Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 11.2.2007 (Martin Gossauer)

Wir sind hierher gekommen, um ihn anzubeten
(Matthäus 2,2)

Einleitung

Wir haben eine Woche der besonderen Art erlebt, über 100 Personen - Kinder, Jugendliche und Erwachsene – haben an unserer Gebetswoche teilgenommen und eine oder mehrere Stunden in der Gegenwart von Gott verbracht im speziell dafür eingerichteten Gebetsraum. Wir wissen nicht, was in jeder Stunde und in jedem Herzen geschehen ist in der Anbetung vor ihm, aber wir sind gewiss, dass Gott Menschenleben berührt und verändert hat. Gott hat uns besucht und beschenkt mit seiner Vergebung, mit neuem Glauben, mit Heilung und Heilsgewissheit, mit Liebe, mit Worten des Lebens. Heute Abend dürfen wir dann mehr davon hören, in der Abschlussfeier, wenn Gelegenheit ist, seine Erfahrungen mit allen zu teilen.

Wir wissen, Gottes Reden und Handeln ist nicht auf einen Raum beschränkt oder auf eine bestimmte Zeit. Seinem Wirken sind keine Grenzen gesetzt. Doch die Erfahrung, dass wir uns auf den Weg machen, hierher kommen und Gott am gleichen Ort, Stunde für Stunde, anbeten, hat ihre Bedeutung. Vor wenigen Wochen haben wir Weihnachten gefeiert und ich denke an die drei Weisen aus dem Orient, die nach Jerusalem kamen und sagten: «Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind hierher gekommen, um ihn anzubeten.» (Matthäus 2,2) Wir sind hierher gekommen, um ihn anzubeten ... Genau das ist in dieser Woche hier geschehen! In einer Stunde diese Woche kam die eingeschriebene Person nicht alleine, sondern begleitet von zwei anderen Personen. Zu dritt konnten sie kaum warten, bis die Türe des Gebetsraumes sich öffnete und sie eintreten durften, um gemeinsam Gott zu begegnen.

Der farbenfrohe, durch unsere Jugendlichen schön dekorierte Raum mag vielen etwas ungewohnt und exotisch vorgekommen sein. Doch die ganze Einrichtung mit allem, was darin ist, war für viele eine Hilfe, ganz neu Gott nahe zu kommen und ihn anzubeten. Die Erfahrung unserer Gebetswoche lässt mich an diesen Bericht der drei Weisen denken, der uns in der Bibel mit den Farben einer orientalischen Legende erzählt wird. Wir sehen sie noch vor uns, wenn wir uns an die Aufführungen der Zäller Wiehnacht erinnern. Drei Männer kommen von weither, lassen sich von einem einfachen Stern leiten und neigen sich schliesslich im Gebet vor einem neugeborenen Kind, das von allen ignoriert wird und dessen Eltern nur einen tristen Unterschlupf fanden für die Geburt.

Lösen wir uns von der blossen Faszination der bildlichen Vorstellung dieser drei Weisen, die für uns zum prägenden Bild der Weihnachtsgeschichte gehören, und öffnen wir uns der reichen Palette von Gedankenanstössen, die uns die Szene bietet in Verbindung mit unserer Erfahrung von dieser Woche oder unserer Erfahrung mit dem Gebet im Allgemeinen.

Die Wahrheit suchen

Die drei Weisen suchen die Wahrheit. Die drei Weisen, so sagt uns die Bibel, kamen aus dem Orient. Dieser Hinweis auf einen Ort, der unserer Kultur ferne ist, auf einen Ort, der weit weg und unbekannt ist, lässt uns erahnen, was für einen langen Weg diese Männer zurückgelegt haben. Aus dem Orient - Raum und Zeit sind in diesen drei kurzen Worten enthalten, doch sie sprechen von mehr als nur einer rein physischen Deplatzierung. Sie legen uns eine lange, geduldige Suche dieser drei Männer nach der Wahrheit nahe. Mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, haben sie, ohne aufzugeben, versucht, die Zeichen zu verstehen, die sie sahen. Ihr Fragen nach der Bewegung der Sterne hat sie schliesslich zum Urheber und Schöpfer dieser Bewegungen geführt. Nichts konnte sie von ihrer Suche abhalten und den Eifer in ihren Herzen stoppen.

Die Wahrheit suchen ist die Aufgabe, zu der jeder Mensch berufen ist, berufen, sie zu erfüllen mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Wenn die drei Weisen, die die heiligen Schriften nicht kannten, sich aufgemacht haben, um dem wahren Gott zu begegnen, dann müssen wir auch aufbrechen und uns auf den Weg machen zu ihm. Diese Gebetswoche bot ganz einfach eine Gelegenheit dazu. Wir sind hierher gekommen, um ihn anzubeten!

