Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 18.3.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)

An welchen Gott glauben wir?
(Matthäus 4, 1-11)

In den verschiedenen Heilsarmee-Gemeinden, die wir geleitet haben, habe ich mir immer wieder die gleichen zwei Fragen gestellt. Vor oder nach Gesprächen oder und während der Vorbereitung von Predigten stelle ich mir – auch heute noch – die Frage: Was haben diese Menschen nötig? Was haben Sie als Zuhörer heute Morgen nötig, nach einer Woche, die aus Freuden, aus Sorgen, aus Problemen bestanden hat? Was ist Ihr innerster Wunsch?

Die zweite Frage lautet: An welchen Gott glauben diese Menschen?

Wer ist dieser Gott für Sie? Haben Sie zu ihm und zu Jesus eine persönliche, eine lebendige Beziehung? Ist diese Beziehung eine Freude oder eine Pflicht für Sie?

Was haben Sie an diesem Sonntagmorgen nötig? Selbst wenn Sie alle so neben einander sitzen, sind doch Ihre Lebensumstände so verschieden! Unsere persönlichen Geschichten sind unterschiedlich und unsere Erfahrungen mit Gott auch! An welchen Gott glauben wir? Ist es ein «Super-Gott», ein übermächtiger Gott? Ein Gott, der – wie es in den Psalmen heisst – «den Feind auslöscht»? Oder ist es eher ein diskreter Gott? «Der verborgene Gott», von welchem Jesaja spricht? Ist es der Gott, der sich durch Jesus zum Menschen machte? Der wie wir gelebt hat und die Leiden derjenigen auf sich genommen hat, denen er begegnet ist? An welchen Gott glauben Sie?

In dieser Passionszeit wollen wir uns einem wichtigen Text zuwenden und ihn zusammen betrachten in Matthäus 4, 1 – 11: Die Versuchung von Jesus in der Wüste.

01 Danach wurde Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, wo ihn der Teufel versuchen sollte. 02 Vierzig Tage und Nächte lang ass er nichts. Der Hunger quälte ihn. 03 Da kam der Teufel zu ihm und forderte ihn heraus: «Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!» 04 Jesus antwortete: «Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: 'Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was der Herr ihm zusagt!'» 05 Da nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn an den Rand der Tempelmauer. 06 «Spring hinunter!» forderte er Jesus auf. «Du bist doch Gottes Sohn! Und es steht geschrieben: Gott wird seine Engel schicken. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!'»07 Jesus entgegnete ihm: «Es steht aber auch geschrieben: 'Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!'» 08 Nun führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. 09 «Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest», sagte er. 10 Aber Jesus wies ihn ab: «Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben: 'Bete allein Gott, deinen Herrn, an und gehorche ihm!'» 11 Da gab der Teufel auf und verliess ihn. Und die Engel Gottes kamen und sorgten für Jesus.

In seinem Buch «In the name of Jesus» über christliche Führerschaft richtet Henri Nouwen ein besonderes Augenmerk auf die drei Versuchungen, die Jesus widerfahren sind. In diesem kleinen Buch, das ich immer wieder zur Hand nehme, erklärt Henri Nouwen, dass diese Versuchungen, denen Jesus ausgesetzt wurde, auch für uns Christen sehr real sind. An diesem Morgen möchte ich seine Art der Interpretation mit Ihnen teilen.

1° Die erste Versuchung steht in Matthäus 4, 3: Da kam der Teufel zu ihm und forderte ihn heraus: «Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!» Henri Nouwen erkennt darin die Versuchung etwas machen zu wollen... Die Versuchung Wunder machen zu wollen! Und er schreibt dazu: «Steine zu Brot machen! Wie oft hätte ich das gerne machen können. Ich bin durch das Elendsviertel von Lima in Peru gegangen, wo die Kinder an Unterernährung sterben und verschmutztes Wasser trinken müssen. Da hätte ich diese Gabe, Wunder zu vollbringen, nicht zurückgewiesen ... Sind wir nicht dazu aufgerufen, die Leiden der Armen zu lindern? Jesus wurde mit diesen gleichen Fragen konfrontiert. Und als er aufgefordert wurde, seine Macht als Sohn Gottes unter Beweis zu stellen, indem er Steine zu Brot machen sollte, da ist er seinem Auftrag treu geblieben: das Wort Gottes zu verkündigen, und er antwortete: «Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was der Herr ihm zusagt!» (Zitat aus S. 28 des Buches).

