sei mit euch!»
27 Dann wandte er sich an Thomas: «Lege deinen Finger auf meine durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und lege sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!»
28 Thomas antwortete nur: «Mein Herr und mein Gott!»
29 Doch Jesus sagte zu ihm: «Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können erst die sein, die nicht sehen und trotzdem glauben.»
30 Die Jünger erlebten noch viele andere Wunder Jesu, die nicht in diesem Buch geschildert werden.
31 Aber die hier aufgezeichneten Berichte wurden geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und ihr durch den Glauben an ihn das ewige Leben habt.

Einleitung

Es ist schwierig an Jesus und seine Auferstehung zu glauben. Es ist schwierig an Gott zu glauben in einer Welt, die geprägt ist von Krieg, Leiden und Tod. Es ist schwierig an Gott zu glauben mit all den Fragen, die das Leben einem stellt.

Die Jünger von Jesus hatten ihre liebe Mühe an ihn zu glauben, als den auferstandenen Sohn Gottes. Es ist schwierig zu glauben, wenn man den Tod erlebt hat, wenn man in der Angst und im Zweifel lebt.

Es ist schwierig, heute an Jesus als den Auferstandenen zu glauben ... weil in dieser Welt heute Gewalt, Hass, Krieg und Tod immer noch an der Tagesordnung sind, und wir nicht weniger Fragen haben ... Wie kann man an einen auferstandenen Jesus glauben, der uns das Leben schenkt, in einer Welt ohne Zukunft, die auf den Tod zugeht?

Bekannte Schweizer Persönlichkeiten äussern sich zum Thema 'Auferstehung':

Francine Jordi, populäre Sängerin der Schweiz: «Der Glaube an Gott ist ein zentraler Punkt in meiner Familie und in meinem Leben. Natürlich glaube ich an Jesus Christus und seine Auferstehung.»

Stéphane Lambiel, Eiskunstläufer: «Auferstehung? Mmmm, darüber habe ich nicht wirklich nachgedacht. Keine einfache Frage. Es ist schwierig für mich, mir vorzustellen, was nach dem Tod sein wird.»

Heinz Inniger, Snowboard-Profi: «Ich glaube an die Auferstehung von Jesus. Dank der Auferstehung werden mir meine Sünden vergeben, und ich muss nicht perfekt sein und darf Fehler machen.»

(Beispiele von Prominenten aus der Zeitung 'Viertelstunde')

Es ist schwierig, heute an Jesus zu glauben, an das Leben von Gott ... und Sie, glauben Sie an ihn?

Das Evangelium wurde geschrieben und uns überliefert, damit wir an Jesus glauben und damit wir durch ihn leben:

«Aber die hier aufgezeichneten Berichte wurden geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und ihr durch den Glauben an ihn das ewige Leben hab.» (Vers 31).

Dieser Vers ist eigentlich der ursprüngliche Abschluss des Johannesevangeliums, ein eindrücklicher Schlusspunkt! Das Kapitel 21 ist eine Art Epilog, der später durch Jünger des Johannes beigefügt wurde. Das Ziel dieses Buches ist also klar: ... damit ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und ihr durch den Glauben an ihn das ewige Leben habt».

Jesus, der Sohn Gottes

Das Johannesevangelium beginnt mit: «Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.» Und es schliesst mit der Aussage: «Jesus Christus ist der Sohn Gottes.» Das ganze Evangelium ist eingebunden, eingeschlossen in diese beiden Bestätigungen am Anfang und am Ende. Das ist nicht einfach ein literarischer Kunstgriff, (sagt André Sève in seinem Kommentar), sondern mit dieser Prägnanz am Start und am Ziel seines Evangeliums will Johannes uns zu verstehen geben, dass es sich hier nicht um eine Biographie von Jesus handelt, und noch weniger um eine Sammlung von erbaulichen Gedanken oder um ein moralisches Handbuch. Das Evangelium ist ein Buch, das Anstoss erregt, verblüfft, ja schockiert, ein Buch alleine dafür geschrieben, damit wir, wie ein Schlag ins Gesicht, mit dieser unerhörten Offenbarung konfrontiert werden: «Ich rede zu euch von einem Mann, Jesus, der vor zweitausend Jahren in Galiläa gelebt hat. Dieser Mensch ist der Sohn Gottes.»

Die Seiten des Evangeliums sagen uns immer wieder – mit allen möglichen Mitteln, mit dem Blick auf Jesus, mit seinen Gleichnissen und Wundern, mit seinen Worten und Zeichen, mit Anspielungen, die uns diese Wahrheit nahe legen und mit direkten Hinweisen, was selten ist – immer wieder sagen uns die Seiten des Evangeliums: «Dieser Mensch ist Gott.» Und der Schluss schlägt den Nagel vollends ein: «Seht ihr nun, warum dieses Buch geschrieben wurde? Damit ihr glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist.»

