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Predigt zum 21.1.2007 (Corinne Gossauer-Peroz)Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann?Um uns auf den «Gebetsmarathon» einzustimmen, beginnen wir heute mit einer Serie von Predigten über das Gebet. Das Gebet ist ein weit gefächertes Thema. So viele schöne Dinge sind schon über das Gebet gesagt und geschrieben worden. Es ist eine faszinierende Realität, die nie aus der Mode kommt, weil das Gebet der Atem des geistlichen Lebens ist. Das Gebet besteht in einer sehr engen, einer intimen Beziehung, geschaffen und geschenkt durch den heiligen Geist. Es ist der Atem Gottes im menschlichen Wesen! Und es ist eigentlich unmöglich, das zu beschreiben! Das Gebet trägt viele Facetten in sich, denn es besteht zwischen Gott und mir, aber es wird ebenso zwischen mir und anderen erlebt. Das Gebet steht auch im Zentrum des kirchlichen Lebens. Es ist ein Element der Einheit, das durch die Jahrhunderte geht. Aber für diesen Morgen habe ich mich entschieden, nicht darüber nachzudenken, was Beten bedeutet, sondern vielmehr dieses Thema von der anderen Seite her anzupacken. Ich möchte mit der folgenden Frage beginnen: Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann? Wie soll ich beten, wenn ich nicht weiss, wie ich beten soll? Weil das Gebet aus einer Beziehung besteht, so ist es wie alle anderen Beziehungen Höhen und Tiefen ausgesetzt. Deshalb können wir feststellen: Es gibt starke, kraftvolle Zeiten, in denen Gott nahe ist, und es gibt Perioden der Trockenheit, in welchen Gott weit weg scheint. Hat er sich wirklich von uns entfernt, oder hat sich unser Herz abgekühlt? Ist Gott schwerhörig geworden? Oder sind wir gleichgültig geworden? König David war ein Mensch, der eine sehr starke Beziehung zu Gott hatte. Aber auch er hat schwierige Zeiten erlebt, in denen das Gebet ihm weder Freude noch Tröstung brachte. David hatte eine besondere Gabe, um seine eigenen Gefühle in Gebeten, in Psalmen auszudrücken. Wir lesen zum Beispiel im Psalm 22 die Verse 1-3 aus der Hoffnung für alle: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bist du so weit weg und hörst mein Stöhnen nicht? Mein Gott! Den ganzen Tag rufe ich, aber du gibst mir keine Antwort. Ich rufe in schlaflosen Nachtstunden, aber ich finde keine Ruhe.» 1° Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann? Wenn ich mich selber nicht mehr verstehe und wenn ich nicht mehr weiss, wo Gott ist? Also, wenn ich selber nicht mehr beten kann: warum nicht jemanden, der mich nahe steht, bitten: «Bete für mich, ich kann nicht»... Wenn aus verschiedenen Gründen das Gebet schwierig wird, ist es am wichtigsten, mit dem Gebet fortzufahren, um diese Nähe mit dem Herrn wieder zu suchen. Mittel zu finden, die uns am besten helfen können, ihm das zu sagen, was wir fühlen, und sei es auf noch so armselige Weise ... Natürlich sind alle diese Möglichkeiten, die ich eben aufgezählt habe, auch für Tage geeignet, an denen es für uns einfach ist zu beten! Deshalb ist das Gebet etwas sehr Packendes! 2° Wie soll ich beten, wenn ich nicht weiss, wie ich beten soll? Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann? Ich muss mir immer wieder sagen, dass das geistliche Leben nicht auf Gefühlen oder auf Emotionen beruht, sondern darauf, was Gott ist und darauf, was Gott für die Menschen getan hat! Unsere Gefühle und unsere Eindrücke wechseln zu schnell, um ernsthaft etwas über die Gegenwart Gottes aussagen zu können ... Das Gebet, wie auch das geistliche Leben, ist nicht Sache von übersteigerten Empfindungen und von Gefühlen. Beten heisst zu glauben trotz allem. Glauben heisst dem Herrn zu vertrauen und zu versuchen, meine Gefühle hinter mir zu lassen und mich darauf zu konzentrieren, «wer er ist», und «was er ist». In seinem Buch «Leben mit Vision» schreibt Rick Warren (Seite 118 in der französischen Version): «Wie auch immer die Umstände sein mögen und was Sie durchmachen, klammern Sie sich an