Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 25.2.2007 (Martin Gossauer)

Die Passionszeit – Auf Gott hören
(Markus 1,9-15)

Markus 1,9-15
9 In dieser Zeit kam Jesus von Nazareth aus der Provinz Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Gleich nach der Taufe, als Jesus aus dem Wasser gestiegen war, sah er, wie sich der Himmel über ihm öffnete und der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Dabei hörte er eine Stimme aus dem Himmel: «Du bist mein geliebter Sohn, der meine ganze Freude ist 12 Gleich darauf führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste. 13 Vierzig Tage war er dort den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Er lebte mit wilden Tieren zusammen, und die Engel Gottes dienten ihm.
14 Nachdem Johannes der Täufer vom König Herodes verhaftet worden war, kam Jesus in die Provinz Galiläa, um dort Gottes Botschaft zu verkündigen: 15 «Jetzt ist Gottes Stunde gekommen. Seine Königsherrschaft wird nun aufgerichtet. Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott und nehmt seine Heilsbotschaft im Glauben an!»

Einleitung

Dies ist die Heilsbotschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. (Markus 1,1) Mit diesen Worten beginnt Markus sein Evangelium. Dann fasst er in wenigen Worten die drei Ereignisse zusammen, die den Beginn von Jesu Wirken markieren. Die drei Ereignisse beinhalten drei wesentliche Etappen auf dem Weg von Jesus. Er musste sie durchleben. Er musste sie so, in dieser Reihenfolge, erleben:

1. Etappe: Die Bestätigung von Gott, seinem Vater

Nach seiner Taufe kam Gottes Geist auf Jesus herab und er hörte die Stimme seines Vaters: Du bist mein geliebter Sohn, der meine ganze Freude ist. (Vers 11) Zu Beginn seines Wirkens hatte Jesus es nötig, diese Bestätigung zu erhalten und zu hören. Als Mensch wie wir stand er vor einem unmöglichen Auftrag: Mission Impossible! (Zwar eine andere Art von Auftrag, als derjenige des Geheimagenten Ethan Hunt, alias Tom Cruise, im erfolgreichen, gleichnamigen Thriller «Mission: Impossible»). Gott erinnert ihn: Durch meinen Geist bist du mit mir verbunden und handelst in meiner Vollmacht. Ich bin dein Vater, du bist mein Sohn. Ich bin mit dir, du kannst nichts ohne mich tun. Jesus kann seinen Auftrag nur aus dieser Verbundenheit heraus ausführen und durch sein ganzes Wirken hindurch weist Jesus darauf hin.

2. Etappe: Jesus wird auf die Probe gestellt

Jesus verbringt 40 Tage in der Wüste und Markus betont, dass Gottes Geist mit ihm war. Während dieser Zeit wird er vom Teufel versucht und es ist genau diese Beziehung Vater – Sohn, die auf die Probe gestellt wird. Dazu herausgefordert, sich selber vorzuziehen, bleibt Jesus im Gegenteil Gott, seinem Vater und seinem Auftrag den Menschen gegenüber treu. Jesus geht siegreich aus dieser Versuchung vor, mit Gott vereint in einer Beziehung, die noch stärker geworden ist.

3. Etappe: Jesus verkündet die gute Nachricht

Nun ist Jesus bereit, das zu tun und das zu sagen, was von Gott kommt. Er verkündet Gottes Botschaft: Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott und nehmt seine Heilsbotschaft im Glauben an! (Vers 15) Oder mit den bekannten Worten in der Zürcher Bibel: Tut Busse und glaubet an das Evangelium.

