Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt zum 3.12.2006 (Corinne Gossauer-Peroz)

Freundschaft
(Brief an die Philipper 1, 1-11)

01 Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus, die Jesus Christus dienen, an alle Christen in Philippi, an die Leiter in der dortigen Gemeinde und an ihre Mitarbeiter.
02 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.
03 Immer bin ich meinem Gott dankbar, wenn ich an euch denke,
04 und das tue ich in jedem meiner Gebete mit großer Freude.
05 Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für das Evangelium eingesetzt.
06 Deshalb bin ich auch ganz sicher, daß Gott sein Werk, das er bei euch durch den Glauben begonnen hat, zu Ende führen wird, bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt.
07 Es ist ja nicht erstaunlich, daß ich so von euch denke, denn ihr liegt mir ganz besonders am Herzen. Daran ändert sich nichts, auch wenn ich jetzt im Gefängnis bin und vor Gericht die Wahrheit des Evangeliums verteidigen und bezeugen muß. Durch eure Gaben und Gebete für mich habt ihr auch Anteil an dem Segen, den Gott mir schenkt.
08 Gott allein weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; liebe ich euch doch so, wie auch Jesus Christus euch liebt.
09 Ich bete darum, daß eure Liebe immer reicher und tiefer wird, je mehr ihr Gottes Willen erkennt und euch danach richtet.
10 So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt, um am Gerichtstag Jesu Christi untadelig und ohne Schuld vor euern Richter treten zu können.
11 Alles Gute, was Christus in einem von Schuld befreiten Leben schafft, wird dann bei euch zu finden sein. Und das alles zu Gottes Ehre und zu seinem Lob!

Die Adventszeit ist die Zeit, in der wir Guetzli backen, in der wir Päckli machen, kleine Sachen mit Sorgfalt einpacken. Weil all das Zeichen der Freundschaft und der Liebe sind! Mit den Adventsgrüssen und den Geschenken erlauben uns Advent und Weihnachten, anderen Menschen Zuneigung und Dankbarkeit zu zeigen und auszudrücken. Die Freundschaft und die Liebe sollen einander in Worten und in Gesten mitgeteilt und ausgedrückt werden. Wir alle haben es nötig, diese Gesten der Freundschaft weiterzugeben und auch zu erhalten.

Der Apostel Paulus (wirklich, sogar der Apostel Paulus !) hat auch in einer bestimmten Situation seine Freundschaft gegenüber anderen Menschen ausgedrückt. Der Brief an die Phlipper ist ein Brief der Freundschaft. Ich empfehle Ihnen, diesen Brief in Ihrer persönlichen Andacht einmal zu lesen oder erneut zu lesen. Im 5-Minuten-Gebet für den Monat November wird uns übrigens vorgeschlagen, den heutigen Abschnitt aus dem Philipperbrief zu unserem Gebet zu machen. Es ist der persönlichste Brief von Paulus. Im Vers 8 gibt Paulus die folgende Erklärung ab: «Gott allein weiss, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; liebe ich euch doch so, wie auch Jesus Christus euch liebt.»

Bei den Philippern hat Paulus einen warmen Empfang bekommen ­ genau so wie wir im Zenti! Es sind Verbindungen entstanden ­ wie für uns im Zenti! So hat Paulus mit seinem Herzen gesprochen, als er im Jahr 56 nach Christus diesen Brief im Gefängnis schrieb. Die vier Kapitel dieses Briefes haben im Gegensatz zu den Briefen an die Römer und Galater keinen lehrhaften Charakter.

Die 11 Verse, bei denen wir heute innehalten wollen, sind in drei Abschnitte gegliedert:

eine Begrüssung in den Versen 1 und 2,

Danksagungen und Ausdruck der Freude in den Versen 3 bis 8,

und ein Gebet in den Versen 9 bis 11.

01 Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus, die Jesus Christus dienen, an alle Christen in Philippi, an die Leiter in der dortigen Gemeinde und an ihre Mitarbeiter.
02 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.

