Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 4.2.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)

Blut und Feuer

Das Thema für die Predigt von heute Morgen war klar: das Gebet, aber ich wusste nicht, von welcher Seite her ich es angehen sollte! An diesem Tag, an dem wir den «Gebetsmarathon» beginnen, hätte ich Ihnen «Methoden» angeben können, die man hier und dort für das Beten findet. Sie helfen uns, unsere Gedanken zu strukturieren: Es gibt die Anbetung, die Dankbarkeit, die Bitte um Vergebung, die Fürbitte. Und plötzlich, als ich über diese verschiedenen Stationen nachdachte, sind zwei Begriffe in meinem Herzen aufgestiegen.

Wenn ich die Gelegenheit habe, über meinen persönlichen Weg in einem Kreis von Salutisten zu sprechen, dann sage ich gerne, dass die Worte «Blut und Feuer» für mich in den letzten fünfzehn Jahren eine neue Bedeutung bekommen haben. «Blut und Feuer», diese zwei Ausdrücke fassen die Lehre und die Identität der Heilsarmee zusammen. «Blut und Feuer»: Das steht auf der Fahne und das steht auf dem Wappen: hier oben, an der Wand.

Nehmen wir diese zwei Ausdrücke noch wahr, oder sind sie nur noch zu einem Teil der Dekoration geworden? «Blut und Feuer»: Diese beiden Worte können für uns eine dynamische Realität bedeuten – oder reine Theorie bleiben. Pfarrer Frédérick Buechner spricht so vom Heil: «Das Heil ist zuallererst eine Erfahrung und dann eine Lehre. Das Heil ist ein Geschenk.» Als mein Zeugnis möchte ich sagen: In den letzten Jahren hat der Herr in meinen Gebetszeiten mir die Worte «Blut und Feuer» ständig neu geschenkt.

1° «Blut»: Heute Morgen werden wir die beiden Worte im Zusammenhang mit dem Gebet betrachten, auch wenn das Sie überraschen sollte. Aber sprechen wir zuerst darüber, welche Bedeutung die Heilsarmee diesen Ausdrücken beimisst. Der rote Hintergrund der Fahne symbolisiert das Blut Jesu Christi, das er für uns vergossen hat. Christus hat sein Leben für uns am Kreuz hingegeben, das ist der Ort, wo unsere Sünden vergeben worden sind. In 1.Johannes 1, 7 heisst es: «Das Blut von Jesus reinigt uns von aller Sünde» – und das erlaubt uns, in eine neue Beziehung mit Gott einzutreten. Ich habe die Definition von Kommissär Wesley Harris sehr gern, die er in seinem Buch «Betrachtungen über den Salutismus» gibt: «Wir sind gerettet durch die Macht des Lebens, des Todes und der Auferstehung des Herrn.»

ABER WAS FÜR EIN ZUSAMMENHANG BESTEHT ZWISCHEN DEM AUSDRUCK «BLUT» UND DEM GEBET?

Wenn wir Gott anbeten für das, was er ist und ihm danken, für das, was er uns schenkt, dann kommt der Begriff der Vergebung ganz natürlich dazu. Gott ist Liebe und in seiner Liebe vergibt er ständig! Die ganze Bibel spricht davon, dass Gott errettet. Also steht im Zentrum des Heils die Vergebung. Das wunderbare erste Kapitel des Kolosserbriefs sagt: «Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in Christus zu wohnen. Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch Christus mit Gott wieder versöhnt werden, alles hat Frieden gefunden, als er am Kreuz sein Blut vergoss» (Kolosser 1, 19 & 20, Hoffnung für alle).