Der Mut etwas zu unternehmen

Die Wahrheit finden wir in Christus, offenbart im Wort Gottes und durch den Heiligen Geist. Doch wir müssen, nach dem Beispiel der drei Weisen, aufbrechen, losziehen und uns nicht fürchten vor den Hindernissen unterwegs. Die drei Weisen haben den Mut, etwas zu unternehmen. Es genügt nicht, den Stern zu sehen oder ihn sogar zu erkennen, es genügt nicht, zu wissen, dass in der Bibel die Worte des ewigen Lebens enthalten sind. Wir müssen uns mutig entscheiden, den Weg unter die Füsse zu nehmen, um selber dem lebendigen Gott zu begegnen, der uns ruft, um sein Leben mit uns zu teilen.

Es geht darum, dass wir immer wieder aufbrechen, Tag für Tag, Schritt für Schritt. Das mag nach Routine aussehen, muss es aber nicht sein, wie die Erfahrung dieser Woche zeigt. Mit dem Wort Gottes als Stern, der uns leitet und das zum Wort des Lebens wird, wenn wir es in der Stille vor ihm meditieren, dürfen wir auf dem Weg zu Gott vorankommen. Auch in den Schwierigkeiten, die auftauchen, manchmal schmerzhaft sind und immer verwirrend, auch angesichts des unbekannten Morgen - es geht immer darum, dass wir beharrlich, mit Ausdauer weitergehen, indem wir in unserem Innern das Verlangen nach Gott bewahren, indem wir das Feuer brennen lassen, das Gottes Geist in uns entfacht und den Weg erhellt, dass wir weitergehen, immer mit dem Willen, Gott zu finden, ohne sich von irgendetwas oder irgendjemandem aufhalten zu lassen auf der Weiterreise auf das Ziel zu.

Ich glaube, diese Woche hat einiges ausgelöst bei verschiedenen Personen und Anstoss gegeben, Neues zu wagen im Gebet, in der Begegnung mit Gott. Ich denke zum Beispiel an die zwei Freundinnen, die sich seit zehn Jahren kennen, nun aber zum ersten Mal miteinander beteten.

Gemeinsam unterwegs sein

Die drei Weisen sind gemeinsam unterwegs. Die drei Weisen sind abenteuerliche Forscher. Sie zögern nicht, alles zu verlassen und scheuen keine Schwierigkeiten, doch sie haben die Weisheit, sich nicht alleine auf die weite Reise zu machen. Sie sind zu dritt, um miteinander vorwärts zu gehen.

Sie wissen, dass die Reise beschwerlich sein wird. Vor allem, sie wissen aus Erfahrung, dass hinter jeder Wegbiegung die Entmutigung lauert, dass ein Anfall von Schwäche keinem erspart bleibt, dass die Müdigkeit den besten Willen lahm legen kann. Sie sind demütig genug, um ihre menschliche Verletzbarkeit zu erkennen. Doch zu dritt bilden sie eine kleine Gemeinschaft, fest zusammengeschweisst, auf dem gleichen Weg, mit dem gleichen Ziel. So wird jeder für die andern zum Zeichen der Hoffnung für das Gelingen ihres Unternehmens und sie unterstützen und ermutigen sich gegenseitig. Gemeinsam können sie auch der Versuchung widerstehen, nicht vorwärts zu kommen.

Die drei Weisen zeigen uns das Bild einer Kleingruppe, einer Zelle der Gemeinde. Niemand kann vorgeben, alleine auf dem Weg zu Gott vorwärts zu gehen. Die Risiken, den Weg zu verlieren sind ebenso zahlreich wie jene des Stolzes. Die Gemeinde ist der sichere Ort, wo wir gemeinsam vorwärts gehen können. Das Ziel ist klar fixiert. Der persönliche Weg ist nicht ausgesteckt und wir müssen mit unliebsamen Überraschungen rechnen, doch die Gemeinde gibt uns Orientierungshilfe, damit wir uns nicht verirren. Die Gemeinde ist der Ort, wo wir miteinander auf Gottes Wort hören dürfen und eben auch miteinander beten dürfen. So sind wir eingeladen, auf unserem Glaubensweg immer wieder neue Schritte zu tun, wie die drei Weisen, mutig und gemeinsam. Es hat mich diese Woche besonders bewegt, wenn zwei oder mehrere Personen zusammen beteten, Ehepartner, Familien, Freunde, ganze Gruppen wie die Frauengruppe, das Rahab-Gebet, Sdie Jugendgruppe, die Musikanten und der Teenieclub.

Seine Erwartungen übertreffen lassen

Die drei Weisen lassen ihre Erwartungen von dem, was sie erleben, übertreffen. Die Suche der drei Weisen hat ein Ziel: den neugeborenen König der Juden sehen und anbeten. Doch was sie finden, übersteigt völlig ihre Vorstellungen.

Sie suchten einen König, und so melden sie sich natürlich im königlichen Palast. Sie werden jedoch in ein unbedeutendes Städtchen im Hinterland von Judäa geschickt. Sie suchten einen Königssohn und sie finden einen von allen unbeachteten Neugeborenen, in einem Unterschlupf, mehr schlecht als recht, in dem die Eltern Zuflucht gefunden haben.

