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Predigt zum Sonntag Gesellschaft und Familie, 19.11.2006 (Corinne Gossauer-Peroz)Die FreudeHaben Sie schon einmal ein Kunstwerk gesehen, das Jesus mit einem Lächeln zeigt? Ich nicht! Didier Decoin sagt: «In keinem Kunstwerk, keiner Tradition, keinem Text wird uns ein Lächeln von Jesus nahegelegt.» Die Darstellungen von Jesus zeigen ihn immer mit einer ernsten oder tragischen Miene. Das erscheint wie ein «Mangel» in den Evangelien. «Jesus weinte», heisst es im Johannes-Evangelium. Diese Episode hat sich vor dem Grab seines Freundes Lazarus ereignet. Aber nirgends in den Evangelien steht: «Jesus lacht» oder «Jesus hat gelacht». Oh, ich hätte es gerne, wenn uns die Evangelien erzählen würden, dass Jesus gelacht hat. France Quéré, eine französische Theologin, beharrt auf der Meinung, dass, «wenn Jesus geweint hat, dann hat er ebenso auch gelacht». Die Evangelien beschreiben uns Jesus nicht als jemanden, der Freude verspürt, aber wir können es uns trotzdem vorstellen ... Wie könnte Jesus nicht Freude empfunden haben über die Schönheit der Natur? Wie könnte er nicht die Freuden der Freundschaft mit der Gruppe seiner Jünger gespürt haben? Oder mit Martha, Maria und Lazarus? Wie könnte Jesus nicht gelacht haben über die Unbeholfenheit und die «manchmal erstaunlichen Fragen» seiner Jünger? Wieso soll er nicht gelacht haben, als zum Beispiel eine Mutter zu ihm sagte: «Nimm meine beiden Söhne, den einen zu deiner rechten und den anderen zu deiner linken Seite.» Während drei Jahren ist Jesus einzelnen Menschen begegnet. In der Begegnung mit dem Einzelnen gibt es immer Freude! Die Freude eines Blickes, der versteht. Die Freude eines Lächelns oder eines geteilten Essens! Jesus wusste, dass es eine besondere Freude war, gemeinsam um einen Tisch versammelt zu sein. Deshalb hat er oft mit den einen oder anderen gegessen! Er hat sogar sein erstes Wunder anlässlich einer Hochzeit getan. Ja, das ist sicher. Jesus hat Freude verspürt, es ist gar nicht anders möglich. Ja, und weil er gelacht hat, hat er auch geweint. Weil er geweint hat, hat er auch gelacht ... Er war ein Mensch unter den Menschen ... Ich lese die Worte immer wieder gern, die das Kommen und die Geburt von Jesus umrahmen. Sie enthalten eine ganz besondere Freude. Nach der Geburt von Jesus erscheint der Engel den Hirten und sagt zu ihnen: «Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch die grösste Freude für alle Menschen: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr» (Lukas 2,11 aus der Hfa). Die Hirten gehen gleich dieses kleine Kind anschauen und kommen dann voller Freude zurück. Sie loben Gott für alles, was sie gehört und gesehen haben (Lukas 2,20). Diese Freude ist besonders schön, weil es die Armen waren, diese Menschen am Rande, die das Vorrecht hatten, diese Freude zu spüren. Die gute Nachricht ist auf dem Vormarsch, sie stellt alles auf den Kopf. Es gibt trotz allem einen Vers, der bestätigt, dass Jesus Freude empfunden hat. In Lukas 10, 21 heisst es: «Erfüllt vom Heiligen Geist, betete Jesus voller Freude: Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich danke dir, dass du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich für klug halten; aber den Unwissenden hast du sie enthüllt. Ja, Vater, das war deine Absicht.» Jesus freut sich über das, was die «einfachen Leute» von dem verstehen, was er sagt. Die Freude in dieser Bibelstelle berührt mich ... Weil sie an die Gegenwart des heiligen Geistes gebunden ist. Ja, die wirkliche Freude ist eine Frucht des Geistes (Galater 5, 22). Der heilige Geist wird ohne Unterschied gegeben, den Reichen wie auch den Armen, den intelligenten wie auch den einfachen Menschen. Ich bin schon oft durch einfache Menschen mit ihrer ansteckenden Freude berührt worden, mit ihrem fröhlichen Zeugnis. Sie machen keine grossen Worte, aber sie haben das Wesentliche verstanden und wollen es ausleben ... Ja, darum muss die Freude von Christus gross sein, wenn er sie ihren Glauben ausleben sieht! Und dann hat Jesus, trotz seiner ernsten Erscheinung, Geschichten erzählt, die von der Freude sprechen: von der Freude des Vaters, der seinen Sohn wieder findet; von der Freude der Frau, die den verlorenen Groschen wieder findet; von der Freude dessen, der das verlorene Schaf wieder findet! Da ist auch die Freude desjenigen, der den grossen Schatz findet! Er ist so glücklich, dass er sich aller anderen Dinge entledigt. Und es gibt die Freude über die Vergebung, über die Heilung, über die Versöhnung: Alle diese Freuden finden wir auf den Seiten der Evangelien aufgeschrieben. Die letzten Worte von Jesus sprechen ebenfalls von der Freude. In Johannes 