Tut Busse und glaubet an das Evangelium

Während unserer Zeit am Internationalen Hauptquartier in London besuchten wir ab und zu das Abendgebet in der anglikanischen St. Pauls-Kathedrale gleich nebenan. So auch einmal zu Beginn der Passionszeit, der mit einem bestimmten Ritual markiert wird: Jeder Teilnehmer erhält auf seiner Stirne ein Aschenkreuz gezeichnet. Die Asche ist in der jüdischen Tradition ein Symbol für Busse. Dazu sagt der Priester jedes Mal die Worte aus dem Markusevangelium: Tut Busse und glaubet an das Evangelium! Wieder auf der Strasse, kam ich mir dann etwas seltsam vor, mit meinem Aschenkreuz auf der Stirne, doch diese konkrete Geste half mir, ganz bewusst die Passionszeit zu erleben.

Seit letztem Mittwoch befinden wir uns in der Passionszeit, die uns auf Ostern hinführt. Diese vierzig Tage, auch Fastenzeit genannt, beruhen auf den vierzig Tagen, die Jesus in der Wüste verbracht und gefastet hat. (Im Französischen kommt das Wort «carême» vom lateinischen «quadragesima», was ganz einfach «vierzig» bedeutet). Wie Jesus sind wir eingeladen, aus dieser Zeit eine Wüstenzeit zu machen, in der wir uns zurückziehen und unsere Beziehung als Sohn, als Tochter Gottes einer eingehenden Prüfung unterstellen. Es soll eine Zeit der geistlichen Erneuerung sein, sozusagen eine geistliche Retraite, in der wir unsere geistliche Gesundheit einer Bilanz unterziehen, so wie wir das von Zeit zu Zeit bei einem Arzt tun für unsere körperliche Gesundheit.

Es werden uns ganz praktische Hilfsmittel angeboten, die es uns erleichtern können, uns dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren: Als Erstes das tun, was Jesus getan hat: fasten. Wir tun etwas Gutes für unseren Körper und sensibilisieren unser Gehör für Gottes Stimme. Wir können auch auf etwas verzichten, das uns im Alltag zu sehr in Beschlag nimmt, zum Beispiel Fernsehen, Süssigkeiten, Kaffee, Internet – und die dadurch freigewordene Kraft und Zeit ins Hören auf Gott investieren. Wir können ganz einfach weniger an uns selber denken und mehr an die andern, wie die Heilsarmee es uns vorschlägt mit der Aktion «Teilen und beten». Auf die eine oder andere Weise sollte es uns möglich sein, jeden Tag eine zusätzliche Viertel- oder Halbestunde Gott zu schenken. Markus sagt über die Zeit von Jesus in der Wüste, und ich liebe diesen Hinweis: Er lebte mit wilden Tieren zusammen, und die Engel Gottes dienten ihm (Vers 13b). Eine solche Wüstenzeit, eine solche Lebensrevision führt uns in die Tiefen von uns selber und unseren Schattenseiten, um uns dann näher zu Gott zu führen. Es regen sich wilde Tiere in uns, ja der Teufel fordert uns heraus, doch wir dürfen uns von den Engeln Gottes dienen lassen. Das heisst, wir dürfen uns von Gott beschenken lassen. Jemand hat dies in einem Gebet so ausgedrückt:

Herr Jesus, ich habe mich nicht nur von dir entfernt, sondern auch von mir. Führe mich zu mir zurück, damit ich von mir aus wieder den Weg zu dir finde. Lass mich meine Dunkelheiten erkennen, damit ich dein Licht suche.

Wenn wir uns näher betrachten, bemerken wir unser Verlangen, uns zu ändern, umzukehren. Der Aufruf von Jesus am Anfang seines Wirkens ist klar: Tut Busse und glaubt an das Evangelium. Dieser Aufruf ergeht auch zu Beginn jeder Passionszeit, er richtet sich auch an uns. Was heisst denn eigentlich «Busse tun»? Die neueren Übersetzungen helfen uns beim Verständnis, wenn sie, wie die Hoffnung für alle, dies mit den Worten wiedergeben: Ändert euch von Grund auf, kehrt um zu Gott.