Das ist also die gute Nachricht: Dieses Geschenk, diese Vergebung der Sünden, die am Kreuz erlangt wurde, das ist eine Realität, die wir jederzeit erlangen können. Wir müssen nur unser Herz und unsere Hände öffnen. Denn jeden Tag

  • betrachten unsere Augen Dinge, die sie nicht betrachten sollten
  • sagen unsere Lippen Dinge, die sie nicht sagen sollten, und sprechen etwas nicht aus, was sie sagen sollten ...
  • Jeden Tag machen es unsere Gedanken so wie Luky Luke, eine Comicfigur: Sie bewegen sich schneller vorwärts als unser Schatten! Der Apostel Paulus hat das damals schon ausgezeichnet formuliert: «Ich mache immer wieder dieselbe Erfahrung: Das Gute will ich tun, aber ich tue das Böse. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Gottes Gesetz zu erfüllen. Dennoch handle ich nach einem anderen Gesetz, das in mir wohnt. ... Es ist das Gesetz der Sünde, das mein Handeln bestimmt. Wer wird mich jemals aus dieser Gefangenschaft befreien? Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit» (Römer 7, 21-25, Hfa).

    Ja, wenn wir uns Zeit nehmen und im Gebet vor Gott kommen, dann spüren und sehen wir diese Diskrepanz in uns: Wir merken, dass wir nicht so sind, wie wir sein sollten! Wir können nur um Verzeihung bitten und uns wieder aufrichten. Vergebung, das bedeutet sich in die Arme Gottes zu werfen und weiterzugehen. «Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erfüllt Gott seine Zusage treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen,» schreibt Johannes im 1. Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 9 (Hfa). Diese Vergebung ist eine Erneuerung und nicht eine Verurteilung. Der Apostel Paulus sagt: «Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas Neues hat begonnen» (2 Korinther 5, 17, Hfa). Vergebung bedeutet demnach, das Vertrauen, das er uns erneut schenkt, im Blick Gottes zu sehen. Oder von dem er verlangt, dass wir es auch anderen schenken. Wir sind alle gleich in unserem ständigen Bedürfnis nach der Gnade Gottes. Auch das ist eine gute Nachricht.

    2° Das Feuer symbolisiert den heiligen Geist. Auf der Fahne wird er durch den gelben Stern wiedergegeben. Der heilige Geist ist Teil der Dreieinigkeit: Die Dreieinigkeit bedeutet: drei sind eins, und im einen sind drei. Gott, der Sohn und der heilige Geist sind eine Einheit, aber jeder ist eine unterschiedliche Person. Ja, das ist merkwürdig und unverständlich für unseren kleinen Verstand ... Aber das wird konkreter, verständlicher, wenn uns der heilige Geist durch die Bibellektüre oder das Gebet sagt, wer Gott ist und die Worte von Jesus bestätigt. In seinen letzten Worten an die Jünger hat Jesus das so in Johannes 14, 26 (Hfa) ausgedrückt: «Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch an all das erinnern, was ich euch gesagt habe, und euch meine Worte erklären.»

    ALSO WAS FÜR EIN ZUSAMMENHANG BESTEHT NUN ZWISCHEN DEM AUSDRUCK «FEUER» UND DEM GEBET?

    Es ist das Feuer, das auf die Jünger herabgekommen ist, als sie an Pfingsten beieinander waren. Es ist dieses Feuer, das in ihre Herzen den Mut zum Zeugnis von Jesus Christus gelegt hat. Ich liebe die Worte des Liedes, das William Booth geschrieben hat: «Send das Feuer ...»: Sie sind wie ein Gebet, das dieses Feuer erfleht! Weil der heilige Geist ein Mutmacher ist!

    Er ist ein geistlicher Berater, ein Mentor, den wir alle nötig haben. Der heilige Geist ist es auch, der uns beten lehrt, der zu unseren Herzen und unserem Verstand spricht und der uns zeigt, wie wir handeln sollen. Auch da gibt es eine gute Nachricht: Der heilige Geist kennt keine Bevorzugten: Wir sind alle gleich gestellt in Bezug auf die Anleitungen, die Impulse, die der heilige Geist uns geben will und geben kann. Die einzige Bedingung ist: Wir müssen verfügbar werden, wir müssen uns ganz der Führung des heiligen Geistes ausliefern.

