Seelsorge, Predigten

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Heilsarmee Zürich Zentral  

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Predigt vom 1.10.2006 (Martin Gossauer)

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, ... dass du es tust.
(5. Mose 30,9b-14, Johannes 1,1-4,14)

5. Mose 30,9b-14: Denn der HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat, (10) weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchst und hältst seine Gebote und Rechte, die geschrieben stehen im Buch dieses Gesetzes, wenn du dich bekehrst zu dem HERRN, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele. (11) Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. (12) Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? (13) Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? (14) Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Johannes 1,1-4,14: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (2) Dasselbe war im Anfang bei Gott. (3) Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (4) In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (14) Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Einleitung

Worte sind wichtig in unserem Leben. Worte helfen uns, in Beziehung mit anderen Menschen zu treten. Im Gespräch mit einer Person des Korps (Elvira), meinte sie, sie sei gerne in der Stadt unterwegs. Auf die Frage, ob sie dann mit den Leuten rede, denen sie begegne, antwortete sie lachend und erstaunt: «Ja, natürlich, wieso nid?»

Entscheidend bei dem, was wir sagen, ist unsere Wortwahl. Wir sagen ja so viel in einem Tag, ob Frauen oder Männer, weniger wäre manchmal mehr, nicht wahr?!

Zu viele Worte kommen über unsere Lippen, ohne dass wir vorher überlegen, was wir sagen wollen. Wir sagen zu viele Worte, die nicht wirklich nützlich und hilfreich sind. Mit Worten können wir andere beeinflussen. In Frankreich war ich manchmal schockiert, wenn ich beim Einkaufen hörte, wie Eltern zu ihren Kindern sprachen – und dann wundert man sich später über die Sprache und das Verhalten solcher Kinder. «Du bist und bleibst ein Nichtsnutz.» Die Bibel sagt uns, der Glaube kommt aus dem Wort. Ja, wenn jemand oft genug so etwas hört, glaubt er schliesslich daran.

Wir sind verantwortlich für die Worte, die wir sagen. Wir sind auch verantwortlich dafür, was wir mit den Worten tun, die andere uns sagen. Darum sollten wir immer zuerst überlegen, was und wie viel wir sagen.

Von Christen erwarten wir, dass sie wie Christus reden und handeln: «Jetzt sollt ihr leben wie Christus, der euch als seine Jünger berufen hat: Vorbildlich, ja heilig soll euer ganzes Leben sein.» (1. Petrus 1,15, Hoffnung für alle) Bonhoeffer sagt, dass wir unserem Nächsten nur durch Christus begegnen können. Christus steht zwischen uns. Wenn wir daran denken, dass Christus das fleischgewordene Wort Gottes ist, heisst das, dass die Worte, die wir einander sagen, fleischgewordene Worte Gottes sein sollen: Worte, die in ihrem Gehalt und in ihrer Tonart Christus ausdrücken, Worte, in denen die Gegenwart von Christus offenbar wird.

Nun bin ich vorletzte Woche in der Losung auf einen Bibelvers aus dem Alten Testament gestossen, der mir so richtig eingefahren ist und mich zu dieser Predigt angeregt hat: «Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.» (5. Mose 30,14, Luther)

Es ist das Wort ganz nahe bei dir

Da ist die Rede von dem Wort, das Gott dem Menschen sagt. Er will, dass sein Wort uns ganz nahe ist. Im grösseren Zusammenhang des Textes geht es um die Gebote, die Gott durch Mose dem Volk mitgeteilt hat. Es sind Worte, die uns helfen sollen, unser Leben mit Gott und den Mitmenschen zu gestalten. Es sind Lebensworte. Erst kürzlich haben wir ja darüber nachgedacht und einige haben sich davon neu angesprochen gefühlt. Die Worte von Gott sollen uns so nahe sein, dass sie Teil von uns selber werden: Sie werden zu Worten, die wir selber mit unserem Mund aussprechen. Worte, die so in unser Herz eingepflanzt sind, dass wir sie durch unser Wollen auch tun, danach handeln. Gott sagt auch: «Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.» (5. Mose 6,6-7, Luther) Was für Worte sprechen wir mit unseren Kindern, mit unseren Arbeitskollegen im Alltag, welches sind meine letzten Worte, wenn ich zu Bett gehe, welches meine ersten, wenn ich aufstehe? Sind es Worte von Gott? Und damit meine ich nicht einfach, dass wir Worte von Gott aus der Bibel zitieren oder die 10 Gebote aufsagen ... Ich meine damit: Sind es Worte, die von Gott inspiriert sind, die seine Liebe ausdrücken? Sind es Worte, die zum Leben ermutigen und Gott ehren? Sind es Worte, die uns Gott und den Menschen näher bringen? (Gemäss unserem Motto: Nahe bei Gott, nahe bei den Menschen’.) Sind es Worte, die Gott in mein Herz und in meinen Mund gelegt hat?