Die Passionszeit als Wüstenzeit erlebt, lädt uns ein, unsere ganze Aufmerksamkeit Gott zu schenken, uns ihm neu zuzuwenden, auf ihn und auf sein Wort zu hören. Zuallererst geht es weniger darum, unseren Egoismus abzulegen und sich in einer neuen Lebensweise zu engagieren. Das Wesentliche bei dieser Umkehr besteht vielmehr darin, dass wir uns dem zuwenden, der ruft. Um eine Botschaft aufzunehmen, müssen wir zuerst unseren Blick auf den Botschafter richten. Es geht nicht zuerst um ein Lebensprogramm, sondern um die Begegnung mit dem, der uns Leben verspricht. Die Umkehr, zu der Jesus uns aufruft, besteht vor allem in einer Vertiefung unserer persönlichen Beziehung mit ihm. Sich Zeit nehmen, um Jesus besser zu sehen und zu hören!

Durch diese Begegnung mit Jesus will Gott uns neu als seine Kinder bestätigen und uns sagen: Du bist mein Sohn, meine Tochter, du gehörst mir, ich habe Freude an dir. Im 1. Johannesbrief, Kapitel 3, Vers 1-3 lesen wir: Seht doch, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns schenkt! Denn wir dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen, sondern wir sind es wirklich. ... Meine Lieben! Wenn wir schon jetzt Kinder Gottes sind, was werden wir erst sein, wenn Christus wiederkommt! Dann werden wir ihm ähnlich sein und ihn sehen, wie er wirklich ist. Wer diese Hoffnung hat, wird alles daransetzen, ganz für Gott zu leben, so wie Christus es getan hat.

Die Worte von Georg, einem armenischen Mönch, der um das Jahr Tausend lebte, helfen uns, uns Gott in dieser Passionszeit zuzuwenden:
«In meinem Selbstmitleid hatte ich den Mut verloren, Verzweiflung und Zweifel wollten mir das Leben rauben, doch dann schöpfte ich neue Hoffnung und flehte zum dreieinigen Gott, damit er mir Sünder zur Hilfe eile.
Ich halte an in meinen Bitten, nicht um seiner Geschenke willen, sondern weil er das wahre Leben ist und mir den Atem gibt.
Es ist nicht so sehr die Hoffnung, die mich an ihn bindet, sondern vielmehr ist es seine Liebe, die mich zu ihm zieht.
Es sind nicht die Gaben, nach denen ich mich sehne, sondern nach ihm, dem Geber richtet sich mein ganzes Sehnen.
Es ist nicht die Herrlichkeit, die ich suche, sondern den Verherrlichten möchte ich umarmen.
Es ist nicht die Sehnsucht nach Leben, die mich verzehrt, sondern meine Gedanken an den, der das Leben schenkt.
Ich suche nicht nach der Leidenschaft aller Lebensfreuden, aber mein Sehnen nach dem, der mein Leben mit Freude erfüllt, bewegt mein Herz zu Freudentränen.
Es ist nicht die Ruhe, die ich suche, sondern das Angesicht dessen, der die Ruhe schenkt.
Es ist nicht das Hochzeitsmahl, nach dem mich verlangt, sondern nach dem Bräutigam.»

Gebet: Unser Vater im Himmel, mit dem Beispiel von Jesus, der in der Wüste fastete, lädst du uns ein, aus dieser Passionszeit eine heilige Zeit mit dir zu machen. Wir haben den Ruf von Jesus gehört: Tut Busse und glaubet an das Evangelium. Schenke es uns, dass wir in diesen Tagen das Wesentliche des Glaubens wieder entdecken und die Quelle der Liebe wieder finden dürfen in der Begegnung mit Jesus. In der Erwartung der Osterfreude, mit der dein Geist uns erfüllt, bitten wir dies, damit wir gemeinsam die Auferstehung deines Sohnes feiern und an seinem Leben teilhaben dürfen. Amen.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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