Das zu glauben, an ihn zu glauben, bedeutet ein Christ zu sein. Millionen von Menschen glauben an Gott, aber nur die Christen fügen diesem Glauben eine Bestätigung bei, welche Juden und Muslime vehement verwerfen: Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist; und der Sohn wurde Mensch in Jesus von Nazareth.

Menschen, die zur Zeit Jesu mit ihm im Kontakt waren, ahnten etwas von seinem Ursprung, doch erst nach der Auferstehung hören wir diesen Ruf der Liebe, des Glaubens und der Anbetung, den Thomas im Namen aller ausstösst: «Mein Herr und mein Gott!»

Doch bis es soweit ist, fällt es schwer zu glauben ... an jenem ersten Auferstehungstag sind die Jünger, trotz dem leeren Grab, alle mehr erstaunt als überzeugt. Indem sie sich einschliessen, aus Angst vor Vergeltungsschlägen, bestätigen sie, dass sie die Bedeutung der Auferstehung, wie sie von den ersten Zeugen verkündet wurde, nicht in vollem Masse erfasst haben. Nach der Erscheinung des lebendigen Christus können sie zu Thomas sagen: «Wir haben den Herrn gesehen.» Doch Thomas lässt sich nicht so leicht überzeugen. Er weiss, dass die Prüfungen des Lebens einen an allem zweifeln lassen, vor allem an Gott. Er hat den Mut und die Demut, seine Zweifel zuzugeben und dazu zu stehen. Ja, es ist schwierig zu glauben ...

Gott sucht uns auf in unserer Situation

Die gute Nachricht des Evangeliums ist, dass Gott immer zu uns kommt in unserer Situation. So wie Jesus die Jünger in ihrer Eingeschlossenheit aufgesucht hat und Thomas in seinen Zweifeln, so will Gott in Jesus zu uns kommen, in unsere Ängste, unsere Verzweiflung, unsere Fragen und Unsicherheiten, er will zu uns kommen bis zuhinterst in die Ecken, in die wir uns zurückgezogen und verschanzt haben, allein ohne Hoffnung und mit unserer Skepsis.

Er kommt zu uns und gibt uns seinen Frieden: «Friede sei mit euch!» Dreimal sagt Jesus diese Worte, als er seinen Jüngern erscheint (V. 19, 21, 26). Wenn Gott zu uns kommt, bringt er uns zuerst seinen Frieden in unsere unruhige, ungeordnete Situation. Er sagt uns: Hab keine Angst, ich bin da mit dir. Und ein tiefer Friede dringt in unser Herz ein.

Nur mit diesem Frieden sind die Jünger bereit, den Lebensatem des Geistes und die Sendung von Jesus zu empfangen: «Und Jesus sagte noch einmal: «Friede sei mit euch! Wie mich der Vater in diese Welt gesandt hat, so sende ich euch in die Welt!» Dann hauchte er sie an und sprach: «Empfangt den heiligen Geist!» (V. 21-22) Inspiriert durch seinen Geist und bevollmächtigt durch seine Sendung, werden die Jünger in seinem Namen reden und handeln. Jesus überträgt ihnen seinen Auftrag: Die gute Nachricht zu verkünden, die befreit, und einen Dienst der Vergebung zu erfüllen. Der Auftrag eines Nachfolgers, einer Nachfolgerin von Jesus ist es, hinauszugehen und so viel als möglich von dem Erbe seines Meisters auszuteilen, solange der Geist wirkt und der Glaube da ist.

Auch heute, wenn wir versucht sind, ängstlich die Türen zu verriegeln aus Furcht vor der Zukunft, kommt Jesus zu uns und will uns begegnen. Keine Abschrankung, kein Schloss können den Auferstandenen auf Distanz halten. So wie er mitten unter seinen Jüngern gegenwärtig war, in ihrer Abgeschlossenheit, so will er auch in unser Leben hereinbrechen und uns seinen Frieden geben. Und wenn dann sein Geist weht, brechen die Mauern unserer Gefängnisse ein, und wir können uns hinauswagen. Öffnen wir unsere Türen dem auferstandenen Christus! Er will uns befreien, uns von unseren 'tödlichen' Situationen auferwecken. Er will uns aus unsern Gräbern hinausführen und uns, in seinem Namen, in diese Welt senden, so wie er von seinem Vater gesandt wurde, um sein Leben zu bringen, um den Menschen zu sagen: Jesus, der Sohn Gottes, lebt. Und wenn ihr an ihn glaubt, habt ihr das Leben durch ihn! Als Christen, als Nachfolger von Jesus übernehmen wir seinen Auftrag! Wir tragen den Lebensatem seines Geistes in uns, wir führen sein Werk fort: «Ihr seid der Leib Christi... ihr seid der Tempel des Geistes ...», sagt Paulus.