den unwandelbaren Charakter des Herrn. Erinnern Sie sich an das, was Sie als wahr erkennen in Bezug auf Gott: Er ist gut, er liebt mich, er ist mit mir, er weiss, was ich durchmache, er hat einen guten Plan für mein Leben.» Rick Warren gibt auch das folgende Zitat von Raymond Edman weiter: «Wenn Sie sich in der Dunkelheit befinden, stellen Sie nie das in Frage, was Gott Ihnen zugesagt hat, als Sie sich im Licht befanden.» Gott verspricht uns in seinem Wort, dass er uns nicht verlassen wird, aber er verspricht uns nicht, dass wir seine Gegenwart 24 Stunden am Tag spüren werden! Ich liebe den Vers 15 aus Jesaja 45, der uns sagt, dass «Gott ein Gott ist, der sich verbirgt»: «Ja, Herr, du bist ein Gott, der sich verborgen hält.» (Hfa) In den ersten Versen des 6. Kapitels des Matthäus-Evangeliums spricht Jesus auch darüber, was sich «im Verborgenen» abspielt, wenn wir die Türe unseres Zimmers schliessen: «Wenn du beten willst, gehe in dein Zimmer, schliesse die Tür hinter dir zu, und bete zu deinem Vater. Und dein Vater, der selbst deine geheimsten Gedanken kennt, wird dich erhören» Matthäus 6 Vers 6 (Hfa). Im Grunde ist das Gebet sowohl in der Freude wie auch in Schwierigkeiten mehr als nur eine Erfahrung: Es ist ein Vis-à-vis, eine Begegnung mit Gott. Und Gott ist immer als Erster da. Beten bedeutet, eine gewisse Zeit in seiner Gegenwart zu verbringen. Und das, was zwischen ihm und mir durch die Gegenwart des heiligen Geistes stattfindet, geht weit über das hinaus, was ich empfinde oder eben nicht empfinde ... Was zwischen mir und Gott stattfindet, das ist etwas Geheimnisvolles. Es ist eine innere, diskrete Arbeit, eine verborgene Arbeit, die aber Früchte trägt ... 3° Wie soll ich beten, wenn ich nicht weiss, wie ich beten soll? Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann? Man muss den «Weg zu seinem eigenen Herzen wieder finden. Das ist die wichtigste Aufgabe des Menschen», schreibt André Louf in seinem Buch: «Seigneur, apprends-moi à prier», «Herr, lehre mich beten». Den Weg zu unserem Herzen wieder zu finden: Das ist es, was wir alle nötig haben! Das ist es, was die Menschen, denen wir begegnen, jeden Tag nötig haben! Beten, sein Gebetsleben weiterentwickeln, das bedeutet, den Weg zu seinem Herzen wieder zu finden. Jesus sagt es in den Evangelien: Unser Herz ist oft hart, verschlossen, immer bereit zu verurteilen, aber langsam, zögernd im Verstehen ... Es ist von Sünden und Sorgen beschwert. «Wachet und betet» oder «Bleibt wach und betet», hat Jesus zu den Jüngern in Matthäus 26, 41 gesagt. Das Herz ist dort, wo Gott uns begegnet und zu uns spricht. Und mit unserem Herzen können wir unsererseits die anderen Menschen erreichen: «Nahe bei Gott, nahe bei den Menschen». Beten heisst nicht, Sprüche oder Phrasen zu machen, die «gut tönen» oder beeindrucken wollen. Die wirklich harte Arbeit bedeutet «den Weg zu seinem Herzen wieder zu finden». Am schwierigsten ist es innezuhalten, ruhig zu werden und einen stillen Ort zu finden. Innezuhalten, um sein eigenes Herz vor dem Herrn schlagen zu hören. Und ebenso das Herz des Herrn voller Liebe schlagen zu hören. Jede Ermutigung zum Beten und jedes vorgeschlagene Mittel hat nur ein einziges Ziel: den Weg zu unserem Herzen wieder zu finden und dieses Herz, das aufgeweckt und vom machtvollen Atem des heiligen Geistes berührt wurde, zu bewahren durch den Atem des heiligen Geistes, der Neues schafft! Wie soll ich beten, wenn ich nicht weiss, wie ich beten soll? Wie soll ich beten, wenn ich nicht mehr beten kann? Römer 8, 26 gibt darauf eine Antwort: «Dabei hilft uns der Heilige Geist in all unseren Schwächen und Nöten. Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit Gott uns erhören kann. Deshalb hilft uns der Heilige Geist und betet für uns auf eine Weise, wie wir es mit unseren Worten nie könnten.» Komm, heiliger Geist, lehre uns beten, damit unsere Herzen leben können! Amen! |
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