Mit diesem ersten Test schlägt der Teufel Jesus ein egoistisches Wunder vor. Wem sonst nützen diese Steine, die zu Brot werden, als Jesus selbst? Jesus, der einen leeren Magen hat und geschwächt ist? Aber die Macht, Wunder zu vollbringen, wurde Jesus von Gott geschenkt, um anderen Menschen zu helfen, und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Wir sehen, woher Jesus die Kraft für sein «Nein» nimmt. Er setzt den materiellen Dingen – dem Brot – die geistlichen Realitäten entgegen: Gottes Wort. Jesus lehnt es ab, magische Dinge zu tun, um damit seine wirkliche Identität als Sohn Gottes zu beweisen: «Wenn du der Sohn Gottes bist ... » Er lehnt es ebenso ab, Mittel zu gebrauchen, die nicht dem Auftrag dienen, der ihm anvertraut wurde.

An welchen Jesus glauben wir? Wollen wir einen Jesus, der egoistische Wundertaten vollbringt? Oder wünschen wir uns einen Jesus, der sagt, dass das Wichtigste nicht das Geld, sondern die Liebe und die Werte aus dem Wort Gottes sind. Mich persönlich berührt dieser Jesus sehr, der die Macht von sich weist. Er erweckt mein Vertrauen.

2° Die zweite Versuchung steht im Vers 6: «Spring hinunter!» forderte er Jesus auf. «Du bist doch Gottes Sohn! Und es steht geschrieben: Gott wird seine Engel schicken. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!'» Für Henri Nouwen handelt es sich hier um die Versuchung des Spektakulären, um die Versuchung, Beifall zu bekommen! Anders gesagt: es ist der Wunsch nach Popularität! Sich von der Tempelmauer zu stürzen und von den Engeln aufgefangen zu werden! Das wäre schon damals im Stil von James Bond gewesen, und ein solches Spektakel zieht das Volk an. Warum möchte Jesus nicht beweisen, dass Gott ohne Probleme Engel schicken könnte, um ihn zu tragen? Am Kreuz wird Jesus noch einmal diese Versuchung des Spektakulären erleben: durch Menschen, die vorübergehen, die ihm sagen werden: «Jetzt rette dich selber und komm vom Kreuz herunter!» (Markus 15, 30. Anders ausgedrückt: Zeig deine Macht, wenn du überhaupt eine hast!

An welchen Jesus glauben wir? An einen Jesus, der etwas Spektakuläres tut, um sich einen Namen zu machen? Oder an einen Jesus, der seiner eigenen Identität sicher ist, weil sein Vater einige Tage vorher zu ihm gesagt hat: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Freude habe!» (Matthäus 3, 17).

Mir persönlich vermittelt dieser Jesus, der weiss, wer er ist, und der den Manipulationen des Satans widersteht, eine wirkliche Kraft.

3° Die dritte Versuchung steht im Vers 9: «Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest.» Henri Nouwen erkennt darin die Versuchung der Machtausübung. «Ich gebe dir alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit», sagt der Satan zu Jesus. Henri Nouwen schreibt dazu: «Die christliche Führerschaft ist nicht eine Führung der Macht und der Kontrolle, sondern eine Führung der Machtlosigkeit und der Demut, durch welche sich der leidende Diener Gottes, Jesus Christus, zeigt. Die Macht muss immer zu Gunsten der Liebe aufgegeben werden.» (Zitat aus S. 68)

Diese drei Versuchungen können eigentlich in einem einzigen Wort zusammengefasst werden: Allmacht! Simone Pacot, eine bekannte Autorin in Frankreich, definiert es so: «Allmacht heisst dass wir uns für Gott halten oder ohne Gott auskommen wollen.»