Die Begrüssung von Paulus in dieser Form ist nicht «üblich». Hier stellt sich Paulus nicht als Apostel, sondern als Diener von Jesus Christus vor. Diese Begrüssung hat in ihrem Zentrum die Person von Jesus Christus. Der Ton ist vorgegeben: Auch wenn Paulus eine ganz besondere Zuneigung für die Philipper hegt, will er, dass nur Christus den zentralen Platz einnimmt. In den Versen 1 bis 11 erscheint der Name Jesus Christus sechsmal! Paulus sagt gewissermassen zu den Phlippern: «Ich liebe euch nicht nur menschlich gesprochen, sondern ich liebe euch mit einer Liebe, die ihren Ursprung in Christus hat.»

In den Versen 3 bis 8 lässt dann Paulus seine Freude und Dankbarkeit für die Unterstützung durch die Philipper und für die Treue dieser Unterstützung hervorbrechen. Im Vers 5 heisst es: «Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für das Evangelium eingesetzt.» Paulus schätzt diese Stabilität in der Beziehung. Für ihn ist das eine wertvolle Qualität. Eine Qualität, die auch ich bei den Menschen in der deutschen Schweiz entdeckt und schätzen gelernt habe: die Treue in der Zuneigung. Wenn man ihr Vertrauen und ihre Freundschaft gewonnen hat, dann hat man sie für das ganze weitere Leben gewonnen! Ja, ich liebe diese Dauerhaftigkeit in einer Beziehung!

Aber kehren wir zu Paulus zurück: Was will er von Gott erbitten für diejenigen, die er liebt? Hören wir sein Gebet in den Versen 9 bis 11:

09 Ich bete darum, daß eure Liebe immer reicher und tiefer wird, je mehr ihr Gottes Willen erkennt und euch danach richtet.
10 So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt, um am Gerichtstag Jesu Christi untadelig und ohne Schuld vor euern Richter treten zu können.
11 Alles Gute, was Christus in einem von Schuld befreiten Leben schafft, wird dann bei euch zu finden sein. Und das alles zu Gottes Ehre und zu seinem Lob!

In diesen Worten finden wir das Geschenk von Paulus für diejenigen, die er liebt: Er möchte den Fortschritt und er bittet darum! Er wünscht für sie das Wachstum ihrer Liebe und ihres geistlichen Lebens ... Er meint nicht ein undeutliches Wachstum, sondern er gibt klare Anweisungen:

  • «dass eure Liebe immer reicher und tiefer werde, je mehr ihr Gottes Willen erkennt und euch danach richtet.
  • So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt.
  • Alles Gute, was Christus in einem von Schuld befreiten Leben schafft, wird dann bei euch zu finden sein.
  • Und das alles zu Gottes Ehre und zu seinem Lob.»

    Das sind die Wünsche, das ist das Gebet von Paulus für diejenigen, die er liebt! Und wir, wie beten wir für jene Menschen, die wir lieben, die uns am nächsten sind? Finden Sie nicht, dass das manchmal schwierig ist? Bitten wir nicht oft Gott für sie um gewisse Dinge? Ich habe das Beispiel von Paulus sehr gern, weil es mich vorantreibt. Er liebt die Philipper in der Liebe Christi: Paulus nimmt sie so an, wie sie sind, aber er betrachtet sie in der Macht der Gegenwart Christi. Er weiss aus eigener Erfahrung, wie Christus ein Herz, ja, einen ganzen Menschen verändern kann! In seiner Vision sieht er die gleiche Kraft am Wirken für diejenigen, die er liebt. Er will mehr für die Philipper ­ ebenso wie wir mehr möchten von Gott für Sie alle und darum bitten! Er bittet um noch mehr Liebe, um eine tiefere Liebe, eine reifere Liebe ­ so wie wir das für Sie alle im Zenti erbitten! Er möchte, dass die Philipper in ihrer persönlichen Beziehung mit Gott wachsen ­ so wie wir das für Ihre Beziehung mit Gott erbitten!