Den Auferstandenen berühren

Doch an Jesus, den Auferstandenen glauben, sich von ihm senden lassen und seinen Auftrag übernehmen, ist alles andere als selbstverständlich. Und an diesem Punkt können wir uns mit Thomas identifizieren, er, der auch Mühe hatte, weiterzufahren. Er kann nicht glauben, was die andern erzählen und gesehen haben. Er will selber sehen, und nicht nur das. Er muss ihn anfassen können ... «Eher werde ich nicht glauben» (V.25). Und Jesus sagt zu ihm: «Lege deinen Finger auf meine durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und lege sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!» (V. 27).

Wie Thomas möchten auch wir sehen und anfassen, um zu glauben. Die Menschen heute haben es nötig, zu sehen und anzufassen um zu glauben. Aber wie können wir Gott anfassen, dessen Reich, so sagt Jesus, «mitten unter euch» ist? Seine Finger auf die Wunden des Auferstandenen legen, seine Hand an seine Seite legen ... was bedeutet das heute?

Das kann für uns heissen, unsere Finger auf unsere eigenen Verletzungen und Leiden zu legen, auf unsere Sünden, auf all das, was uns sterben lässt, und so allem auf den Grund zu gehen, was uns von dem Gott des Lebens trennt. An diesem Ort will er, der den Tod besiegt hat und lebendig ist, uns begegnen und uns sein Leben schenken. Vielleicht ist es notwendig, diesen tiefsten Abgrund zu berühren, um wieder zum Leben hinaufzusteigen und von ganzem Herzen sagen zu können: «Mein Herr und mein Gott»?!

Das kann für uns und unseren Auftrag in dieser Welt heissen, dass wir die Leiden und Verletzungen unserer Mitmenschen berühren müssen, denn es ist an diesem Ort, wo er, der alles Leid der Welt am Kreuz getragen hat, uns begegnen will und durch unsere Gegenwart all jenen, die ohne Hoffnung sind, neuen Lebensatem einhauchen will.

Das kann für uns, als Ausgesandte in dieser Welt, heissen, dass wir uns selber berühren lassen von der Menschenmenge, die heute weit entfernt von Gott und verzweifelt auf der Suche nach dem Glauben ist. Dass wir mitten unter unseren Nächsten diese Gegenwart von Jesus leben, dem auferstandenen, lebendigen Sohn Gottes. Die Welt heute braucht Christen, die man anfassen kann, (Salutisten und Methodisten, die man anfassen kann).

Schlussfolgerung

Es ist schwierig, heute noch an Gott, an Jesus, den auferstandenen Sohn Gottes, zu glauben ... doch Gott kommt immer zu uns und will uns in seiner Liebe begegnen, uns seinen Frieden und seinen Lebensatem schenken. Und Thomas spricht schliesslich dieses wunderbare Glaubensbekenntnis aus: «Mein Herr und mein Gott!» Das ist der Glaubensschrei eines Menschen, der es nicht mehr nötig hat, anzufassen. Er hat verstanden, dass Jesus, selbst unsichtbar, da ist! Er ist gegenwärtig, auch in der Stunde seiner Zweifel. «Wie glücklich können (erst) die sein, die nicht sehen und trotzdem glauben», sagt Jesus (V. 29).

Wenn wir uns mit Thomas, mit seinem Zweifel und seinem Unglauben identifizieren können ... können wir es auch mit seinem Glaubensbekenntnis?

So wie Jesus sind wir eingeladen, die Thomase in unserer Mitte aufzunehmen ... all jene, die ein Rendez-vous mit Jesus 'verpasst' haben ... all jene, die zweifeln ... all jene, die Recht haben zu sagen, dass sie anfassen müssen, um glauben zu können, dass sie eine sichtbare Gegenwart des Auferstandenen brauchen. Auch mit all diesen Thomasen will Gott sein Reich weiterbauen, auch all diese Thomase will Gott aussenden, denn Thomas gehörte und gehört ja immer noch zu den zwölf Jüngern.

Es ist schwierig, heute noch an Jesus, den Auferstandenen zu glauben ... doch wir wollen es wagen.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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