Jesus hat dem Teufel widerstanden und hat uns den Weg der inneren Befreiung gegenüber den materiellen Versuchungen erschlossen, gegenüber unserem Verlangen, geschätzt und gelobt zu werden, gegenüber unserem Verlangen nach Macht und unserem Wunsch, einen Einfluss auf andere Menschen und Dinge auszuüben ... Jesus hat in der Wüste die Versuchung der Allmacht besiegt. In seinen Antworten zeigt Jesus eine andere Macht auf: eine Macht, die aus der Verbindung mit seinem Vater kommt. Weil er nichts beweisen muss, kann er mit der Schrift, dem Wort Gottes, antworten und muss nicht argumentieren. Darüber hinaus hat Jesus mit seinen Antworten die Wahrheit wiederhergestellt. Er erinnert den Teufel an das, was richtig ist, und was nicht richtig ist. Jesus lehrt uns hier vielleicht sogar eine Technik, die immer noch aktuell ist! Klar gegen alle Kräfte Stellung zu beziehen, die uns manipulieren oder uns vom gesteckten Ziel abbringen wollen. Jesus macht nichts anderes, als dass er das Gesetz zitiert, das heisst das Wort Gottes, und er zeigt uns dadurch, dass er sich auf eine höhere Macht bezieht. In seiner Schwachheit ist Jesus stark. Und durch seine Wahl, die Macht zurückzuweisen, ist er stärker als der Schein, der trügt!

An welchen Jesus glauben wir? Welchen Jesus lieben wir? Einen Jesus, der spektakuläre Dinge tut? Einen Diktator oder einen Diener? Diese Versuchungen sind auf ihre Weise eine Einführung in den Auftrag von Jesus. Sie zeigen uns auf, was Jesus nicht sein will! An dieser Stelle und dann während seines ganzen Dienstes gehören die Wunder, das Wunderbare oder das Magische, nicht zu seiner Priorität. Seine Priorität ist das Wort Gottes, ständig wiederholt, erklärt, gelebt ... Er selber ist «das Wort, das Fleisch geworden ist», die Inkarnation des Wortes Gottes. Wenn das Wort Gottes lebendig ist, bewirkt es das, was Gott aussagt! Dann entstehen Früchte, Handlungen, dann entsteht Wunderbares! Das verkörpern die Evangelien!

Was haben wir nötig? An welchen Jesus glauben Sie? Ich kann nicht für Sie antworten.

Ich für mich weiss, dass ich mein Leben Christus gegeben habe – ihm –, der sein Leben zuerst für mich aus Liebe gegeben hat. Ich weiss, dass ich meinen Glauben in diesen Jesus gelegt habe: diesen Jesus, der dem Teufel widerstanden hat, ohne spektakuläre Handlungen zu benutzen oder Macht zu gebrauchen. Aber es ist ein Jesus, der versucht wurde, wie es mir auch zustösst ... Im Hebräer 2, 18 wird uns gesagt: «Denn weil Jesus selbst gelitten hat und denselben Versuchungen ausgesetzt war wie wir Menschen, kann er uns in allen Versuchungen helfen.» (Hfa) Ich kann ihm also alles sagen. Er will mit mir sein in der Versuchung.

Die Wüsten der Versuchung können auch zu Orten der Befreiung werden; zu Orten des Sieges! Die Kraft und die Stärke sind oft in der Schwachheit verborgen. Das möchte dieser Text uns sagen! Möge der Heilige Geist uns helfen, die Versuchung zu überwinden, die uns überall auflauert: dass wir uns für Gott halten oder dass wir ohne Gott auskommen wollen. Die einzige und alleinige Kraft ist das Wort Gottes. Geben wir ihm den Platz, den es verdient in uns und um uns herum ...

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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