Wir sollen Worte von Gott sagen und tun. Was sind das für Worte?

Worte von Gott

1. ... sind Worte, die Leben schaffen und Gutes bewirken im Menschen, der sie empfängt: «Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse.» (5. Mose 30,15, Luther) Wir können auch Worte aussprechen, die zerstören und Böses tun, ja Worte können töten. Was für Worte sage ich?

2. ... sind Worte, die segnen und Leben entfalten im Menschen, der sie hört: «Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst.» (5. Mose 30,19, Luther) Mit meiner Wortwahl wähle ich immer zwischen Leben und Tod, für mich und andere. Was für Worte sage ich?

3. ... sind schöpferische Worte, die einen Weg in die Zukunft eröffnen und Hoffnung schenken: «Du hast gesprochen und alles entstand.» (Judith 16,14, Einheitsübersetzung) Was für Worte sage ich?

4. ... sind Worte, die Klarheit schaffen und die Dinge in das Licht von Gott rücken: «Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.» (Psalm 119,105, Luther) Was für Worte sage ich?

5. ... sind Worte, die wahr, zuverlässig und vertrauenswürdig sind. Es ist keine Falschheit in ihnen: «Alle Worte Gottes sind durchläutert, er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst.» (Sprüche 30,5-6, Luther) Was für Worte sage ich?

6. ... sind Worte der Versöhnung, die aufrufen sich mit Gott und Menschen zu versöhnen: «...Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. ... So bitten wir an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott.» (2. Korinther 5,18-19, Luther) Was für Worte sage ich?

7. ... sind Worte der Ewigkeit, die von Gott her kommen, dem Ursprung allen Lebens (Johannes 1,1: «Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.») und es sind Worte, die in diese Zeit hineinsprechen, Worte die aktuell sind: Das Wort heute’ wird im 5. Mose 30 mehrmals wiederholt! Was für Worte sage ich?

Christus – das Wort Gottes nahe bei uns

«Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.» (Johannes 1,14, Luther) Weil Gott sein Wort an uns gerichtet hat, können wir ihn kennen lernen. In Jesus, seinem fleischgewordenen Wort, ist er zu uns gekommen, ist sein Wort uns ganz nahe gekommen. «Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.» (5. Mose 30,14, Luther) Paulus zitiert genau diesen Vers im Römerbrief 10,8+9 und bezieht ihn auf Christus, das von Gott gesandte Wort: «Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesus, dass er der Herr sei, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.»

Worte von Gott können wir nur sagen, wenn sie auf diesem Glauben gründen, wenn Christus selber als das lebendige Wort in uns wohnt. Aus diesem unvergänglichen Samen, der in unsere Herzen gepflanzt ist, wachsen wahre Worte von Gott, die neues Leben schaffen und seine Liebe ausdrücken: «Haltet rein eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe und habt euch untereinander beständig lieb von Herzen, als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. ... Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.» (1. Petrus 1,22-25, Luther) Unsere Liebe untereinander hat ihren Grund nicht in uns selbst. Sie trägt in sich den Keim des neuen Lebens, das aus Gottes ewigem Wort kommt, aus Christus.

Worte von Gott kommen aus der lebendigen Beziehung mit Gott durch Jesus Christus. Worte von Gott kommen aus einem Herzen, das eins ist mit Gott. Menschenworte bestehen aus aneinander gereihten Buchstaben, die tot sind. Gottesworte sind lebendig und atmen Gottes Geist. Sie legen Zeugnis ab von Jesus Christus. Und wenn wir als Christen vom Feind angeklagt werden, sollen wir mit Worten des Zeugnisses antworten, die sich auf Jesus berufen. «Und sie haben den Verkläger überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses....» (Offenbarung 12,11, Luther)

Gottes Wort hören

Bevor wir Worte von Gott sagen und danach handeln können, müssen wir sie selber hören, sie aufnehmen, sie annehmen, sie in uns wohnen lassen. Wir erinnern uns an das Beispiel von Maria und Martha. Paulus ermutigt uns: «Lasst das Wort Christi reichlich wohnen in euch.» (Kolosser 3,16, Luther) «Lasst das Wort Christi seinen ganzen Reichtum bei euch entfalten ... Lasst all euer Tun – euer Reden wie euer Handeln – im Namen unseres Herrn Jesus geschehen. So könnt ihr Gott, dem Vater, für alles danken.» (Kolosser 3,16-17, Hoffnung für alle)

Gedanken von Sören Kierkegaard, die uns zum Hören ermutigen:
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich ein noch grösserer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloss Schweigen ist, sondern Hören.
So ist es: Beten heisst nicht sich selbst reden hören, beten heisst still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.

Kontakt

Majore
Walter und Hanny Bommeli

Heilsarmee Zürich Zentral
Ankerstrasse 31
8004 Zürich

Tel. 044 242 53 89

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