15, Verse 16 und 17 erbittet Jesus für seine Jünger von seinem Vater eine Freude, die nach seinem Tod und seiner Himmelfahrt bestehen bleiben sollte. Die letzten Worte von Jesus wünschen den Jüngern der kommenden Zeiten die Freude, die auch uns, den Jüngern von heute gilt: «Das alles sage ich euch, damit meine Freude euch ganz erfüllt und eure Freude dadurch vollkommen wird» (Johannes 15, 11 Hfa). Im Kapitel 17 des Johannes-Evangeliums, im Vers 13 sagt Jesus zu seinem Vater: «Jetzt komme ich zu dir zurück. Aber dies alles wollte ich noch sagen, solange ich bei ihnen bin, damit meine Freude auch sie ganz erfüllt» (Hfa). Die Freude ist natürlich auch an Ostern da, als die Frauen das leere Grab von Jesus entdecken. «Erschrocken liefen die Frauen vom Grab weg. Gleichzeitig erfüllte sie unbeschreibliche Freude» Matthäus 28,8 Hfa). Ich möchte auch bei den Worten von Jesus, die merkwürdig aus seinem Mund tönen, innehalten: Lukas 7, 31 bis 35: «Wie soll ich die Menschen von heute beschreiben? Wem gleichen sie? Sie sind wie spielende Kinder auf der Strasse, die ihren Freunden zurufen: 'Wir haben Musik gemacht, und ihr habt nicht getanzt. Danach haben wir Beerdigung gespielt, und ihr seid nicht traurig gewesen!' Johannes der Täufer fastete oft und trank keinen Wein. Da habt ihr gesagt: 'Der ist doch verrückt!' Nun ist der Menschensohn gekommen, isst und trinkt wie jeder andere Mensch, und ihr beschimpft ihn: 'Er ist ein Fresser und Säufer. Verbrecher und anderes Gesindel sind seine Freunde!' Doch nicht an solchen Äusserlichkeiten zeigt sich Gottes Weisheit; sie beweist sich in dem, was sie bewirkt.» Die Geschichte dieser Kinder, die Flöte spielen oder Klagelieder singen, ist ein Gleichnis. Da gibt es zwei Gruppen, die einander gegenüber gestellt werden: Die einen wollen tanzen, die anderen möchten traurig sein ... «Wir haben Musik gemacht, und ihr habt nicht getanzt.» Ich liebe diesen Satz aus dem Mund von Jesus! Er spricht von Musik und Tanz, er spricht also von Freude! Kann man sich Kinder vorstellen, die der Musik gegenüber gleichgültig sind? Kann man sich Kinder vorstellen, die einem Fest gegenüber gleichgütig sind? Nein, das ist undenkbar! Und dennoch beschreibt Jesus die Männer und Frauen seiner Zeit so. Sie wollen etwas anderes als das, was Gott ihnen vorschlägt! Sie haben ein anderes Bild von Gott! Er muss so und darf nicht anders sein! Darin gleichen wir ihnen leider! Die Menschen, von denen Jesus spricht, haben das Vorrecht gehabt, zwei Musik-Arten, zwei verschiedene Musik-Stile zu hören: jene von Johannes dem Täufer und jene von Jesus. Die Musik, die von Johannes dem Täufer gespielt wurde, war traurig und freudlos. Die Musik, die Jesus spielte, war fröhlich und nahm am täglichen Leben teil. Die Menschen verstanden es nicht ... für einige war Johannes der Täufer ein Verrückter und Jesus ein Lebemann, der sich mit den heiligen und den sündigen Menschen an einen Tisch setzte ... Der Glaube, so dachten alle diese frommen Menschen, sei etwas Ernsthaftes, das könne und dürfe nicht fröhlich sein ... Geben auch wir Acht, dass wir nicht an der Musik vorbeigehen, die Jesus uns vorschlägt! Jesus ist gekommen, um uns eine Musik der Liebe zu bringen, zu singen und zu spielen: Gott liebt uns, und durch seine Liebe gibt er uns seinen Sohn, seinen heiligen Geist ... Er gibt und gibt immer wieder! Er hat nur einen Wunsch: uns in die Freude seiner Liebe eintreten zu lassen! «Wir haben Musik gemacht, und ihr habt nicht getanzt.» Sind wir bereit, im Lärm unserer Tage, in den Sorgen unseres Lebens auf die Musik zu hören, die Jesus zu unseren Herzen gebracht hat? Sind wir bereit, diese gute Nachricht zu empfangen, die uns vor Freude tanzen lässt? Ich glaube, die Gefahr, die uns allen auflauert, zeigt sich darin, dass wir unser geistliches Leben ohne Freude leben ... Damit wird notgedrungen alles zu einer Pflicht oder zu einem Ort der Frustration. Madeleine Delbrêl, eine Französin, die sich in den Dienst für ihre Nächsten stellt, hat einen Text geschrieben, der so beginnt: «Unser grosser Schmerz besteht darin, dich ohne Freude zu lieben, dich, von dem wir glauben, dass er unsere jubelnde Freude sei. Unser grosser Schmerz besteht darin, ohne Freude deine schöne Musik zu spielen.» (Aus: Joie de croire, Freude am Glauben, S. 129). Möge Gott in unseren Herzen seine Freude erwecken, jene Freude, die eine Frucht des heiligen Geistes ist, und die unseren Blick auf die Menschen und die Dinge ändert ... Jesus kommt, er ist da, er spielt Flöte. Wollen wir tanzen? Wollen wir uns erheben und uns in diese wirkliche Freude, die nur er geben kann, hineinnehmen lassen? |
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