Die demütige Haltung und die Weisheit der drei Weisen erlaubten es ihnen, sich in dieser überraschenden Situation zurechtzufinden. Sie suchten einen König mit königlichem Schmuck, und sie finden einen nackten Gott. Doch sie lassen sich von der unerwarteten Kluft zwischen Erwartung und Realität nicht täuschen. Ihre Herzen, offen für die Wahrheit, erkennen diese sofort. Der Stern, der ihnen den Weg wies, sagte ihnen nicht, was sie am Ende der Reise entdecken würden. Sie sind dem schwachen Licht des Sternes gefolgt und, am Ziel angekommen, werden sie erfasst von der Quelle des Lichtes selbst, Jesus, der das Licht der Welt ist. Und die Bibel sagt: «Da kannte ihre Freude keine Grenzen» (Matthäus 2,10).

Die Haltung der drei Weisen zeigt uns eine völlige Offenheit für das Unerwartete, eine Annahme der totalen Umkehrung von gewohnten Werten, eine Freiheit vor dem Unvorhergesehenen. Das christliche Leben verläuft in dieser Bewegung. Christus bittet uns unaufhörlich, unsere Erwartungen zu überprüfen, unseren Blick auf den Nächsten zu ändern, unsere Sicherheiten loszulassen. Nur so gelingt es uns, Gott nahe zu bleiben und den Menschen nahe zu bleiben, das heisst, nur so gelingt es uns, in unseren geringsten Brüdern und Schwestern Gott zu begegnen. Nur so werden unsere Herzen vor Freude überfliessen, einer Freude, die der Heilige Geist uns schenkt. Ich glaube, dass einige von uns in dieser Woche zu neuen Horizonten aufgebrochen sind. Ja, Christus schafft alles neu und Gott übertrifft all unsere Erwartungen. Lassen wir unsere Erwartungen weiterhin von dem übertreffen, was Gott für uns bereithält.

Mit Freude wieder aufbrechen

Die drei Weisen sind mit Freude wieder aufgebrochen. Es heisst in Matthäus 2,12: Die drei Weisen «wählten für ihre Heimreise einen anderen Weg». Hatten sie Angst? Ich glaube nicht. Doch Herodes gehörte nun zu einer anderen Welt. Die Begegnung, die sie erlebt hatten, hat ihre Blickrichtung verändert. Sie hatten Geschenke mitgebracht, doch sie wurden selber reich beschenkt. Sie knieten nieder und beteten das Kind an, und es, das Kind, hat sie auf den Weg in ein neues Leben zurückgeschickt. Sie sind für einige Augenblicke in das Geheimnis der Nähe von Jesus eingedrungen und haben dieses kostbare Zusammensein genossen. Darum kehren sie nun auf einem anderen Weg zurück, nicht mehr von einem Stern geführt, aber von dem Licht der Gegenwart Christi, das in ihnen wohnt, erfüllt von einer lebendigen und überfliessenden Freude. Weil sie den König der Könige gesehen und erkannt haben, sind sie nun lebendige Zeugen der Guten Nachricht.

Ja, wie viele freudige Gesichter haben mir entgegengestrahlt von Menschen, die aus dem Gebetsraum kamen während dieser Woche.

Eigentlich ist es doch ganz normal, dass wir mit Freude erfüllt werden, wenn unsere Herzen im Glauben die grundlegenden Wahrheiten erkennen oder neu entdecken. Sie sind einfach: Gott liebte so sehr die Welt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Diese Liebe gilt auch mir! Durch seinen Geist hört seine Gegenwart nie auf, uns mit seiner Liebe zu umhüllen und uns mit seinem Leben zu durchdringen. Wir sind auf dem Weg zu einer völligen und herrlichen Umwandlung unseres Menschseins, auf der Spur des auferstandenen Jesus, dem wir ähnlicher werden. Ja, es wäre doch seltsam, wenn diese Gute Nachricht, die ein lautes Hallelujah der Kinder Gottes hervorruft, uns nicht ein strahlendes Gesicht als Gerettete verleihen und uns mit Freude erfüllen würde, Christus anzugehören.

So sind wir überzeugende, echte Zeugen von Christus und seiner Liebe. Wie sagte Nietzsche: «Etwas freudiger, erlöster sollten die Christen aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.»

Wie die drei Weisen, wollen wir unseren Weg weiterziehen, immer auf der Suche nach der Wahrheit, die sich in Christus offenbart, immer mit dem Mut, etwas zu unternehmen, immer gemeinsam unterwegs, immer bereit, uns von Gott übertreffen zu lassen und mit Freude aufzubrechen auf neuen Wegen. Im Gebet wollen wir unseren Glauben vertiefen, um mit Freude, Hoffnung und Liebe die Welt zu umarmen. Die Gebetswoche geht zu Ende, doch das Gebet hört niemals auf.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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