    2. Die Liebe ist aufgerufen zu wachsen! An Weihnachten sagen wir denen, die wir lieben, aufs Neue, wie gross unsere Zuneigung zu ihnen ist, weil wir das wahre Geschenk von Weihnachten feiern: Gott ist Mensch geworden aus Liebe. Dieses Kind, das geboren wird, ist aufgerufen zu wachsen. Pfarrer Philippe Zeissig schreibt: «Ein Kind ist etwas Schönes. Aber es gibt etwas, was noch schöner ist als das Kind. Es ist das Heranwachsen eines Kindes. Ein Kind, das für immer ein Kleinkind bleiben würde, wäre eine Katastrophe.» (Seite 154 aus «L'avenir est à l'amour»)

    «Aber»,  so fährt Philippe Zeissig fort, «wie soll dieses Wachsen vor sich gehen? Dank wem und dank was ? Man anwortet uns oft: Sie müssen in sich selber suchen; die notwendigen Ressourcen für das Wachstum sind in Ihnen selbst. Ich selber, das muss ich zugeben, ich bin schon oft in mein Inneres hinabgestiegen und ich habe nicht viel gefunden ... Das Leben, das weiss man, kommt nur aus dem heraus, das lebendig ist. Das Wachsen von Christus in uns ist nur möglich in einer lebendigen Seele, einer Seele, die selber am Wachsen ist. Habe ich eine Seele, die lebendig ist?» (S. 155)

    Indem ich diese Aussage von Philippe Zeissig auf Weihnachten beziehe, möchte ich sagen: Ja, an Weihnachten schenkt uns Gott seinen Sohn! Aber was ebenso wichtig ist, das ist das Wachstum dieses Sohnes! Christus muss in uns wachsen! Wenn das Kind Jesus in uns ein Kind bleibt, dann ist das eine Katastrophe ... Wenn Paulus zu den Philippern über das Wachstum spricht, tut er es, um sie in diesem Prozess zu ermutigen: Jesus muss in uns die Gestalt eines erwachsenen Menschen einnehmen, damit wir auch erwachsen werden. Johannes der Täufer hatte schon alles verstanden, als er am Anfang des Dienstes von Jesus sagte in Johannes 3, 30:  «Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.» Wenn Paulus zu den Galatern sagt in Kapitel 2, Vers 20: «Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!», dann meint er Christus und nicht das Kind in der Krippe. Wenn Gott uns an Weihnachten das Geschenk seines Sohnes macht, dann gibt er uns tatsächlich durch den heiligen Geist unbegrenzte Möglichkeiten des Wachstums. In diesem Geschenk an Weihnachten ­ diesem Sohn, den Gott geschenkt hat ­ liegen tausende andere Geschenke, ganz reale, verborgen ... Geschenke, die mit unserem Wachstum verbunden sind; die nur dann vorhanden sind, wenn Christus in uns gross wird.

    In dieser Adventszeit könnten wir uns Zeit nehmen, um über diese beiden Worte nachzudenken: über Liebe und Wachstum ...

    Nach dem Beispiel von Paulus möchte ich gerne mit Wünschen für diese Gemeinde, die wir hier bilden, schliessen:

  • Mögen wir jedes Mal, wenn wir aneinander denken, jedes Mal, wenn wir füreinander beten, dies mit Freude und Dankbarkeit tun.
  • Nehmen wir uns in dieser Zeit des Advents vor, unsere Freundschaft, unsere Zuneigung nicht nur «denen gegenüber, die wir lieben und die uns lieben» zu zeigen, sondern auch denen, mit welchen die Beziehung noch nicht richtig zustande gekommen ist ... oder auch jenen, mit welchen eine Beziehung etwas kompliziert sein mag ...
  • Möge der heilige Geist unsere Herzen lehren einander zu lieben, einander in der Liebe Christi zu lieben.
  • Möge unsere Liebe mehr und mehr wachsen und unser inneres Verstehen ebenfalls: damit wir unterscheiden können, was wesentlich ist, und was nicht.
  • Möge unser Leben mit gerechten Taten zur Ehre und zum Lob Gottes gefüllt sein.
  • Mögen unsere Seelen lebendig sein! Lasst uns Fortschritte machen, lasst uns vorankommen, lasst uns vorwärtsgehen.
  • Möge Christus in unseren Seelen wachsen, gross werden und seine volle Gestalt in uns annehmen. Amen.

  • Kontakt

    Majore
    Walter und Hanny Bommeli

    Heilsarmee Zürich Zentral
    Ankerstrasse 31
    8004 Zürich

    Tel. 044 242 53 89

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