    Das Gebet hat für mich in meinem Leben einen neuen Sinn bekommen, als ich entdeckte, dass der heilige Geist mein Mentor sein kann. Ich habe begriffen, dass beten nicht heisst, mein Gebet zu «machen» oder mit Worten zu füllen, sondern den heiligen Geist in mir beten zu lassen und mein Gebet zu lenken. Vor dreizehn Jahren waren wir als Offiziere in der Offiziersschule in Basel eingesetzt. Während des Sommers, als dieses grosse Haus leer stand, verspürte ich das Bedürfnis, einige Tage in der Stille und im Gebet zu verbringen. In dem «Haus der Stille», das ich aufsuchte, hatte ich Gelegenheit zu einer Unterredung mit einer der Schwestern. Ich habe ihr von mir erzählt, von meinem geistlichen Leben, von meiner Berufung und von meinen Prioritäten. In diesen Prioritäten stand das Gebet bereits jetzt im Zentrum, aber ich fühlte mich im Innern verzettelt. Und nun hören Sie, was die Dienerin Gottes, die mich nicht kannte, zu mir gesagt hat: «Dein Verlangen nach dem Gebet kommt nicht von dir, es kommt von Gott. Dein Verlangen nach dem Gebet, das ist der heilige Geist in dir.» Diese Worte haben in mir sehr viele Dinge, viele Gefühle verändert. Diese Worte haben meinem Gebetsleben eine neue Würde geschenkt. Dieser Satz hat mich von meinen Schuldgefühlen entlastet und befreit, weil ich bis jetzt nie genug gebetet habe und auch in Zukunft nie genug beten werde. Weil ich oft zu müde oder nervös bin, wenn ich beten will. Weil ich möchte, dass mein Gebet für die Bedürfnisse von anderen offen ist, und dennoch ist es an gewissen Tagen nur auf mich und meine eigenen Bedürfnisse ausgerichtet ... «Dein Verlangen nach dem Gebet, das ist Gott in dir.» Also handelt es sich nicht um mich, sondern es ist Gott, der mich durch das Gebet zu sich ziehen möchte. Ich muss nicht mehr etwas aus eigener Kraft erreichen wollen, sondern mich durch den heiligen Geist zu Gott und zu Jesus hinführen lassen.

    Beten heisst, den heiligen Geist zu meinem Mentor, zu meinem Berater zu machen: Er weiss, wie er mit mir vom Vater und von Jesus sprechen muss. Er allein kann bewirken, dass die Worte von Jesus lebendig und machtvoll werden. Als Mutmacher hilft er mir auch, diese Worte in die Tat umzusetzen!

    Schluss: «Blut und Feuer»: Diese beiden Worte sind unsere Wurzeln in unserem Leben als Salutisten. Diese beiden Worte müssen im Zentrum unserer Identität als Salutisten von heute stehen.

    «Blut und Feuer» sollen auch im Zentrum unseres Gebetslebens sein! Weil das Gebet immer eine Erneuerung bedeutet.

    «Blut» für die Vergebung von Gott, erbeten und empfangen für uns. «Blut» für die Vergebung, erbeten und weitergegeben. Wir beten: «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern».

    «Feuer», weil das Gebet eine ständige Erfahrung des Atems von Gott in uns ist. «Feuer», weil das Gebet eine Schule der Reinigung und der Läuterung ist.

    Der heilige Geist ist ein Geheimnis: Wenn wir unsere Herzen öffnen und unsere Hände offen halten, dann bewirkt er sichtbare und unsichtbare Dinge. Und das werden immer Früchte des heiligen Geistes sein, von denen Galater 5 spricht: «Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung» (Hfa).

    Wenn Sie von dieser Predigt nur die beiden Ausdrücke «Blut und Feuer» im Gedächtnis behalten werden, dann ist das wunderbar! Denn diese beiden Worte sagen alles aus, was das geistliche Leben ausmacht!

    Lassen wir unser geistliches Leben durch «Blut und Feuer» beleben, immer wieder aufs Neue.

    Lassen wir unser Gebetsleben durch «Blut und Feuer» zu neuem Leben erweckt werden.

    Möge der heilige Geist unser Berater, unser Mentor sein! So wird die Zeit, die wir vor Gott verbringen, sichtbare und unsichtbare Früchte zu seiner Ehre tragen. Amen.

  • Kontakt

    Majore
    Walter und Hanny Bommeli

    Heilsarmee Zürich Zentral
    Ankerstrasse 31
    8004 Zürich

    Tel. 044 242 53 89

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